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Hommage an Komponisten
Beethoven auf die verrückte Art

Stephan Picard (Geige), Ben Süverkrüp (Piano) und Tina Teubert veranstalteten eine skurrile, aber durchaus spannende Mischung aus Lesung und Konzertabend.
Stephan Picard (Geige), Ben Süverkrüp (Piano) und Tina Teubert veranstalteten eine skurrile, aber durchaus spannende Mischung aus Lesung und Konzertabend. FOTO: sedi
Zweibrücken. Künstlertrio führt im Wintergarten der Festhalle in Zweibrücken Geschichte über Beethoven und eine verrückte Erfindung auf. Gespickt wird das ganze mit feinen Sonaten des Maestros. Von Sebastian Dingler

Ziemlich skurril kam die Geschichte daher, die das Trio namens „Die Beethovenmaschine“ den etwa 80 Zuhörern am Dienstagabend im Wintergarten der Festhalle anbot: Der griesgrämige und todkranke Ludwig van Beethoven engagiert den windigen Erfinder Johann Nepomuk Mälzel, damit dieser eine Maschine zum Komponieren von Musik herstelle. Diese soll Beethovens Werk nach dessen Ableben fortsetzen, schließlich fehlten ihm, um zu Haydn aufzuschließen, noch 94 Sinfonien. Außerdem müsse er ja „die Musik der Freiheit und des neuen Menschen“ schreiben. Die Französische Revolution ist schon knapp 40 Jahre her, und viel hat sich für die Bürger Europas dadurch nicht geändert. Dampfmaschinen verändern die industrielle Landschaft und schicken sich an, den Menschen zu unterjochen. Die Dialoge zwischen dem misanthropischen Komponisten und dem eher unwilligen Mechaniker wurden mit viel Leidenschaft von Sprecherin Tina Teubner vorgetragen. Pianist Ben Süverkrüp, der sich diese absurde Geschichte ausgedacht hatte, und Geiger Stephan Picard spielten dazu einige technisch anspruchsvolle Beethoven-Sonaten. Nicht immer war es leicht, der Geschichte zu folgen und man fragte sich, weshalb der am Lebensende taube Beethoven hier so hochgeistige Dialoge mit dem von ihm ungeliebten Mälzel führen konnte. Den Konstrukteur gab es übrigens wirklich, er hat unter anderem das Metronom erfunden. Beethoven muss dem Erfinder sogar recht gewogen gewesen sein, komponierte er ihm doch eigens ein Stück für eines von Mälzels mechanischen Musikinstrumenten. Das war in Süverkrüps Version ganz anders, da musste sich Mälzel Sprüche gefallen lassen wie: „Wenn man Sie so an Ihren Apparaturen arbeiten sieht, dann unterscheiden Sie sich kaum noch von einem intelligenten Menschen.“ Die Schlusspointe des Abends ist schnell erzählt: Die „Beethovenmaschine“ ist nur zu einer fürchterlichen Kakophonie in der Lage (und greift damit ja tatsächlich so mancher modernen Komposition voraus). Beethoven verjagt daraufhin den Konstrukteur mit den Worten „Verschonen Sie mich!“. Elisabeth Wagner aus Oberauerbach hatte der Abend sehr gut gefallen: „An der Geschichte fand ich gut, dass man was über Beethovens Leben erfahren hat. Wie die Leute früher gelebt haben, interessiert mich sowieso. Das war schon toll, auch wie Geige und Klavier zusammen gespielt haben.“ Auch Rainer Schanne aus Zweibrücken fand, dass das ein schönes Konzert war – „auf ein bisschen eine andere Art.“

Pianist und Autor Süverkrüp, übrigens der Sohn des Liedermachers Dieter Süverkrüp, sagte hinterher zur Idee für das Programm: „Bei diesen Projekten fängt das bei mir immer mit der Musik an. Ich möchte diese Musik spielen und habe dann wahnsinnige Lust, eine Geschichte dazu zu schreiben, die nicht so diesen belehrenden Ton hat. Die die Musik erfahrbar macht und bewirkt, dass die Leute zuhören.“