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Oberbürgermeister-Wahlergebnis
Wosnitza führt vor Stichwahl mit Gauf

Mit Marold Wosnitza (Mitte) freut sich Minister Konrad Wolf, Fraktionschef Stéphane Moulin steht hier noch die Überraschung ins Gesicht geschrieben.
Mit Marold Wosnitza (Mitte) freut sich Minister Konrad Wolf, Fraktionschef Stéphane Moulin steht hier noch die Überraschung ins Gesicht geschrieben. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken . Marold Wosnitza hat im ersten Wahlgang die Erwartungen seiner SPD deutlich übertroffen. Christian Gauf reagierte enttäuscht auf den unerwarteten Rückstand von über sechs Prozentpunkten. Der Drittplatzierte Atilla Eren kündigt eine Wahlempfehlung an. Von Lutz Fröhlich

Viele überraschte Gesichter gab es am Sonntagabend im Zweibrücker Rathaus, als im rappelvollen kleinen Sitzungssaal die Ergebnisse der Oberbürgermeister-Wahl einliefen. Denn dass der bis Juli in Zweibrücken politisch noch wenig bekannte Marold Wosnitza (SPD) vor dem seit einem Jahr amtierenden Bürgermeister Christian Gauf (CDU) liegen liegen würde, hatte niemand vorhergesagt. Doch am Ende war klar: Wosnitza geht sogar mit 6,3 Prozentpunkten Vorsprung in die Stichwahl am 14. Oktober mit Gauf.

Wosnitza bekam gestern 42,7 Prozent, Gauf 36,4 Prozent. Der Einzelbewerber Atilla Eren landete bei 13,3 Prozent, gefolgt von Klaus Peter Schmidt (AfD) mit 4,2 Prozent sowie den Einzelbewerbern Andreas Wente (2,7 Prozent) und Thomas Kewel (0,7 Prozent).

Schon als die Ergebnisse aus dem ersten von 34 Wahllokalen (Breitwiesenschule) projiziert wurden, schaute Gauf betroffen. Dabei lag er da sogar noch 1,7 Prozentpunkte vor Wosnitza (beide 53 Jahre alt). Ab dem zweiten Wahllokal lag Wosnitza dann vorn. Und während der von zahlreichen Sozialdemokraten (darunter Wissenschaftsminister Konrad Wolf) umringte Wosnitza immer entspannter guckte, stand Gauf an seinem Stehtisch meist ziemlich allein, zumal fast keine seiner Partei­freunde im Saal waren.



Um 19.13 Uhr dann steht das Ergebnis fest, Applaus brandet auf, Gauf geht sofort zum Gratulieren zu Wosnitza.

„Dass es so ausgeht, hat mich positiv überrascht“, sagt Wosnitza dem Merkur. „Aber wir haben schon gemerkt, dass es im Wahlkampf in den letzten Tagen und Wochen einen richtigen Stimmungswechsel gab“. Dabei hieß es bei seiner Vorstellung als Kandidat Mitte Juli noch „Wosnitza wer?“, erinnert der Erziehungswissenschafts-Professor, „und sechs Wochen später lag ich bei einer repräsentativen Umfrage erst bei 31 Prozent“. Dazu habe sein „unglaublich gutes Wahlkampf-Team“ beigetragen, das an 3300 Haustüren klingelte, davon 1003 Mal Wosnitza selbst. „Wir haben eine gute Ausgangslage, aber die Wahl ist noch lange nicht gegessen, das wird ein harter Kampf“, blickt Wosnitza auf die Stichwahl voraus. Der Vorsprung im ersten Wahlgang bringe „aber nochmal einen Motivationsschub“.

Was war neben dem Wahlkampf Wosnitzas Erfolgsgeheimnis? Minister Wolf (selbst Zweibrücker) verweist auf die Podiumsdiskussionen, bei denen Wosnitza den besten Eindruck hinterlassen habe, und dass er „eine überzeugende Persönlichkeit ist, und viele thematische Punkte gesetzt hat, mit denen Zweibrücken eine gute Zukunftsperspektive hat“. SPD-Partei- und Fraktionschef Stéphane Moulin erklärt, Wosnitza sei „ein starker Kandidat mit einer guten, gewinnenden Persönlichkeit“, zudem sei die SPD im Wahlkampf geschlossen und professionell wie lange nicht mehr gewesen.

