| 00:29 Uhr

Lösung für Methadon-Problem in Sicht

Zweibrücken. Es begann als Krisensitzung, endete aber hoffnungsvoll: Das Treffen der "Psychoszialen Arbeitsgemeinschaft" (PSAG) Südwestpfalz/Pirmasens/Zweibrücken gestern im Ratssaal der Stadt. Thema war der Wegfall des Drogen-Substitutionsprogramms in Zweibrücken, nachdem Dr. Karel Bures vor einem Jahr aus bürokratischen Gründen seine Praxis schließen musste (wir berichteten)

Zweibrücken. Es begann als Krisensitzung, endete aber hoffnungsvoll: Das Treffen der "Psychoszialen Arbeitsgemeinschaft" (PSAG) Südwestpfalz/Pirmasens/Zweibrücken gestern im Ratssaal der Stadt. Thema war der Wegfall des Drogen-Substitutionsprogramms in Zweibrücken, nachdem Dr. Karel Bures vor einem Jahr aus bürokratischen Gründen seine Praxis schließen musste (wir berichteten).Bures hatte Drogenabhängige mit dem Ersatzstoff Methadon versorgt - seitdem müssen Süchtige hierfür bis nach St. Ingbert, Pirmasens oder noch weiter fahren. Manchen ist das zu teuer oder zu aufwändig - weshalb sie sich Geld für Stoff durch Autoaufbrüche besorgen. Deren Zahl ist in Zweibrücken zeitweise um 20 Prozent gestiegen - auch wenn sich die Lage nach zwei Festnahmen etwa entspannt hat, wie Polizeiinspektion Ralf Klein auf Merkur-Nachfrage berichtete.

Oberbürgermeister Helmut Reichling sagte, er betrachte den Wegfall des Methadon-Programms "mit großer Sorge". Es sei "sehr wichtig für Zweibrücken, es wieder anzubieten". Weil viele Hausärzte mit Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer Patienten davor zurückscheuten, ins Methadon-Programm zu gehen, schlug Reichling eine eigene Ambulanz vor, an der die "exzellenten Fachkräfte der Zweibrücker Drogenberatung angedockt werden". Bei PSAG-Moderatorin Gabriele Graf (JVA Zweibrücken) rannte Reichling damit offenen Türen ein. Das Problem sei nicht nur ein Zweibrücker Problem, sondern werde bald weite Teile des Landes erfassen, warnte der Pirmasenser Methadon-Arzt Dr. Stefan Sachtleben: Die Zahl der Hausärzte in Rheinland-Pfalz werde bis 2020 um 40 Prozent sinken, die Arbeitsbelastung der übriggebliebenen wachsen - während die Zahl der Teilnehmer am Methadon-Programm steige. Dieses sei zudem "so voller rechtlicher Minenfelder, dass sich viele Ärzte davor fürchten". Dabei sei diese Hilfe für Drogenkranke "existenziell" - wie gestern auch eine 37-jährige Betroffene eindringlich betonte - und auch für "die Bewahrung des sozialen Friedens wichtig".

Während die Runde noch nach Lösungswegen suchte, überraschte das Evangelische Krankenhaus mit der Information, dass man schon daran arbeite. Zwei Ärzte aus dem MVZ des Krankenhauses (Medizinisches Versorgungs-Zentrum, in dem niedergelassene Ärzte als Angestellte arbeiten) hätten sich für das Methadon-Programm fortgebildet; man sei gewillt, die Nachfolge von Dr. Bures anzutreten. Verwaltungsdirektor Karl-Heinz Weinberg und Pfegedirektor Thomas Oberinger betonten aber, das Krankenhaus habe sich bislang nur mit der medizinischen Seite beschäftigt - für weitere Aspekte wie Drogenberatung oder berufliche Eingliederungshilfen sei man auf Unterstützung angeweisen. Voraussetzung sei auch ein Konzept, das etwa Urlaubsvertretungen regele.



Die Kassenärztliche Vereinigung und die PSAG, der unter anderem Drogenberatungen, Wohlfahrtsverbände, Arbeitsagentur und Verwaltungen angehören, sagte Unterstützung zu. Dabei wolle man das Krankenhaus (das noch nicht definitive zusagte, das Methadon-Programm anzubieten) nicht unter Druck setzen. lf

 Methadon dient als Heroin-Ersatzstoff. Fotos: dpa/lf
Methadon dient als Heroin-Ersatzstoff. Fotos: dpa/lf