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Verkehrsprojekt
Mainz: Neubau der B 423 kein Hindernis für Bahnreaktivierung

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Symbolfoto FOTO: Boris Roessler / picture alliance / Boris Roessle
Zweibrücken. Bahnreaktivierung Homburg-Zweibrücken: Brückenproblem durch B 423-Bau ist durch Umplanungen gelöst.

Seit die Kabinette von Saarland und Rheinland-Pfalz im Februar weiteren Planungen zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken zugestimmt haben, ist es sehr ruhig um das Projekt geworden. Im neuen saarländischen Koalitionsvertrag war im Mai keine Rede davon und im August spielte es nur im Zusammenhang mit dem angedachten Neubau der Schwarzenbach-Umgehung (B 423) eine Rolle. Die Befürchtung: Eine für die Umgehungsstraße geplante Brücke könnte so niedrig sein, dass eine nachträgliche Elektrifizierung der darunter befindlichen Gleise für die Strecke Homburg/Zweibrücken nicht mehr möglich ist.

Eine unbegründete Sorge, wies das Saar-Wirtschaftsministerium zurück. Mit den aktuellen Plänen sei eine nachträgliche Elektrifizierung an der Stelle sehr wohl möglich. Die Brücke sei laut im Ministerium angesiedelter Oberster Straßenbaubehörde schließlich höher als 5,70 Meter – die entscheidende Voraussetzung. Der Einwand solle aber im Planfeststellungsverfahren zum B 423-Neubau besprochen werden. „Nachträglich“ würde nach Lesart des Ministeriums auch nur für den Fall gelten, dass der Brückenbau vor der Elektrifizierung komme. Noch scheint nämlich nicht klar, was zuerst kommt. Beide Projekte könnten etwa im gleichen Zeitfenster realisiert werden. Baubeginn für die B 423 ist laut Ministerium wohl 2020, die S-Bahn-Strecke soll bis 2021 fertig sein.

Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium sieht das Problem ebenfalls gelöst. Auf Merkur-Anfrage heißt es, „dass einer vollständigen Elektrifizierung der Strecke nichts mehr im Wege steht. Das Straßenbauprojekt im Saarland wird dementsprechend geplant.“

Und wie ist nun der aktuelle Stand? Die Deutsche Bahn lässt ihre Experten gerade Pläne schmieden. Aktuell wird die Vorplanung überarbeitet. Sie soll, so ein Sprecher „den Ländern bis Ende November diesen Jahres vorgestellt“, auf ihrer Grundlage „zeitnah mit der DB AG die Planungsvereinbarung für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung abgeschlossen werden“, ergänzt das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium.

Aufgrund des geänderten Fahrplankonzepts seien „insbesondere im Bahnhof Einöd Umplanungen notwendig“ gewesen. Der Zugang zum Bahnsteig soll über eine Rampe und nicht über einen Lift erfolgen. Außerdem sollen von dem Bahnsteig die Fahrgäste zwischen den Zügen Richtung Homburg und Richtung Blieskastel umsteigen können.



Derzeit liefen auch die Verhandlungen zwischen den Ländern und der DB Netz AG zu den nächsten Leistungsphasen. Das Saarland hatte im Februar die komplette Realisierung des Projekts an zwei Bedingungen: Der Bund müsse die Reaktivierung mit 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten fördern, und der Nutzen-Kosten-Faktor am Ende aller Planungen und vor Baubeginn einen ausreichend hohen Wert aufweisen. Der Bund hat laut Mainz „signalisiert, das Projekt im Rahmen des GVFG-Bundesprogrammes mit zu finanzieren“ GFVG steht für „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“. Bei der Vorplanung war zudem der Kosten-Nutzen-Wert mit 1,24 über der Förderschwelle von 1,0.

Dass dieser durch Zusatzkosten, die durch die jüngste Umplanung nötig wurden, unter 1,0 sinken könnte, hatte Werner Schreiner, Projektmanager beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar, im Mai, für unwahrscheinlich erklärt.