Gauf sagt: „Zweibrücken ist traditionell eine SPD-Hochburg“, deshalb habe er trotz der Rheinpfalz-Umfrage „ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet“. Er sei „aber schon enttäuscht – denn ich dachte, dass wir enger beisammen liegen“. Als Ursache vermutet Gauf: „Das Problem hat sich enorm ausgewirkt, dass ich nicht so die Möglichkeit hatte, Wahlkampf zu machen, wie ich das wollte“. Bekanntlich musste Gauf zu seinen eigenen Dezernaten nicht nur den seit fast einem Jahr zunächst erkrankten und dann verstorbenen Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) vertreten, sondern in der heißen Wahlkampfphase auch drei Wochen den (nun wieder genesenen) Beigeordneten Henno Pirman (SPD). „Ich muss noch mehr Zeit freischaufeln, damit ich Wahlkampf machen kann, wenn ich um 16 Uhr aus dem Rathaus komme“, hofft Gauf auf mehr Zeit in den sitzungsfreien Herbstferien. „Wir versuchen, den Unterschied umzudrehen, aber sechs Prozentpunkte ist schon ein ganzes Stück weg, das wird sehr schwer, aber der Wahlkampf geht weiter“, sagt Gauf. Er habe bislang nur an gut einen Zehntel der Haustüren wie Wosnitza klingeln können.

CDU-Ratsfraktionschef Christoph Gensch erreicht der Merkur später telefonisch bei der CDU-Helferfeier: „Wir hätten uns natürlich erhofft, schon im ersten Wahlgang vorne zu liegen, da bin ich schon etwas enttäuscht. Ich persönlich bin aber auch zuversichtlich, dass wir das in drei Wochen noch in einen Sieg umwandeln können.“ Als Ursache für das enttäuschende Ergebnis nennt Gensch Gaufs Dreifachbelastung, und dass es für die CDU in der SPD-Hochburg Zweibrücken („Es gab hier in sieben Jahrzehnten nur vier Jahre einen von der CDU nominierten Oberbürgermeister!“) immer schwer sei. Zudem bedeuteten Gaufs 36,4 Prozent „eine deutliche Steigerung“ gegenüber der OB-Wahl 2011, als CDU-Kandidatin Evelyne Cleemann nur 8,4 Prozent holte. Wobei damals auch der parteiunabhängige Oberbürgermeister Helmut Reichling als (nicht aktives) CDU-Mitglied Stimmen aus dem konservativ-bürgerlichen Lager abzog, er bekam damals 31,5 Prozent – gewählt wurde Kurt Pirmann (SPD) mit 56,9 Prozent.

Der Einzelbewerber Atilla Eren ist enttäuscht von seinen 13,3 Prozent gestern. Während Wosnitza und Gauf den deutlichen Anstieg der Wahlbeteiligung von 38,6 auf 44,9 Prozent hervorheben und Wosnitza dies ausdrücklich auf Eren zurückführt, kritisiert Eren, dass „nicht mal jeder Zweite zur Wahl gegangen ist – man kann nicht immer nur sich beschweren, es ändere sich nichts, aber dann nicht zur Wahl gehen, wenn man etwas ändern könnte“.

Eren kündigt an, er wolle am Montag eine Wahlempfehlung abgeben. „Ich muss noch eine Nacht drüber schlafen. Aber ich tendiere nicht zu denen, die unsere Plakate abgemacht haben.“ Auf Facebook hatte Eren vor der Wahl indirekt angedeutet, die SPD könne aus Angst vor ihm Plakate entfernt haben.

Klaus Peter Schmidt (AfD) sowie die Einzelbewerber Andreas Wente und Thomas Kewel verbrachten den Wahlabend bei ihren Familien. Schmidt: „Mein Ergebnis ist in dem Bereich, den ich erwartet hatte, das ist ja keine Bundes- oder Landtagswahl.“ Kewel und vor allem Wente räumen ein, sie hätten mehr erwartet.

Schmidt und Wente wollen für den nächsten Stadtrat kandidieren, Kewel denkt noch darüber nach. Wente hat bereits eine „Wählervereinigung Wente“ gegründet. Wente sagt, er habe zwar etliche Leute im Wahlkampf begeistert, es aber nicht geschafft, bekannt genug zu werden. Daran werde er bis zur Ratswahl intensiv arbeiten. „Die Zweibrücker sind immer noch nicht wach geworden“, bedauert Wente zudem wie Eren die niedrige Wahlbeteiligung.

Schmidt und Wente geben für die Stichwahl keine Wahlempfehlung ab, Kewel prüft dies noch.

Die Enttäuschung über das Wahlergebnis war Christian Gauf anzusehen.
Die Enttäuschung über das Wahlergebnis war Christian Gauf anzusehen. FOTO: Lutz Fröhlich