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Kommentar
Kunden entscheiden über City-Zukunft

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Immer mehr Händler gerade auch in Mittelzentren entdecken Online-Marktplätze als Rettungsanker. Vielfach hantieren dabei örtliche Verbände und Stadtmarketing mit selbstgestrickten Lösungen. Die sind in der Regel so sympathisch, wie hilflos.

Nein, das ist kein Kommentar von mir zu den aktuellen Plänen von Stadtmarketing-Leiterin Petra Stricker und dem Verband Gemeinsamhandel in Zweibrücken, eine eigene Internet-Plattform zu entwickeln. Sondern ein Zitat aus „e-tailment“, der Online-Seite der Fachzeitschrift „Der Handel“. Auf den ersten Blick fiele es zwar leicht, sich mit Blick auf das Experten-Zitat über die Zweibrücker Bemühungen lustig zu machen. Denn Zweibrücken wird nicht die erste Stadt sein, die mit einer lokalen Handels-Plattform der digitalen Dampfwalze von Online-Giganten wie Amazon zu wenig entgegenstellen kann. Aber die von „e-tailment“ aufgeführten Alternativen, sich als kleiner Einzelhändler an überregionalen Online-Plattformen zu beteiligen, sind kaum weniger hilflos. Sie mögen zwar etwas mehr Kunden bringen, kosten die Händler aber auch mehr. Das Online-Zeitalter zu ignorieren, kann auch keine Lösung sein. Ein attraktiver aktueller Online-Auftritt sollte heute auch für Einzelhändler selbstverständlich sein. Ist er aber nicht – weswegen es durchaus sinnvoll ist, wenn die Zweibrücker hier aktiver werden. Notwendig ist dies – aber nicht hinreichend, um die Zukunft des Handels vor Ort zu sichern. Gepflegt werden müssen vor allem dessen Kernkompetenzen: attraktives Sortiment, umfassender Service und immer mehr auch eine Inszenierung des Shopping-Erlebnisses. Letztlich aber haben wir Kunden es selbst in der Hand: Wer weiter eine lebendige Innenstadt will statt die Kassen von US-Konzernen zu füllen, muss auch öfter mal hier einkaufen gehen. Das mag unbequemer sein als ein schneller Online-Klick und manchmal (nicht immer!) ein paar Euro mehr kosten. Aber macht auf PCs und Smartphones zu klicken so viel Spaß, wie durch die Stadt zu flanieren, Leute zu treffen, einen Café zu trinken und zu shoppen?