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„Der totale Rausch“: Wolfgang Ohler interviewt Norman Ohler
Ein Buch auf Welttournee am Himmelsberg

 Seine Lesungen führen Norman Ohler um die ganze Welt. Auch die Chinesische Mauer fehlt nicht in der Sammlung, hier der Autor im Dezember 2018 mit der chinesischen Ausgabe von „Der totale Rausch“.
Seine Lesungen führen Norman Ohler um die ganze Welt. Auch die Chinesische Mauer fehlt nicht in der Sammlung, hier der Autor im Dezember 2018 mit der chinesischen Ausgabe von „Der totale Rausch“. FOTO: Norman Ohler / Facebookseite Norman Ohler
Zweibrücken. Der erfolgreichste aus Zweibrücken stammende Autor aller Zeiten, Norman Ohler, gastiert kommenden Dienstag in der Himmelsbergkapelle. Mit seinem Vater Wolfgang Ohler unterhält er sich über seinen internationalen Bestseller „Der totale Rausch“ über Drogen im Dritten Reich, aber auch die eigene Familiengeschichte. Von Cordula von Waldow und Lutz Fröhlich

Vor der Sommerpause geht es in der Himmelsbergkapelle literarisch auf Welttournee und in die Nazi-Zeit: Unter dem Motto „Peking – Tokio – Zweibrücken“ lädt der Förderverein „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ für Dienstag, 2. Juli, 19 Uhr, zu Gespräch und Lesung mit Norman Ohler ein.

Seit vier Jahren führen den in Zweibrücken aufgewachsenen Schriftsteller und Journalisten auf Buchpräsentationen rund um den Globus: Sein 2015 erschienenes Buch „Der totale Rausch“ über Drogen im Dritten Reich mit speziellem Fokus auf Adolf Hitler ist mittlerweile in mehr als 30 Sprachen erschienen (im Herbst folgen türkische und hebräische Ausgaben), stand unter anderem auf der Bestsellerliste des Spiegel und der New York Times und hat weltweilt die Feuilletons beschäftigt, mit oft hymnischen Rezensionen.

Teils gab es aber auch Zweifel an Ohlers These, ohne Hitlers Drogengeschichte wäre der Zweite Weltkrieg anders ausgegangen. Wie auch immer: Das Buch präsentiert überraschende neue Archivfunde Ohlers und liest sich „wie Guido Knopp auf Speed“, wie der Merkur-Rezensent seine Bewunderung, aber Kritik zusammenfasste.



Sogar Hollywood hat sich die Verfilmungsrechte gesichert: Gemeinsam mit Paramount Pictures plant die von Leonardo DiCaprio gegründete Filmproduktionsgesellschaft Appian Way aus Ohlers populärwissenschaftlichen Geschichtsbuch, das in Großbritannien und den USA unter dem Titel „Blitzed“ (Wortspiel mit „Blitzkrieg“ und unter Drogen stehend) erschien, einen Spielfilm zu machen.

Das Gespräch mit Norman Ohler am 2. Juli in der Himmelsbergkapelle führt sein Vater Wolfgang Ohler, Fördervereins-Vorstandsmitglied und selbst ein angesehener Heimatschriftsteller. „Schwerpunkt der Veranstaltung werden Normans Erfahrungen mit der Aufnahme des Buches in den unterschiedlichen literarischen und politischen Kulturen und die Diskussion mit seinen Lesern weltweit sein“, teilt Wolfgang Ohler mit. „Im Gespräch werde ich darüber hinaus Norman nach seinem persönlichen Bezug zum Thema Weltkrieg und Drittes Reich fragen, der Zeit also, die sein Großvater als Soldat der Wehrmacht und Kriegsgefangener erlebt und erlitten hat und in die sein Vater zuletzt noch geboren wurde.“ Wolfgang Ohler prohezeit: „Das wird auch für mich selbst ein spannender Abend werden.“

Auslöser von Norman Ohlers literarischer Beschäftigung mit dem Weltkriegs-Thema sei eine Texas-Reise 2003 gewesen, als Vater und Sohn die Reste des Kriegsgefangenenlagers in Huntsville entdeckten – die Reise-Erlebnisse hatte Wolfgang Ohler in seinem (2004 auch im Merkur teilweise als Serie veröffentlichten) Buch „Das große und das kleine Glück in Texas“ geschildert.

Auch Norman Ohler selbst hat die Veranstaltung am 2. Juli in der Himmelsbergkapelle beworben – und seine Heimatstadt gleich mit. Der 49-Jährige schreibt auf seiner Facebook-Seite zunächst auf Deutsch: „Kommt alle nach Zweibrücken! Es gibt dort auch ein tolles Freibad! Und Europas größten Rosengarten (angeblich).“

Für sein internationales Publikum beschreibt Norman Ohler die Rosenstadt dann sogar noch ausführlicher, mit zwei Anspielungen auf die Kinogeschichte: Zweibrücken sei (Übersetzung Merkur) „das Twin Peaks Deutschlands“ (Twin Peaks war eine erfolgreiche Horror-Mystery-Serie über ein amerikanisches Kleinstädtchen mit idyllischer Fassade). Und der Rosengarten erinnere ihn „immer an eine frühe Szene in einem Hitchcock-Film, als die Welt noch in Ordnung scheint. Bis der Mord geschieht“. Vielleicht hat Norman Ohler da aber auch nur zu viele Zweibrücken-Krimis seines Vaters Wolfgang gelesen ...

Der Eintritt zu Lesung und Gespräch mit Norman Ohler am kommenden Dienstag ab 19 Uhr in der Himmelsbergkapelle ist frei, Spenden für den Förderverein sind wie immer willkommen.