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Oberbürgermeister-Kandidaten-Portraits
„In Zweibrücken ist mehr möglich“

Das Freibad (im Hintergrund die von ihm mit einem Spendenlauf initiierte Rutsche) liegt Marold Wosnitza besonders am Herzen: Hier sei er als Kind nach der Schule Dauergast gewesen. Das Freibad koste zwar Geld, sei aber „aus sozialer Verantwortung“ und „für eine lebenswerte Stadt“ völlig unverzichtbar.
Das Freibad (im Hintergrund die von ihm mit einem Spendenlauf initiierte Rutsche) liegt Marold Wosnitza besonders am Herzen: Hier sei er als Kind nach der Schule Dauergast gewesen. Das Freibad koste zwar Geld, sei aber „aus sozialer Verantwortung“ und „für eine lebenswerte Stadt“ völlig unverzichtbar. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Marold Wosnitza (SPD) will Oberbürgermeister werden, weil er sich gut gerüstet sieht, mit kreativer Politik den „Stillstand“ in Zweibrücken überwinden zu können. Von Lutz Fröhlich

Was reizt einen gut dotierten Professor daran, als Oberbürgermeister einer Mittelstadt zu kandidieren, die aufgrund ihrer hohen Verschuldung nur sehr begrenzt politische Gestaltungsspielräume bietet? Diese Frage ist Marold Wosnitza viel zu pessimistisch: „Wir können noch ganz, ganz viel für die Stadt erreichen, wenn man kreativ wird und auch einmal aus den normalen Abläufen rausgeht, natürlich innerhalb des rechtlich Möglichen“, ist der 52-Jährige überzeugt.

Vor allem aber habe die Stadt selbst ein „unfassbares Potenzial“, das es noch besser zu nutzen gelte. Zum einen sei dies persönlicher Art: Es gebe „unglaublich viel Manpower in Zweibrücken, Leute, die Zweibrücken mitgestalten wollen“, das reiche von vielen Unternehmern, mit denen er gesprochen habe, bis hin zu ganz normalen Bürgern. Wosnitza, der trotz seiner Professur weit weg von Zweibrücken hier immer seinen Hauptwohnsitz behalten hat, war selbst schon lange vor seiner OB-Kandidatur so ein engagierter Bürger: „Ich habe immer versucht, hier was zu bewegen“. Etwa bei der Aktion „Eine Stadt für ihre Kinder“, mit der 2006 die große Freibad-Rutsche finanziert wurde. „Da habe ich 4500 Leute auf die Straße gebracht, um für die Rutsche zu laufen“, nennt Wosnitza als Beispiel, dass es möglich sei, viele Zweibrücker für die weitere Verbesserung „unser tollen Stadt“ zu mobilisieren.

Damit kommt Wosnitza zum nächsten Vorteil Zweibrückens: Hier seien viele Weltmarktführer-Unternehmen angesiedelt, die große Kfz-Teststrecke am Flugplatz eröffne auch Chancen auf E-Mobilitäts-Firmenansiedlungen, die Lage in der Mitte Europas sei hervorragend und Zweibrücken habe „viele Wohlfühlbereiche“.



Aus all dem schließt Wosnitza: „In Zweibrücken ist mehr möglich!“ Hat er Vorbilder als OB? „Sicherlich Hans Otto Streuber und Kurt Pirmann“ (beide SPD). Besonderes Merkmal Pirmanns sei „die Bodenständigkeit“ gewesen, Streubers „die Weitsicht“. Vor allem aber „haben beide entschieden und gehandelt, nicht nur verwaltet“. Er selbst habe daraus gelernt, „das man Dinge bewegen kann, wenn man klare Zielvorstellungen hat, sonst herrscht Stillstand“. Durch die „aktuelle Situation“ seit dem monatelangem krankheitsbedingten Ausfall des am 25. Juni verstorbenen OB Pirmann herrsche aber „Stillstand“ in Zweibrücken, „das können wir uns nicht mehr leisten“.

Was würde Wosnitza als OB anders als Pirmann machen? „Er hat Entscheidungen oft sehr schnell getroffen, teils haben Abstimmungsprozesse nicht gegriffen. Wer mich kennt, wie ich Projekte und Mitarbeiter führe, weiß, dass mir – wenn keine Ad-Hoc-Entscheidung erforderlich ist – viele Meinungen und Perspektiven wichtig sind, bevor ich entscheide.“ Am Ende stehe dann meist ein Kompromiss: „Da gewinnt jeder was.“

Zentrales Ziel ist für Wosnitza eine bessere Wirtschaftsförderung. Diese sei nämlich auch für Arbeitsplätze wichtig. Sobald klar sei, dass eine Ansiedlung politisch gewollt ist, brauche jeder Investor einen Projektsteuerer, der alle Verwaltungs-Abstimmungsprozesse bis zur Ansiedlung koordiniere. Er schließe nicht aus, dass man dafür auch etwas mehr Personal brauche, viel entscheidender sei aber die neue, lösungsorientierte Herangehensweise. Das sei keine Kritik an der bisherigen individuellen Arbeit der Wirtschaftsförderinnen, er wolle aber neue Rahmenbedingungen setzen.

Auch touristisch lasse sich noch mehr aus Zweibrücken machen, findet Wosnitza. So gebe es zwar attraktive (über)regionale Radwege in der Umgebung, es fehlten aber „oft zwei, drei Kilometer Verbindungs-Anschlüsse nach Zweibrücken“. Auch innerstädtisch müsse man angesichts des E-Bike-Booms mehr für Radfahrer tun. Teils sei das ganz einfach möglich, etwa indem in Ernstweiler nicht mehr halbstündiges Parken mitten auf dem Radweg erlaubt werde. Der Rosengarten sei „ein Benchmark-Rosengarten für die ganze Republik, es ist unglaublich, was Heiko Hübscher da geschafft hat“, aber viele Zweibrücken-Besucher wunderten sich, dass man trotz Bewerbung als „Rosenstadt“ in der Innenstadt kaum Rosen sehe. Der Austritt aus der Pfalztouristik sei ein Fehler gewesen, dadurch würden weniger Kurzurlauber auf Zweibrücken aufmerksam.

Stichwort Innenstadt: Für die will Wosnitza gemeinsam mit Geschäftsinhabern und Bürgern ein neues Konzept erarbeiten. Angesichts der doppelten Konkurrenz durch Outlet und Online-Handel seien die Chancen nur gering, große Mode-Marken in die City zu locken. Sein Ziel seien deshalb mehr Geschäfte „wie Juwelier Rohrbacher oder früher der Hutladen, die Marktnischen besetzen“. Wosnitza schweben drei Säulen für die Innenstadt vor: „Nahversorgung, Spaß und Nischen.“

Ausweichend antwortet Wosnitza auf die Frage, wo er sparen wolle, wenn dies die Kommunalaufsicht  mal wieder verlangt: „Das kann ich ernsthaft erst beantworten, wenn ich den Haushaltsplan in den Fingern gehabt habe.“

Hat sein CDU-Kontrahent Christian Gauf nach einem Jahr als Bürgermeister einen Vorsprung bei der Verwaltungserfahrung? Als Professor habe er seit Jahrzehnten öffentliche Verwaltungserfahrung, antwortet Wosnitza, zuletzt als Prodekan seien 70 Prozent seiner Arbeit Verwaltung gewesen. Er habe Mitarbeiter-Verantwortung, Millionen-Budgets verwaltet, Geld für Projekte organisiert und mit doppischen Haushalten gearbeitet.