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Verein Kultur in der Himmelsbergkapelle
Maiandacht der besonderen Art

Pfarrerin Elisabeth Bracht, Helge Schulz und Anita Bischoff hielten in der Himmelsbergkapelle eine bewegende Maiandacht rund um das Bild „Maria im Rosenhag“.
Pfarrerin Elisabeth Bracht, Helge Schulz und Anita Bischoff hielten in der Himmelsbergkapelle eine bewegende Maiandacht rund um das Bild „Maria im Rosenhag“. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Der Verein Kultur in der Himmelsbergkapelle stellte das spätmittelalterliche Tafelbild „Maria im Rosenhag“ des elsässischen Malers Martin Schongauer vor.

Mit einer Maiandacht der besonderen Art setzte der Verein Kultur in der Himmelsbergkapelle kürzlich in der Himmelsbergkapelle sein Kulturprogramm fort. Im Mittelpunkt stand das spätmittelalterliche Tafelbild „Maria im Rosenhag“ des elsässischen Malers und Kupferstechers, Martin Schongauer, aus dem Rosenmuseum im Zweibrücker Rosengarten. Es gehört der Familie Stauch. Die Lichtverhältnisse und auch die besondere Atmosphäre in der ehemaligen Krankenhauskapelle brachten das farbenprächtige Gemälde besonders gut zur Geltung.

Anita Bischoff brachte das so vielsagende Werk den gut 60 Besuchern in einer ebenso prägnanten wie einfühlsamen Interpretation nahe. Stellt man sich das Bild ohne seinen Goldrahmen vor, sitzt Maria, ihr Kind auf dem Arm, inmitten blühender Rosensträucher. Der goldfarbene Hintergrund, Zeichen für die strahlende Göttlichkeit, erleuchtet das Haar von Mutter und Sohn.

Zwei Engel über ihren Häuptern lassen göttliche Gegenwart erkennen und deuten in eine andere Welt. Gott und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, die aus dem einst pyramidenförmig aufgebauten Original ausgeschnitten wurden, finden sich in der Kapelle als golden leuchtendes Kreuz sowie als Symbol auf dem steinernen Rednerpult.



Gegen die Sinfonie von triumphierenden Rottönen im Kleid der Jungfrau, Mutter und Himmelskönigin sowie der Rosen sticht das lebendige Grün der Blätter besonders ab. Martin Schongauer war bekannt dafür, die Natur detailgenau zu interpretieren und sie als Gottes Schöpfung wunderschön darzustellen. Rot ist zugleich auch die Farbe des Blutes und lässt in den wie Blutstropfen herabhängenden Rosen bereits die Passion vorhersehen. „In der Betrachtung sommerlicher Lebensfülle sind wir bereits dem Tod begegnet“, erklärte Anita Bischoff.

Zum ersten Mal erklang bei der siebten Veranstaltung des Vereins Kultur in der Himmelsberkapelle die wunderschöne Orgel, die Bezirkskantor Helge Schulz in ihrer Klangvielfalt ertönen ließ. Mittelalterlichen Werken wie dem polyphonen, synkopischen Päludium und Fuge von Dietrich Buxtehude, und einer tänerischen Canzona von Christian Erbach folgten im zweiten Teil ruhige Werke aus der Romantik.

Zart und meditativ interpretierte Helge Schulz das Offertoire von Alfred Lefébure-Wely und zum Abschluss ein leicht fließendes Andante von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dazwischen rezitierte Anita Bischoff Gedichte um die Licht und Liebe verbreitende Rose von Rainer Maria Rilke, aus dem Paradies in Dantes Göttlichen Kömödien oder dem Ende von Faust II aus der Feder Johann Wolfgang von Goethes. Gemeinsam gesungene Kirchenlieder wie ein eher unbekanntes Abendgebet unterstrichen den Andachts-Charakter. Friedrich Stuppy fühlte sich von der Kombination von Posie, Bild, Musik und Gottes „sehr angesprochen“.