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Mehr Bioabfall eingesammelt

Südwestpfalz. Im vergangenen Jahr wurden rund 40 000 Bescheide mit den neuen Abfallgebühren versendet, gegen die 274 Widersprüche eingingen. Einen Großteil nahmen die Widerspruchsführer wieder zurück. Derzeit werden drei Klagen verhandelt. bme

Noch weniger Restmüll als erwartet, noch mehr Bioabfall als angenommen: Die Umweltabteilung der Kreisverwaltung Südwestpfalz hat jetzt dem Kreistag eine positive Bilanz des neuen Abfallkonzepts nach dem ersten Jahr geliefert.

"Nach heftigen und streitigen Diskussionen haben wir ein Konzept gefunden, dass - vorsichtig ausgedrückt - sich einigermaßen bewährt hat": So lautete das Fazit von Landrat Hans Jörg Duppré über die am 1. Januar 2015 neu eingeführte Müllabfuhr des Landkreises. Michael Zwick, der Leiter der Umweltabteilung der Kreisverwaltung, legte gestern den Kreistagsmitgliedern einen Erfahrungsbericht für 2015 in schriftlicher Form vor, diskutiert wurde nicht darüber.

Im vergangenen Jahr wurden rund 40 000 Bescheide mit den neuen Abfallgebühren versendet, gegen die 274 Widersprüche eingingen. Einen Großteil nahmen die Widerspruchsführer nach einer weiteren Information über die Erhebung der Leerungen durch die Kreisverwaltung zurück. Von den dann noch verbliebenen 61 Widersprüchen werden derzeit drei Klagen beim Verwaltungsgericht in Neustadt verhandelt.



Die Abfallstatistik für das vergangene Jahr weist einen Rückgang der Restmüllmenge von 18 000 auf 8077 Tonnen aus, womit die für 2015 nach der Einführung des neuen Systems kalkulierte Menge von 12 700 Tonnen um 4623 Tonnen unterschritten wurde. Auch bei den Leerungen musste die Kalkulation nach unten korrigiert werden. Durchschnittlich 4,76 Mal erfolgte eine Leerung der grauen Mülleimer, gerechnet hatte die Kreisverwaltung zuvor mit 9,4 Leerungen - inklusive der vier Leerungen, die in der Grundgebühr bereits enthalten sind.

Die geringere Restmüllmenge ist das Ergebnis einer deutlich höheren Menge an Bioabfällen: 7580 Tonnen Biomüll wurden im ersten Jahr nach der Einführung der braunen Biotonne eingesammelt, was die Erwartungen der Umweltabteilung deutlich übertroffen hat. Diese hatte mit 4700 Tonnen als Jahresmenge kalkuliert. "Indirekt wurden die Ergebnisse der Restmüllanalyse vom Frühjahr 2013 bestätigt, wonach der Restabfall mehr als 50 Prozent biogener Anteile enthält", teilte Zwick mit, dass genau dieser Anteil nun auch in die Biotonne gewandert ist.

Indem deutlich weniger Restmüll abgefahren und erheblich mehr Bioabfall eingesammelt wurde, ist auch eine Nachkalkulation für das Jahr 2015 erforderlich geworden, die am 3. Mai erfolgen soll. "Erst danach können wir auch sagen, ob sich die Gebühren ändern", informierte Zwick. Übrigens haben die Zahlen aus dem ersten Quartal 2016 die Aufteilung der Restmüll- und Bioabfallmengen bestätigt.

Keine großen Abweichungen gab es hingegen bei der blauen Tonne, bei der lediglich ein leichter Rückgang von 8913 auf 8076 Tonnen registriert wurde. Mehr Wertstoffe wurden in den Gelben Sack geworfen, was die Umweltabteilung auf eine verbesserte Mülltrennung zurückführt. Statt in den Restmüll werden Verkaufsverpackungen im gelben Sack entsorgt, so die Analyse. In Zahlen bedeutet dies einen Anstieg von fast 600 auf rund 4000 Tonnen. Bewährt hat sich nach Meinung von Zwick und seiner Abteilung die Systemumstellung beim Sperrmüll von fest terminierten Straßensammlungen auf Abholung nach einer konkreten Terminzusage oder der Anlieferung bei drei Einrichtungen im Landkreis. Die Sperrmüllmenge war im vergangenen Jahr stark rückläufig: 1494 Tonnen Sperrmüll wurden abgeholt, 591 Tonnen in den Wertstoffhöfen/Deponien in Dahn, Heltersberg und Contwig abgegeben, was einer Gesamtmenge von 2085 Tonnen entspricht. Im Jahr 2014 betrug die Menge noch 4563 Tonnen. Zwick rechnet aber damit, dass sich wegen des Einmaleffektes bei der Umstellung die Menge in diesem und den nächsten Jahren wieder angleichen wird.

Auch das nachträglich eingeführte Angebot von Windelsäcken habe sich bewährt, so das Fazit. Die Abfuhr erfolgt gekoppelt mit der Leerung der Biotonne in zweiwöchigem Rhythmus. Derzeit werden 605 Haushalte mit Windelsäcken versorgt. Zurückgewiesen hat Zwick die vielfach geäußerten Befürchtungen eines starken Anstieges der illegalen Müllablagerungen, sie hätten sich nicht bestätigt.