| 22:16 Uhr

Prozess am Landgericht
„Malik“ soll Drahtzieher des Subutex-Handels sein

Zweibrücken. Ein 55-jähriger Pirmasenser muss sich seit gestern wegen Drogenhandels im Zweibrücker Gefängnis verantworten. Von Norbert Rech

Wegen des illegalen Einschmuggelns von Subutex-Tabletten in das Zweibrücker Gefängnis muss sich seit gestern ein 55-jähriger ehemaliger Insasse vor dem Landgericht in Zweibrücken verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem Pirmasenser zu Last, von September 2009 bis Februar 2010 den Handel mit den Betäubungsmitteln in die Justizvollzugsanstalt organisiert zu haben. Er soll das getan haben, um seinen Lebensstandard während der Haft deutlich zu verbessern. Insgesamt sollen in neun Fällen jeweils 30 Subutex-Tabletten in die Justizvollzugsanstalt geschmuggelt und dort verteilt worden sein. Der Angeklagte, der sich seit 2016 wieder auf freiem Fuß befindet, soll dabei im Laufe der Monate über 180 Tabletten selbst verfügt haben.

Vor Gericht machte der Pirmasenser lediglich Angaben zu seiner Person. „Alle haben Respekt vor ihm gehabt“, so die Aussage eines 58-jährigen Zeugen. Der Angeklagte sei zwar kein Hüne, soll sich aber durch Schutzgelderpressung einen Namen unter den Häftlingen gemacht haben. Den Grund seiner Haft habe er diesen aber nicht verraten. Es kursierte das Gerücht, dass es sich um einen Gewalttäter handele. Der mutmaßliche Organisator des Drogenhandels soll den Spitznamen „Malik“ tragen und der Wortführer in der Anstalt gewesen sein.

Der Zeuge berichtet auch von einem Abschtschjak-Halter. Dabei handele es sich um eine Gemeinschaftskasse im Gefängnis, bei der jeder einen Teil seines Taschengeldes einbezahlen müsse. Von dem Geld werden Kaffee und Zigaretten gekauft, aber auch Drogen finanziert. Der Häftling, der hierfür zuständig gewesen sei, ist allerdings inzwischen eines natürlichen Todes gestorben und konnte deshalb gestern seine dokumentierten Aussagen bei der Polizei und der Vernehmungsrichterin nicht mehr bestätigen.



Der Mann habe sich nach seiner Entlassung selbst bei den Behörden gemeldet und habe ein „neues Leben beginnen wollen“, wie die für die damalige Vernehmung zuständige Richterin bezeugte. Der Abschtschjak-Halter habe auf Anweisung die Tabletten, die er in der Wäscherei versteckte, dann später weitergeleitet.

Ein anderer damaliger Häftling konnte sich krankheitsbedingt an kaum etwas erinnern. Er sei selbst Subutex-Konsument gewesen. Der Angeklagte ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Das Vorstrafenregister weist insgesamt neun Einträge auf, die meisten haben mit körperlicher Gewalt zu tun. Der Prozess wird mit der Vernehmung von weiteren zwei Zeugen fortgesetzt. Ein Termin ist allerdings noch nicht bekannt.