| 20:10 Uhr

Kultur in der Himmelsbergkapelle
Genuss pur vor vollbesetzten Reihen

 Die drei „Resonanzen“, Hildegard Baum, Ulla Teuscher und Beate Günther, faszinierten bei ihrem witzigen, niveauvollen Debüt in der Zweibrücker Himmelsbergkapelle.
Die drei „Resonanzen“, Hildegard Baum, Ulla Teuscher und Beate Günther, faszinierten bei ihrem witzigen, niveauvollen Debüt in der Zweibrücker Himmelsbergkapelle. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Die „Resonanzen“ begeisterten bei ihrem Debüt in der Himmelsbergkapelle. Wegen Überfüllung konnten nicht alle Interessierten an dem musikalischen „Feuerwerk der Gefühle“ teilnehmen. Von Cordula von Waldow

Damit hatten weder die Gastgeber vom Verein Kultur in der Himmelsbergkapelle noch die „Resonanzen“ rund um die Zweibrücker Sopranistin Hildegard Baum gerechnet: Zu dem Debüt des neu gegründeten Trios bei dem Neujahrskonzert am Freitagabend war die Himmelsbergkapelle bis in den Vorraum hinein besetzt. Zahlreiche Musikfreunde standen dort, andere verließen enttäuscht, dass sie keinen der gut 120 Sitzplätze mehr ergattert hatten, den Ort. Sie haben einen grandiosen Konzertabend verpasst.

Gleich das erste Lied, welches das Trio, Hildegard Baum, Beate Günther und Ulla Teuscher, interpretierte, offenbarte, weshalb sich die drei Sopranistinnen den Namen „Die Resonanzen“ gegeben haben. Nomen est Omen, versetzten sie mit vielschichtig vibrierenden Klängen des dreistimmigen Volkslieds „Green Sleaves“ die Himmelsbergkapelle in Schwingung, feinfühlig am Klavier begleitet von Konzertpianistin Marina Kavtaradze. Welch ein Klangerlebnis!

Doch auch als Solistinnen wussten die drei Sängerinnen, die sich beim Studium der funktionalen Gesangspädagogik am Rabine Institut in Wachenheim kennengelernt hatten, zu begeistern. Vielfältig in der Modulation, spielerisch höchste Höhen und klangvoll tiefste Tiefen erklimmend, mit ausdrucksstarkem Timbre oder perlenden Coloraturen faszinierten die drei Frauen mit ihrer Klangvielfalt. Ihre Leidenschaft für die Musik und ihre Liebe zum Klang, die das Trio vereint, paarte sich mit einem gewissen Schalk, schauspielerischem Talent und der spürbaren Hingabe an das jeweilige Stück. Verliebt dahin schmelzen? Furiose Eifersuchtsdramen inszenieren? Träumen, sich grämen, triumphieren? Alle Gefühle fanden bei dem musikalisch abgeschossenen „Feuerwerk der Liebe und Leidenschaft“ ihren Ausdruck. Die Lieder waren nach den Themenblöcken zusammengefasst, die von den drei Sängerinnen ebenso intelligent wie humorvoll und augenzwinkernd moderiert wurden. Dabei scheute das Trio, das sich vorwiegend der klassisch-romantischen Musikliteratur widmete, keineswegs vor dem Lollipopp-Song der 1950er Jahre zurück, mit dem es nach der Pause einzog.



„Ein Schwipserl möcht’ ich haben“, kommentierte Beate Günther musikalisch nach Oscar Strauß den Sektausschank. Fünf Minuten lang ließ das Trio dann mit einem größten klassischen Gefühls-Komponisten, Wolfgang Amadeus Mozart, die Engel in dessen „Lied der Trennung“ weinen. Wenig später flogen bei dem Eifersuchts-Duell nach Kurt Weil aus Bert Brechts Meckie Messer die Fetzen zwischen einer aufgebrachten Hildegard Baum und der zornentbrannten Beate Günther.

Hätte es die wundervollen musikalischen Szenen auch im Handy- und WhatsApp-Zeitalter gegeben? Die Liebesbriefe über die intigrante Kammerzofe im „Don Giovanni“ oder die verbrannten Liebesbriefe von Luise (grandios dargestellt von Ulla Teuscher)? Oder – den Schlusshöhepunkt – das Gerangel der drei Damen um den vor der Schlange geretteten Jüngling Tamino in Mozarts Zauberflöte, den jede der Damen gerne alleine „schützen“ wollte?

Zum Glück gab es sie musikalisch – und das hingerissene Publikum erklatschte sich bei den gerührten Resonanzen eine Mozart-Zugabe. „Grandiose Stimmen, ein vielfältiges, abwechslungslungsreiches Programm!“, lobte Stammgast Hildegard Neininger aus dem Schwarzwald. Die Althornbacherin Ute Klein schwärmte regelrecht: „Genuss pur!“