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Neue Leerstände in Fußgängerzone
Ladensterben durch Online-Konkurrenz

Bei der Damenmodekette Gerry Weber in der Zweibrücker Hauptstraße gehen spätestens Ende des Jahres die Lichter aus. 
Bei der Damenmodekette Gerry Weber in der Zweibrücker Hauptstraße gehen spätestens Ende des Jahres die Lichter aus.  FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Neben dem Wäschehaus Hallauer stehen in der Zweibrücker Fußgängerzone unter anderem Gerry Weber, der Teeladen und Wolle Rödel vor dem Aus. Viele der betroffenen Geschäftsleute berichten nicht nur von Umsatz-Verlusten: Es seien auch deutlich weniger Passanten in der City als früher. Das Outlet spiele dabei aber kaum eine Rolle.

In der Zweibrücker Fußgängerzone sind für dieses Jahr bereits mehrere Geschäftsschließungen bestätigt. Größter Schlag für den Einkaufsstandort Zweibrücken dürfte das bevorstehende Aus von Wäsche Hallauer an der prominenten Ecke Münzstraße/Schlossplatz sein. Geschäftsführer Franz Hallauer: „Wir schließen am 30. Mai oder 30. Juni. Am 1. März beginnt der Räumungsverkauf.“

Das Haupthaus in St. Wendel bleibe aber geöffnet, betont Hallauer, dessen Firma in St. Wendel auf eine 225-jährige Geschichte zurückblickt. Dazu heißt es auf der Hallauer-Homepage: „Auch in der Französischen Revolution haben die Geschäftsleute Hallauer durchgehalten und alle Tücken nachfolgender Zeit überstanden. Sturm und Drang sind ständige Begleiter bis in unser Jahrhundert gewesen.“ Warum kann die 2000 eröffnete Zweibrücker Filiale diesen Stürmen jetzt nicht mehr trotzen? Franz Hallauer erklärt: „Das Geschäft ist unrentabel geworden. Die Umsätze sind seit zwei Jahren stark rückläufig, die Miete ist zu hoch und die Kundenfrequenz ist erschreckend zurückgegangen.“ Nach Gefühl von Hallauer und seiner drei Zweibrücker Beschäftigten nicht nur in der Filiale selbst, sondern in der Zweibrücker City generell.

Was ist der Grund dafür, dass sich für Hallauer das Geschäft in Zweibrücken nicht mehr rechnet? „Das Outlet ist es auf jeden Fall nicht, da sind ja mehr fremde Nummernschilder“, sagt Hallauer. Definitiv eine Rolle spiele aber, dass immer mehr Bürger online shoppen. „Wir versuchen gegenzusteuern, indem wir viele Größen auch für Problemfiguren führen, das kann das Internet noch nicht so richtig. Fast alle jungen Sortimente haben wir rausgeworfen, weil die jungen Leute eh online kaufen.“



Was läuft in St. Wendel besser, sodass Hallauer dort geöffnet bleiben kann? „Dort haben wir mehr Stammkunden und einen sehr, sehr guten Namen.“ Zudem sei in Zweibrücken „die Werbegemeinschaft jahrelang sehr schlecht und halbherzig“ gewesen, beim noch jungen Nachfolger Gemeinsamhandel gebe es „gute Ansätze“. In St. Wendel werde durch die Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ und die Stadt aber viel mehr organisiert, um Leben in die City zu bringen, wie der überregional Kundenströme anziehende Ostermarkt, das Moonlight-Shopping oder größere Aktionen an verkaufsoffenen Sonntagen. Beim Stadtmarketing sehe er in Zweibrücken deshalb „noch Aufholbedarf“.

Auch das Damenmode-Geschäft „Gerry Weber“ verlässt dieses Jahr die Zweibrücker Fußgängerzone. „Die Konsolidierung des Filialnetzes war Teil der Neuausrichtung von Gerry Weber. Das bedeutet, dass Geschäfte, die nicht die Zielmargen erfüllten oder die eine negative Wachstumsprognose aufwiesen, geschlossen beziehungsweise Mietverträge nicht verlängert wurden. Das gilt leider auch für den Gerry Weber Store in Zweibrücken, dessen Mietvertrag zum 31.12.2018 ausläuft“, teilt die Pressestelle des Unternehmens auf Merkur-Anfrage mit, ohne auf Fragen zu möglichen lokalen Gründen einzugehen. Die Kette hat aber nicht nur in Zweibrücken Probleme: In den vergangenen beiden Geschäftsjahren wurden 143 Filialen geschlossen.

