| 21:13 Uhr

Lesung
Lyrische Nachklänge in der Bipontina

Anita Bischoff vor interessiertem Publikum.
Anita Bischoff vor interessiertem Publikum. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. Anita Bischoff las und interpretierte griechische, römische und deutsche Gedichte. Von Peter Fromann

Die Bibliotheca Bipontina hatte am Donnerstagabend zu „Lyrischen Nachklängen“, einem Rezitationsabend mit Anita Bischoff, geladen. Und gut 60 Literaturfreunde fanden zusammen. Zu Gehör kamen griechische, römische und deutsche Gedichte, jeweils in der Originalsprache. Sappho ist die wohl größte, beinahe einzige wichtige Dichterin des klassischen Altertums. Sie lebte um das Jahr 600 vor Christus auf der Insel Lesbos, das „lyrische Ich“, das leidet und liebt, wurde geboren: Lyrik von großer Zartheit und Kraft entstand. Ihre Dichtkunst war so originär, dass nach ihr eine Versform benannt wurde: die Sapphische Ode. Ein Versmaß, das die Dichterin häufig einsetzte. Die Römer gerieten, als sie ihr Weltreich eingerichtet hatten, alsbald in den Bann des griechischen Geistes. Sie ahmten griechische Dichtung nach, fanden zu eigener Größe, es entstanden Meisterwerke in lateinischer Sprache. Mit dem Zerfall des römischen Reiches brach diese Jahrtausende alte Tradition aber nicht ab, in den Klöstern, den Gelehrtenstuben, an den Universitäten und an den Höfen, überall in Europa lebte das Erbe der Antike in mehrfacher Wiedergeburt weiter und brach sich Bahn: Die Renaissance erblickte das Licht der Welt.

Diese Transformation, diese Weitergabe des literarischen Erbes machte die pensionierte Altphilologin Anita Bischoff an ausgewählten Beispielen deutlich. Texte von Conrad Ferdinand Meyer, von Eduard Mörike, Nikolaus Lenau, Grillparzer, Catull, Herder, Morgenstern und Horaz, von Schiller, Rainer Maria Rilke und anderen kamen zu Gehör. Eine Sammlung großartiger Gedichte, die der Dichterfreunde Herz erregte.

Anita Bischoff deklamierte mit viel Ausdruck, brachte die Texte zum Leuchten. Ihr ist es mit zu verdanken, dass sich eine große Gemeinde der Freunde der Antike gebildet hat. Am Helmholtz-Gymnasium hatte sie eine Theater-AG gegründet, die gern auch antike Tragödien auf die Bühne brachte. Nachdem die Politik das altehrwürdige Herzog-Wolfgang-Gymnasium einst gelyncht hat, fehlt es an systematischer Lehre klassischer Bildung weithin in Zweibrücken. Da tun solche Abende wie „Nachklänge“ besonders gut. Wie aus Gesprächen an und nach derartigen Veranstaltungen deutlich wird. Anhaltender Beifall war der Mühe Lohn.