| 22:20 Uhr

Bundestagswahlkampf
Malu Dreyer stichelt in Zweibrücken gegen die Kanzlerin

 Angelika Glöckner (links), Moderatorin Trixi Kuklinski (Mitte) und Malu Dreyer bestritten standen in der Festhalle auf der Bühne.
Angelika Glöckner (links), Moderatorin Trixi Kuklinski (Mitte) und Malu Dreyer bestritten standen in der Festhalle auf der Bühne. FOTO: David Oliver Betz
Zweibrücken. Rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin unterstützte gestern die Abgeordnete Angelika Glöckner im Wahlkampf. Von David Oliver Betz

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), ist gestern in die Zweibrücker Festhalle gekommen, um dort die Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner bei ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Dreyer schoss scharf Richtung CDU und Angela Merkel. Vor allem, dass die Union nicht einmal ein richtiges Programm vorzeigen könne ärgerte die Landeschefin.

 „Natürlich geht es uns gut“, ruft Dreyer den gut 300 Zuhörern zu. „Aber deshalb dürfen die Bürger trotzdem erwarten, dass Politik gestaltet.“ Daher sei ihr nicht vor der Wahl bange, denn sie hält das Programm der Sozialdemokraten für gut, sieht darin wichtige Projekte verankert, die die Zukunft positiv gestalten sollen. „Fällt Ihnen ein einziges Projekt der CDU ein, das in der abgelaufenen Legislaturperiode umgesetzt wurde?“, fragt sie in den Saal. „Die PKW-Maut“, ruft ein Mann. „Und die war noch von der CSU“, ruft Dreyer zurück. Nein, die wichtigen Projekte habe die SPD gegen die Union durchgesetzt, allem voran den Mindestlohn.

 Scharf kritisiert sie auch die Bundeskanzlerin im Fall des Dieselskandals. „Ich habe Verständnis für jeden Politiker, der Urlaub macht. Aber wenn die wichtigste Industrie in unserem Land einen solchen Skandal hat, dann muss die Kanzlerin sich auch aus dem Urlaub zu Wort melden und mal ein Machtwort sprechen“, so Dreyer energisch. Dafür erntet sie großen Beifall.



 Die derzeitigen Umfragewerte der SPD seien nicht berauschend. „Aber 42 Prozent der Bürger wissen noch nicht, was sie wählen wollen. Trotzdem können sich Dreiviertel davon vorstellen, SPD zu wählen. Deshalb glaube ich fest daran,  dass wir am 24. September stärkste Partei in Deutschland werden können“, sagt die Ministerpräsidentin. Ihre Gelassenheit nehme sie auch daher, dass sie bei ihrem eigenen Landtagswahlkampf in den Umfragen lange hinten lag. „Die Umfragen sind ja gut und schön, aber entscheidend ist der Wahlsonntag“, rief sie in den Saal. „Und natürlich wünsche ich Angelika Glöckner, dass sie es wieder in den Bundestag schafft, weil sie der Region gut tut“, so Dreyer.

 Angelika Glöckner nannte als wichtige Ziele für die kommenden vier Jahre die Möglichkeit, aus einer Teilzeit wieder in die Vollzeit wechseln zu können. „Viele Mütter kehren in Teilzeit wieder in den Beruf zurück. Deshalb wollen wir unbedingt das Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit umsetzen. Das hat die Union bisher blockiert, aber dafür kämpfen wir.“ Die SPD habe einen Plan, das unterscheide sie derzeit ganz stark von der CDU. „Durch Hypnose mit Händen in Rautenform werden wir die Probleme nicht lösen“, stichelte sie Richtung Kanzlerin und deren Politik des Weiter-So. „Wir brauchen mehr Geld für finanzschwache Kommunen, gerade in unserer Region“, so Glöckner weiter.

 Am Ende beantworteten die beiden Politikerinnen Fragen aus dem Publikum, ehe die Ministerpräsidentin entschwand. Nicht ohne die Aufforderung: „Gehen Sie alle wählen!“