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Kulturausschuss
Kritik an Schönauer-Engagement

FOTO: Künstler
Zweibrücken. Silvia Bervingas erinnerte im Kulurausschuss an Rassismus-Vorwürfe gegen den Kabarettisten. Von Volker Baumann

(bav) Die Sitzung des Kulturausschusses hatte im öffentlichen Teil nicht weniger als elf Themen auf der Tagesordnung. Darunter natürlich auch den von vielen erwarteten Theater- und Konzertspielplan der Spielzeit 2020/2021. Durchgängig wurde das geplante Programm, das Kulturamtsleiter Thilo Huble vorstellte, von den Ausschussmitgliedern als sehr ansprechend und ausgewogen empfunden, finden sich doch in allen Kategorien entsprechende Highlights mit überzeugendem Unterhaltungscharakter. Mit einer Ausnahme.

Neben Aufführungen wie dem Musical „Hammerfrauen“, der „Dreigroschenoper 2017“, Agatha Christies „Tod auf dem Nil“ grüßen und in puncto „Kleinkunst im Wintergarten“ geben sich in der neuen Spielzeit so bekannte Namen wie Rüdiger Hoffmann, Ingo Oschmann, Sylvia Brécko und Detlev Schönauer die Klinke in die Hand.

Moment: Detlev Schönauer? War da nicht was? Gab es da nicht Ärger wegen vermutlich rassistischer Passagen inklusive Rechtsstreit in Saarbrücken wegen einer Online-Kritik? Schauspielerin und Ausschussmitglied Silvia Bervingas äußerte deshalb Bedenken hinsichtlich dieser Veranstaltung. Eine Prüfung der Angelegenheit wurde zugesagt.



Auch große Konzerte werfen ihre Schatten voraus, etwa ein Weihnachtskonzert „Frank Nimsgern Christmas Edition“ oder „The Spirit of Falco“ mit der „Sabrina Roth Band“. Daneben natürlich die beliebten Wintergarten-Konzerte und ab 30. August 2020 die Eröffnung des Festivals Euroclassic unter dem künstlerischen Motto „Nordlichter“.

Gleichzeitig fasste der Ausschuss den Beschluss, ab der nächsten Spielzeit den Beginn der Vorstellungen auf 19.30 Uhr vorzuverlegen, um damit dem Wunsch vieler Besucher Rechnung zu tragen. „Langzeitperspektifisch sind die Besucherzahlen etwas rückläufig“, so Thilo Huble zur aktuellen Statistik im Theater- und Konzertbereich. 

Da die Kunst- und Kulturlandschaft, aufgrund des demographischen Wandels und sich ändernder kultureller Wertvorstellungen einem starken Veränderungsprozess unterliegt, steht das Kulturangebot vor neuen Herausforderungen. Die Verwaltung wurde deshalb beauftragt, die Möglichkeiten einer für die Stadt Zweibrücken abgestimmten Kulturentwicklungsplanung zu prüfen und in die Wege zu leiten. Einstimmig beschloss der Ausschuss auch die finanzielle Unterstützung aus Mitteln der Musik- und Kulturförderung für geplante Projekte des Fördervereins der Stadtkapelle Zweibrücken und der Herzog Christian Musikschule mit jeweils 500 Euro.

Charlotte Glück, Leiterin des Zweibrücker Stadtmuseums, stellte das Ausstellungsprogramm für das kommende Jahr vor und erinnerte, dass die sehenswerte Ausstellung „Menschenbilder“ aus der Sammlung Steuer, noch bis 2. Februar 2020 zu sehen sei. Ein Auszug: „Heute gilt es uns!“ heißt eine Ausstellung zu Zweibrückens Stunde Null am 14. März 1945. In der Ausstellung, von März bis Juni 2020 im Herzogsaal, wird auch die Vorgeschichte dazu beleuchtet. Am 19. Juni eröffnet die Ausstellung „Anders? Zur Geschichte von Lesben, Schwulen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen in der Pfalz“. „Wir kümmern uns als Erste um dieses Thema“, betont Charlotte Glück den Stellenwert der Wander-Ausstellung, die in Zweibrücken beginnt und 20 nachfolgende Stationen vorsieht, unter anderem auch Schulen in Rheinland Pfalz. Viele Ausschussmitglieder bedankten sich für den Mut, ein solch oft tabuisiertes Thema in das Programm aufzunehmen. Der Planung wurde einstimmig zugestimmt.

Einen Antrag der FDP-Fraktion trug Ausschussmitglied Ingrid Kaiser vor: „Die Schaffung eines Gedenktages an die Zerstörung der Stadt Zweibrücken im Jahr 1945 als städtische Veranstaltung.“ Die Veranstaltung solle überparteiisch sein und sich insbesondere gegen fanatische Ideologien richten. Sie stieß damit bei der SPD-Fraktion nicht auf Gegenliebe. Ausschussmitglied Theresa Wendel sah den Gedenktag mit der bisherigen und langjährigen Organisation des „Bündnis buntes Zweibrücken“ bestens auf bürgerlicher Ebene aufgehoben. Auch Hedi Danner (SPD) sah eine Art Verordnung von oben als fehl am Platz an. Man solle die Leute nicht vor den Kopf stoßen. CDU-Ausschuss-Mitglied Pascal Dahler hingegen begrüßte den Vorschlag: „Die Stadt soll ihrer Verantwortung gerecht werden“, betonte er die Wirkung eines „starken Fundaments“. Gertrud Schiller (CDU) warnte vor einer „Zerredung“ dieses so wichtigen Gedenktages. Ein vorgeschlagener Kompromiss des Oberbürgermeisters, sich im Vorfeld an einen runden Tisch zu setzen und die Bündnis-Einladungen allen zukommen zu lassen, wurde angenommen.