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Landgericht Zweibrücken
Maria Stutz: „Wir müssen weiter emotionslos den Gesetzen folgen“

Landgerichts-Präsidentin Maria Stutz bei der Feier im Schlossfoyer.
Landgerichts-Präsidentin Maria Stutz bei der Feier im Schlossfoyer. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; www.marcowille.de
Zweibrücken. Amtseinführungsfeier: Neue Landgerichts-Präsidentin warnt vor Hass und Verrohung. Viel Lob auch von Minister Mertin für ihren Vorgänger Markus Gietzen. Von Fritz Schäfer

„Du hast mir ein tolles und modernes Haus hinterlassen“, dankte die schon seit September amtierende Präsidentin des Landgerichts Zweibrücken, Maria Stutz, gestern bei der Amtseinführungsfeier im Schlossfoyer ihrem Vorgänger Markus Gietzen. Gietzen war bereits im Juni als Präsident ans Landgericht Kaiserslautern gewechselt.

„Warum verlässt man ein so schönes Gericht in Zweibrücken?“, stellte sich Gietzen eine rhetorische Frage. Um sie mit dem Hinweis zu beantworten, dass man eine neue Herausforderung suchen solle, wenn man noch 20 Dienstjahre vor sich habe. In seiner Abschiedsrede beteuerte Gietzen, dass er die Zeit mit den Mitarbeitern im Landgericht genossen habe. „Trotz der vielen Arbeit hat es nie eine brenzlige Situation gegeben. Das geht nur mit solchen Mitarbeitern.“ Die gemeisterte Herausforderung, als viele Flüchtlinge in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Zweibrücken gekommen sind, die Veranstaltungsreihe zum 200-jährigen Bestehen des Landgerichts oder die Neugestaltung des Eingangsbereichs zum Landgericht am Goetheplatz nannte Gietzen als wichtige Punkte. Dazu komme die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. „In Zweibrücken ist die Justiz mitten in der Stadt und mitten in der Gesellschaft.“

Gietzen geht nicht so ganz, meinte der Zweibrücker Bürgermeister Christian Gauf (CDU). Denn Gietzen bleibe in „der Stadt der Rosen, Rosse und Roben“ wohnen. Gauf hofft, dass Gietzens Nachfolgerin Maria Stutz der Zweibrücker Justiz lange erhalten bleibt.



„Hinter jedem Aktenzeichen steht ein Mensch“, bekundete die neue Landgerichtspräsidentin ihr Credo. „Das muss uns immer bewusst sein.“ Dabei müsse sich die Justiz in Zeiten von Hassmails, Verrohung der Gesellschaft und öffentlicher Verurteilungen in Medien die Frage stellen, wo sie stehe. „Wir müssen weiter emotionslos den Gesetzen folgen“, betonte Stutz. Dabei die Unabhängigkeit wahren und selbstbewusst auftreten.

Ähnlich hatte sich Landgerichts-Vizepräsident Uwe Fischer bei der Begrüßung der über hundert Vertreter aus Justiz, Politik und Gesellschaft geäußert. Den heutigen „Wir sind das Volk“-Rufern hielt er entgegen: „Das Volk besteht aus allen Bürgern!“ Darauf folgte starker Beifall. Aussagen wie „Lügenpresse“ aus lautstarken Mündern sollten Anlass sein, dass sich alle mit dem Umgang miteinander auseinandersetzen. In der Festansprache erwähnte Landes-Justizminister Herbert Mertin (FDP) mit einem Schmunzeln, dass Gietzen 2006 als Mitglied des Justizbereitschaftsdienstes in Kaiserslautern auch ein Teil des WM-„Sommermärchens“ war. Wichtiger seien sei der Einsatz bei der Beschleunigung von Gerichtsverfahren, bei der Verbesserung der Kommunikation und dem Service. Und nicht zu vergessen beim Umbau des Eingangs des Landgerichts. „Der bleibt immer mit deinem Namen verbunden“, sagte der Vorsitzende des Richterrats des Landgerichtsbezirks, Peter Ehrmantraut. Minister Mertin sagte, das Landgericht habe mit Maria Stutz eine „couragierte“ neue Präsidentin, die ihre kommunikativen Fähigkeiten als Personalreferentin bewiesen habe. Die Formation „Flöten in Jeans“ der Kreismusikschule Südwestpfalz umrahmte die Feier.