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Alexanderskirche
Große Sanges- und Orchesterkunst

Der Evangelische Oratorienschor zusammen mit der Kammerphilharmonie Karlsruhe führten in der Alexanderskirche John Rutters Requiem auf.
Der Evangelische Oratorienschor zusammen mit der Kammerphilharmonie Karlsruhe führten in der Alexanderskirche John Rutters Requiem auf. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. Evangelischer Oratorienchor und Kammerphilharmonie Karlsruhe begeistern mit John Rutters „The Gift of Life“ in der Zweibrücker Alexanderskirche. Von Peter Fromann

Die Alexanderskirche Zweibrücken erstrahlte mal wieder in hohem Glanz: Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald führte den Evangelischen Oratorienchor zusammen mit der Kammerphilharmonie Karlsruhe zu einer überzeugenden Leistung mit der Aufführung des Requiems und „The Gift of Life“ des englischen, zeitgenössischen Komponisten John Rutter. Der Beifall der Besucher in der vollbesetzten Kirche wollte kein Ende nehmen.

„Rutters Ruf als einer der führenden Komponisten von Chor- und Kirchenmusik ist unstrittig. Seine Musik, verankert in der traditionellen europäischen Harmonielehre, ist erfindungsreich und individuell“, sagte Steuerwald. Der Melodienreichtum in seinem Requiem ist großartig. Im zweiten Satz, „Aus der Tiefe“, brilliert das Cello wunderbar, die Melodiosität nimmt den Hörer gänzlich gefangen, der Chor nimmt die Gedanken auf und setzt sie vokal mit gleicher Schönheit und Intensität um.

Immerhin umfasst der Chor über 70 Sängerinnen und Sänger. Im sechsten Satz führt die Flöte in feinste Höhen, im Lux aeterna singt Vera Steuerwald „I heard a voice“ – „Ich hörte eine Stimme vom Himmel, die zu mir sprach“ eindringlichst. Wie auch das „Pie Jesu“, den dritten Satz, sehr intensiv und kraftvoll. Die wehmutsvoll vorgetragene Bitte um ewige Ruhe und das Leuchten des ewigen Lichts schließen das Requiem mild und versöhnlich ab.



„The Gift of Life“, das Geschenk des Lebens, sechs Loblieder der Schöpfung, stehen dem Requiem in seiner musikalischen Qualität in nichts nach.

Ein Ohrwurm gleichsam ist der zweite Teil, „Der Baum des Lebens“, „The apple tree“. Die Melodie will nicht aus dem Kopf heraus. „Believe in life“, der sechste und letzte Teil, strahlt in Freude und Optimismus. „Diese Musik ist wahnsinnig durchdacht, aber dabei nicht verkopft“, sagte Steuerwald einmal in einem Interview. Das habe das Requiem wohl zu einem Klassiker gemacht. Seine Musik sei sehr farbenreich und plastisch. Man denke oft: Die Musik kenn ich doch, dann aber geht’s ganz anders weiter. „Klangsinn und Akribie, Instrumentation, Tonsatz, Klangfarbe, das beherrscht John Rutter perfekt“.

Die Kammerphilharmonie ist mit namhaften Solisten besetzt, man hört’s! Jochen Steuerwald wurde schon mit 23 Jahren hauptamtlicher Kantor in Stuttgart und Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1995 ist er Leiter der Evangelischen Jugendkantorei der Pfalz. Seit 2008 Landesmusikdirektor der evangelischen Kirche der Pfalz.

Regelmäßig kommt er mit Chören und Orchester nach Zweibrücken, was man gar nicht hoch genug einschätzen kann.