| 00:00 Uhr

Medizin studieren mit schlechten Noten

Zweibrücken. Der Wille ist da, aber die passende Note leider nicht? Das ist kein Grund zum Verzweifeln: Auch ohne Einser-Abi gibt es Wege ins begehrte Medizinstudium. Ein Überblick. Agentur

. Auch für Abiturienten mit schlechtem Schnitt gibt es Möglichkeiten, doch noch Mediziner zu werden. Der Klassiker: Wartezeit. "Fast alles im Leben ist Wartezeit, außer ein Studium an einer deutschen Hochschule", erklärt Kerstin Lütge-Varney von der Stiftung für Hochschulzulassung hochschulstart.de. Ausschlaggebend ist die Zeit zwischen Abitur und Bewerbung, in der man nicht an einer Uni in Deutschland immatrikuliert war. "Momentan sind im Durchschnitt mindestens zwölf Wartesemester erforderlich", erzählt Lütge-Varney. Studienplatzklage: Grundlage dafür ist das Recht zur freien Berufswahl nach Artikel 12 des Grundgesetzes. In einer Klage kann man sich sowohl gegen die Vergabeverfahren wenden als auch sogenannte außerkapazitäre Studienplätze einklagen. Die Erfolgsaussichten schwanken.

Wer sich in höheren Semestern als Quereinsteiger einklagt, hat beispielsweise bessere Chancen als zu Studienbeginn. Ist die Klage gewonnen, hat man den Studienplatz aber nicht sicher. "Normalerweise wird gelost", erklärt Mechthild Düsing, Hochschulrechtsexpertin beim Deutschen Anwaltverein das Prozedere, wenn es mehr Kläger gibt als freie Kapazitäten an den Unis.

Auswahlverfahren der Hochschulen: Zusätzlich zur zentralen Studienplatzvergabe über hochschulstart.de vergeben die Hochschulen 60 Prozent der Plätze in eigenen Auswahlverfahren. Bei einigen zählen neben der Abinote auch abgeschlossene Berufsausbildungen, Praktika, Auswahlgespräche oder Ergebnisse in Medizinertests.

Außerdem hat die Bundeswehr ein eigenes Kontingent von 2,2 Prozent aller Medizinerplätze. Hauptkriterium für die Auswahl ist hier das Ergebnis des Eignungsfeststellungsverfahrens für Offiziersanwärter. Medizinertest: Die meisten Hochschulen bewerten die Ergebnisse aus dem kostenpflichtigen Test für medizinische Studiengänge (TMS), an dem Bewerber nur ein einziges Mal teilnehmen dürfen. Teilweise haben die Unis auch eigene Tests. "Je nach Testergebnis vergeben die Universitäten unterschiedlich hohe Boni", erklärt Lütge-Varney. Ein Ergebnis von über 90 Prozent kann zum Beispiel einen Bonus von 0,6 auf die Abiturnote ausmachen.

Berufsausbildung: Wer eine abgeschlossene Ausbildung in einem medizinischen Beruf hat, bekommt an einigen Hochschulen ebenfalls Boni. Auslandsstudium: Wer keine Lust auf lange Wartezeiten hat, kann sein Glück im Ausland versuchen. Beliebt sind zum Beispiel Österreich und Ungarn.