Weil die Details der Schließung (und möglicherweise ein Neuanfang in einem deutlich kleineren Laden) noch nicht ganz feststehen, bittet die Person, die ein weiteres vor der Schließung stehendes Geschäft in der Fußgängerzone führt, dessen Namen noch nicht zu veröffentlichen. In den vergangenen Monaten sei die Kundenfrequenz deutlich zurückgegangen. „Teilweise war die Fußgängerzone wie ausgestorben.“ Vor allem junge Leute kämen kaum mehr zum Einkaufen in die Stadt. Die Outlet-Konkurrenz spiele „schon eine Rolle, aber keine große, Zweibrücker gehen da ja nicht so viele hin“. Dagegen sei es wohl „der Zahn der Zeit“, mehr übers Internet einzukaufen. „Sehr lobenswert“ seien die Bemühungen von Gemeinsamhandel, „nur oft ist es leider vergeblich“.

Den Tee- und Präsente-Laden „Agora“ in der Zweibrücker Fußgängerzone hatte 2009 Christiane Peierle übernommen. Nach Ostern schließt der Teeladen für immer. Einerseits aus gesundheitlichen Gründen und weil Peierle mit 66 in einem Alter ist, an dem man ja durchaus in den Ruhestand gehen kann. Andererseits „geht das Geschäft immer schlechter“, bedauert Peierle. So sei bei ihr früher immer das Weihnachtsgeschäft sehr wichtig gewesen. „Aber letzten Dezember ist bei den Präsentartikeln fast gar nichts mehr gegangen.“ Was offensichtlich auch auf Online-Konkurrenz zurückzuführen sei: „Es gibt Leute, die kommen rein, machen mit dem Handy ein paar Fotos von Teekannen und hoffen, die im Internet zwei Euro billiger zu finden.“ Es gebe auch niemand, der den Teeladen übernehmen und fortführen wolle.

Sind auch weniger Leute in der Zweibrücker City unterwegs? Peierle ist sich da nicht ganz sicher: „Die Fußgängerzone ist oft wie ausgestorben. Manchmal ist aber auch die Hölle los, und trotzdem kommt keiner rein.“ Sorgen Gemeinsamhandel und Citymanagerin Petra Stricker für genug Aktionen in der Stadt ? „Die versuchen schon einiges auf die Beine zu stellen, lassen sich was einfallen und sind rege“, lobt Peierle. Obwohl die Umsätze zuletzt deutlich zurückgingen, viele Stammkunden sind Peierle treu geblieben „und unglücklich, dass so ein schöner Laden schließt – ich habe richtig ein schlechtes Gewissen, dass ich aufhöre“.

Wie der Teeladen wird auch Wolle Rödel eine Marktlücke in der Fußgängerzone hinterlassen. Die Schließung stand schon seit einem Jahr fest, laut Schlussverkaufs-Aushang am Schaufenster ist nun am 24. Februar Schluss. Über die Gründe der Schließung will die Filialleiterin nicht sprechen. Das Unternehmen hat auch einen Online-Shop. Einen langen Leerstand wird es hier nicht geben: Der Beauty-Salon Fuchs (bislang im zweiten Obergeschoss des Optica-Eckhauses Hallplatz/Rosengartenstraße) zieht ein (wir berichteten).

Einen Leerstand, aber keine Marktlücke hinterlässt dagegen die Parfümerie CB: Die Filiale am Eingang der Hallplatzgalerie hat zwar seit wenigen Tagen geschlossen, doch CB bleibt mit der Filiale in der Hauptstraße der Zweibrücker Fußgängerzone erhalten. „Zwei Standorte ergeben keinen Sinn mehr, zumal jetzt der Mietvertrag auslief und wir unser Angebot sehr gut komplett in einem Geschäft bündeln konnten“, erklärt Geschäftsführer Dirk Cebulla. Dass sich zwei Standorte jahrzehntelang gerechnet hatten und nun nicht mehr, habe habe eine Vielzahl von Gründen, vom gewachsenen Preiskampf bis zur Online-Konkurrenz, wobei auch CB selbst online verkauft. „Das verbreitete Klagelied über Zweibrücken will ich aber nicht anstimmen“, betont Cebulla: „Zweibrücken ist ein stabiler und guter Standort!“ Wobei die Kundenfrequenz „in den nächsten Jahren aber sicher auch nicht wachsen wird“.

Erst vor wenigen Tagen hat in der Mühlstraße ein Schmuckladen geschlossen, der aber auch nur ein kurzes Gastspiel in Zweibrücken gab. Und ganz schnell wird dieser Leerstand auch wieder gefüllt: Schon für den 24. Februar ist hier die Eröffnung von „Ideen mit Holz und mehr“ angekündigt.

Die CB Parfümerie hat am 10. Februar ihre Filiale am Hallplatz geschlossen, um ihr Geschäft in Zweibrücken in der Hauptstraße zu bündeln.
Die CB Parfümerie hat am 10. Februar ihre Filiale am Hallplatz geschlossen, um ihr Geschäft in Zweibrücken in der Hauptstraße zu bündeln. FOTO: Lutz Fröhlich