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Stadtentwicklung
Manfred Schenk kauft Parkbräu-Gelände

Das Parkbrauerei-Gelände in Zweibrücken hat schon bessere Tage gesehen. Bald sollen solche wieder kommen.
Das Parkbrauerei-Gelände in Zweibrücken hat schon bessere Tage gesehen. Bald sollen solche wieder kommen. FOTO: Mirko Reuther
Zweibrücken. Wohnen und Gewerbe geplant. Noch-Mieter ärgern sich über die Informationspolitik von Alt- und Neueigentümer. Von Jan Althoff und Mirko Reuther

  Die Zeit hat es nicht gut gemeint mit dem Gelände der Parkbrauerei an der Hofenfelsstraße. Seit hier vor fast 30 Jahren das letzte Bier gebraut wurde, hat sich an einigen Ecken gar nichts geändert. Die Farbe von damals verabschiedet sich stückchenweise, einige Gebäude sind vermietet, andere stehen leer. Immer wieder wurde über neue Nutzungen diskutiert, immer mal wieder wagten Investoren einen Blick, immer wurde letztendlich doch nichts daraus. Bis jetzt. Wie der Pirmasenser Investor Manfred Schenk gestern auf Anfrage mitteilen ließ, hat seine Unternehmensgruppe das 33 685 Quadratmeter große Areal gekauft.

Bei Schenk, der auf einer anderen Zweibrücker Industriebrache bereits das Hilgardcenter gebaut hat, trägt das Park-Areal künftig den Titel „Quartier Alte Brauerei“. Er will dort „Wohnen in den verschiedensten Lebensformen und für alle Generationen“ ansiedeln sowie „Dienstleistungen und nicht störendes Gewerbe“. Teile des Plangebietes will er als „Urbanes Gebiet“ nach dem erst im Mai 2017 eingeführten Paragraf 6a der Baunutzungsverordnung (BauNVO) ausweisen lassen. Dort wären neben den genannten Nutzungen erlaubt: „Einzelhandelsbetriebe, Schank- und Speisewirtschaften sowie Betriebe des Beherbergungsgewerbes“ und „Anlagen für Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke“.

In zwei Wochen hat Schenk einen Termin im Zweibrücker Rathaus. „Da wird Herr Schenk näher erläutern, was er sich vorstellen kann“, sagt Stadtsprecher Heinz Braun. Mit Sicherheit wird es auch um die Möglichkeiten gehen, das Areal als Sanierungsgebiet auszuweisen. Wenn das genehmigt wird, gibt’s vom Land Zuschüsse für die Entwicklung des Gebietes – was wiederum die Kasse der Unternehmensgruppe Schenk entlasten würde. Dort geht man insgesamt von einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro aus. Schenk sagte dem Merkur, er rechne damit, dass in zwei Jahren die baurechtlichen Voraussetzungen für den Beginn der Sanierungsarbeiten gegeben sein werden.



Hätte man das Areal nicht schon früher kaufen und entwickeln können? Schließlich führt es schon seit vielen Jahren ein Mauerblümchen-Dasein ganz nah an der City. Schenk: „Bis jetzt hat der Herr Pauli [Parkbrauerei-Chef Roald Pauli, Anm. d. Red.] keine Verkaufsabsicht gehabt. Der hatte das ja gut vermietet.“ Hatte. Denn mit Schenks Plänen sind die derzeitigen Mieter auf dem Areal sicher nicht kompatibel. Er sagt auch offen: „Wir übernehmen das entmietet.“

Bei den derzeitigen Mietern stößt das verständlicherweise auf wenig Begeisterung. Zumal sie nach eigenen Angaben bisher keine offizielle Information über ihre neue Lage bekommen haben. Manuel Schwierczek, Leiter der Funky-Drums-Schlagzeugschule, fiel beim Gespräch mit dem Merkur aus allen Wolken: „Das ist jetzt krass, ich hatte keine Ahnung. Ich bin erst vor zwei Jahren in diesen Übungsraum gezogen. Die Wände sind massiv, der Raum ist trocken. Es gab wegen der Lautstärke nie Beschwerden. So einen Raum findet man nicht so schnell noch einmal.“ Oliver Semmler von Reifen Semmler hat den Schrecken bereits verdaut, auch wenn er kritisiert, er habe vorher von der Stadt und der Parkbrauerei „nix gehört“. „Ich fange jetzt schon an, mich nach anderen Gegebenheiten umzuschauen. Klar sind wir hier enttäuscht, ich bin seit 15 Jahren hier. Ich bin ja nicht allein auf dem Gelände. Die von der Schreinerei und die anderen fühlen sich auch verarscht.“