| 21:10 Uhr

Seemannsweihnacht
Lieder von Weihnachten auf hoher See

Feierte ein begeistert aufgenommenes Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche: der Shanty-Chor der Marinekameradschaft „Teddy Suhren“.
Feierte ein begeistert aufgenommenes Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche: der Shanty-Chor der Marinekameradschaft „Teddy Suhren“. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Die Seemannsweihnacht der Marinekameradschaft „Teddy Suhren“ verfolgten 500 Besucher in der Zweibrücker Kirche Heilig Kreuz Von Sebastian Dingler

Die zum 15. Mal vom Shanty-Chor der Marinekameradschaft „Teddy Suhren“ durchgeführte Seemannsweihnacht war auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Das sah man allein an der restlos gefüllten Kirche Heilig Kreuz. Die Romantik der Seefahrer, ihre Sehnsucht nach den Familien zuhause, beides verpackt in die weihnachtlichen Seemannslieder: All das bewog die Zweibrücker zum Konzertbesuch. Und die knapp 500 Besucher, unter ihnen auch eine Delegation aus der kanadischen Partnerstadt Barrie, wurden nicht enttäuscht.

Nach dem traditionellen „Glasen“, dem Schlagen der Schiffsglocke, ging der Reigen los mit dem „Gruß zur Weihnacht“, einer auf die Seemannsbefindlichkeit umgetexteten Version von „Alle Jahre wieder“. Das Prinzip, bekannte Melodien mit einem weihnachtlichen und seemännischen Text zu versehen, fand sich häufiger im Programm wieder. So etwa bei den Liedern „An Weihnacht, an Weihnacht“ und „Abendgebet nach See“, die auf die Melodien von „Zuhause, zuhause“ und Amazing Grace getextet wurden – ersteres sogar von Chorleiter Bernd Theisohn selbst.

„Das ist auf dem Shanty-Festival auf Usedom entstanden, da hat einer die Melodie gespielt, die ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Da hab ich einen Weihnachtstext darauf gemacht“, erzählte Theisohn nach dem Konzert. Er und seine Stellvertreterin Christel Weber begleiteten den Chor stilgerecht auf dem Akkordeon.



In den Erholungspausen des Chors (der Altersdurchschnitt liegt immerhin bei 73 Jahren!) erklangen Instrumentalstücke von Organist Benedikt Schwarz und Trompeter Walter Rimbrecht. Theisohn, der ja auch als „Auerbacher Bernd“ bekannt ist, steuerte mit dem Stück „Sterne der heiligen Nacht“ ein Akkordeon-Solo bei. Leider waren beide Sängerinnen, die sonst immer dabei sind, in diesem Jahr verhindert, einmal aus familiären Gründen, einmal krankheitsbedingt.

Das wurde aber hervorragend kompensiert: Einmal durch die schon erwähnten Instrumentalstücke, dann auch durch das Gedicht „Peters schönstes Weihnachtsgeschenk“, unterhaltsam vorgetragen von Hartwig Morio. Dieser steuerte dann auch noch die Geschichte „Seemannsweihnachten“ bei, die sich mit dem 1998 abgeschalteten Radiosender Norddeich beschäftigte, der für Seeleute über Jahrzehnte eine ganz wichtige Verbindung zur Heimat darstellte.

Viele Shantys benötigen einen sogenannten Shanty-Man: Das ist der Vorsänger, der dem Chor den Rhythmus angibt. Bei der Seemannsweihnacht übernahmen diese Rolle abwechselnd Johann Neuer, Karl-Heinz Veit, Peter Zäh und Wolfgang Martin. Wie der ehemalige Vorsitzende der Marinekameradschaft, Reinhard Franke, erklärte, ist das Singen von Shantys, also Seemannsliedern, dadurch entstanden, dass manche Arbeiten an Bord, wie das Lichten des Ankers, einen bestimmten Rhythmus erforderten. Den habe dann der Shanty-Man vorgegeben. Nach all den Liedern über Weihnachten auf hoher See gab es zum Schluss noch ein „normales“ Weihnachtslied zum Mitsingen: Bei „Süßer die Glocken nie klingen“ stimmte das gesamte Publikum mit ein. Anschließend bedankte sich der Vorsitzende der Marinekameradschaft, Hans Dörrschuck, bei den Mitwirkenden und wünschte allen Anwesenden alles Gute für den Rest des Jahres.

Und nach dem letzten Weihnachts-Shanty „Leise kommt die Nacht“ zeigte das viermalige Glasen an, dass das Konzert nun beendet war. Das Publikum zeigte seine Begeisterung mit stehendem Applaus.

Trotz des großen Erfolges und der tollen Ausflüge nach Usedom und Bremerhaven klagt auch der Zweibrücker Shanty-Chor über Nachwuchsmangel. Das oben schon erwähnte Durchschnittsalter spricht auch dafür, dass etwas Blutauffrischung gut täte. Geprobt wird immer am Dienstagabend im Marineheim in Niederauerbach.