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Zweibrücken
Linke fordert Rücktritt von Nunold und Eren

Atilla Eren hat während des OB-Wahlkampfes der Linken den Rücken gekehrt.
Atilla Eren hat während des OB-Wahlkampfes der Linken den Rücken gekehrt. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Der eine ist Stadtratsfraktionschef, der andere sitzt im Sportausschuss. Beide machen allerdings keine Anstalten, der moralischen Forderung nachzukommen, die auf ihre Kandidatur für die „Wählergruppe Schneider“ folgt. Dafür schießt Eren scharf zurück. Von Eric Kolling

Vergangene Woche hat die „Wählergruppe Schneider“ ihre Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2019 bekannt gegeben – und besonders zwei Personalien treiben die Zweibrücker Linken um. Denn sowohl ihr aktueller Stadtratsfraktionschef Matthias Nunold als auch Atilla Eren, der für die Linke im Sportausschuss sitzt, haben sich für die Schneider-Gruppe aufstellen lassen. Weil Nunold – was er bestätigt – vergangene Woche auch aus der Partei ausgetreten ist, fordert der Linken-Kreisvorstand daher seine Mandatsniederlegung im Stadtrat. Zwar ist das rein rechtlich seine freie Entscheidung, laut Paragraph 30 Absatz 1 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung übe er sein Amt als Ratsmitglied nach freier Gewissensüberzeugung aus, sei weder an Weisungen, noch an Aufträge seiner Wähler gebunden, räumt Linken-Kreischef Thorsten Spelten in einer Mitteilung ein. Allerdings sei er damals von den Bürgern nicht direkt gewählt worden, sondern über die Parteiliste in den Stadtrat eingezogen. Damit appellieren die Linken an Nunolds Gewissen. Nur durch einen Rücktritt könne er „zeigen, dass es ihm im demokratischen Sinne nicht um einen Betrug am Wähler geht“, so Spelten. Die Gemeindeordnung verpflichte ihn nämlich auch, „auf das Gemeinwohl Rücksicht zu nehmen. Und dass sehen wir hier, auch unter Berücksichtigung der Vorfälle der vergangenen Wochen in Zusammenhang mit ihm, als keinesfalls mehr gegeben an“ ergänzt Spelten.

Mit diesen Anschuldigungen konfrontiert, reagiert Nunold im Gespräch mit dem Merkur gelassen. Zu Protokoll geben will er aber nur „Kein Kommentar“. Ganz anders Atilla Eren, dem die Linken in ihrer Mitteilung auch noch etwas anderes als Betrug am Wähler unterstellen, weil er sich im Oberbürgermeisterwahlkampf „klar gegen unsere Partei gestellt“ habe, bei den Linken austrat, eine Wahlempfehlung für CDU-Bewerber Christian Gauf abgab und für die Linken im Sportausschuss sitzt. Er habe „bevor er bei Schneider kandidierte, bei der Zweibrücker FDP nach einem ‚aussichtsreichen Listenplatz‘ angefragt“. Spelten: „Eren hat somit ganz offensichtlich weder eine politische Linie, noch
irgendwelche Inhalte. Es geht einfach darum, in den Stadtrat einzuziehen.“

Die Sache mit der FDP rückt Eren schnell gerade: „Das ist falsch. Ich habe mich mit Erika Watson [Zweibrücker FDP-Vorsitzende] unterhalten, weil sie an der IGS Contwig Lehrerhin ist und ich meine Tochter da abgeholt habe. Ich kenne Erika schon ewig und habe aus Spaß gesagt, wenn die FDP einen gescheiten Mann braucht, soll sie mich aufstellen“; so Eren. Ernsthaft sei es da nicht um eine Kandidatur gegangen.



An einen Rücktritt aus dem Sportausschuss denke er nicht. Stattdessen redet er sich gegen die Linken, für die er selbst bei der letzten Kommunalwahl kandidiert hatte, in Wallung. Diese hätten „im Moment nichts zu tun und einfach nur Langeweile, sie müssen jeden aufregen“. Besser sollten sie das direkte Gespräch mit ihm suchen. „Es ist lächerlich, was sie ablassen. Das ist alles gelogen“. Er könne nichts dafür, „dass die keine brauchbaren Leute haben. Sie sollen sich drum kümmern, was die Zweibrücker Bürger wollen und nicht was ihr Eigeninteresse ist, was sie verfolgen.“ Die Linke tue der Stadt nicht gut. Sie beschwere sich nur noch, nörgele und habe selber „nichts gerissen“. Er könne die Partei nicht mehr vertreten. „Ich mache mir zwar dadurch viele Feinde. Aber es ist die Wahrheit!“ Er selbst war im OB-Wahlkampf ausgetreten.

Matthias  Nunold ist aus der Linken ausgetreten.
Matthias  Nunold ist aus der Linken ausgetreten. FOTO: PM