| 21:42 Uhr

Saatkrähen in Schwarzbach-Allee
Krähen-Flut ist menschengemacht

Wildvogelretterin Sandra Labenski päppelte etliche in der Allee am 10. Mai gefundene stark geschwächte Saatkrähen wieder auf.
Wildvogelretterin Sandra Labenski päppelte etliche in der Allee am 10. Mai gefundene stark geschwächte Saatkrähen wieder auf. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Die Wildvogelrettung hat eine Erklärung, warum die eine Untersuchung Gift in toten Zweibrücker Saatkrähen fand und die andere nicht. Der UBZ zerstört Hoffnungen einer Stadträtin, die Tiere ließen sich über ihre Futterplätze vertreiben. Von Lutz Fröhlich

Die Wildvogelrettung ist nicht überrascht davon, dass die toxikologischen Untersuchungen toter Saatkrähen in der Zweibrücker Schwarzbach-Allee zu entgegengesetzten Ergebnissen geführt haben.

Die stellvertretende Vorsitzende des pfälzischen Vereins, Sandra Labenski, erklärte am Donnerstag gegenüber dem Merkur, die ehrenamtlichen Tierschützer hätten „die toten Krähen in der Akutphase eingesammelt“, also kurz nachdem die unter strengem Naturschutz stehenden Vögel vergiftet worden seien. Der UBZ dagegen habe erst nach dem Öffentlichmachen des Massensterbens (wir berichteten) reagiert und der für Zweibrücker Veterinärangelegenheiten zuständigen Kreisverwaltung Kadaver für Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Es sei „sehr verdächtig“, dass nach den großen Medienberichten das Sterben der Jungtiere auf ein normales Maß zurückgegangen sei, findet Labenski. Während die Wildvogelrettung in nur zwei Tagen rund 70 tote Saatkrähen und etwa 60 stark geschwächte aufgesammelt (und noch mehr gesehen) habe, seien danach nur noch etwa zehn pro Tag gefunden worden, was bei der Größe der Zweibrücker Population (über 700 Nester allein in dieser Allee) ein natürlicher Schwund sei. Es könne auch sein, dass die im Auftrag der Kreisverwaltung im Landesuntersuchungsamt Koblenz als giftfrei analysierten Jungtiere aus den Nestern gesprungen seien, weil die Alttiere zuvor an Gift starben und so die Fütterung eingestellt wurde.

Labenski ärgert sich auch über UBZ-Aussagen, es seien keine Krähen mit Blut im Schnabel (ein Vergiftungs-Indiz) gefunden worden. Sie habe einer SWR-Radioreporterin vor Ort eine solche Krähe gezeigt und noch heute eine Krähe voller Blut im Schnabel in einer Kühltruhe. Bei den toxikologischen Untersuchungen toter Zweibrücker Saatkrähen an der Uni München war ein Coumarinderivat gefunden, Rattengift (wir berichteten). Das Gutachten hat die Wildvogelrettung der Staatsanwaltschaft übergeben.



Auch im Stadtrat waren die Saatkrähen am Mittwochabend kurz Thema. Gertrud Schanne-Raab (Grünen-Fraktion) sagte: „Die Krähen sind lästig, stehen aber unter Naturschutz.“ Deshalb fragte sie: ob man die Krähen von ihren Futterplätzen vergrämen könne, sodass sie am Ende auch weniger in die Allee kämen, wo sie zu einer „Plage“ geworden seien. UBZ-Chef Werner Boßlet zerstörte Schanne-Raabs Hoffnung. Die Futtersuche der Saatkrähen „erstreckt sich über weite Gebiete, über zehn Kilometer“, erläuterte Boßlet (der Umwelt- und Servicebetrieb ist auch die Untere Naturschutzbehörde für Zweibrücken). Zudem wechselten die Krähen ihre Futterplätze „sehr rasch“. Was SPD-Stadtrat Dirk Schneider bestätigte: „Die haben bei mir einen ganzen Kirschbaum aufgefressen!“ Die Krähen merkten sofort, wenn irgendwo Kirschen reif sind, erläuterte Boßlet. Auch durch Papierkörbe in der Allee und in der Fußgängerzone hätten die Krähen Futterquellen, zudem würfen zu viele Bürger achtlos Lebensmittelreste auf die Straßen, was dann auch Krähen anlocke.

Genau darauf macht auch Wildvogelretterin Laborenz aufmerksam. Dass sowohl Tauben- als auch Krähen-Populationen in Städten wüchsen, sei ein menschengemachtes Problem. Zumal in den vergangenen Jahrzehnten in der Pfalz viele hohe Feld-Bäume gefällt oder nicht mehr nachgepflanzt worden seien und dadurch Bäume in Städten für Saatkrähen noch attraktiver würden. „Und dann schiebt es jeder auf die Tiere“, ärgert sich Laborenz darüber, dass die Saatkrähen in Zweibrücken einen so schlechten Ruf haben. Eine tierfreundliche Lösung, die Saatkrähen-Kolonie in der Allee zu reduzieren, sehe sie auch nicht. Bei Tauben sei das einfacher: Wenn Zweibrücken ein Taubenhaus aufstelle, könne man die Zahl der Tauben in der Innenstadt deutlich reduzieren, Kaiserslautern habe dies erfolgreich praktiziert.