| 22:40 Uhr

Ortsvorteher-Wahlen in Zweibrücken
Ruf (Grüne) gewinnt Wahlkrimi in Mörsbach

 Vor Auszählung der Briefwähler sah es in Mörsbach nach einer Stichwahl zwischen Kurt Blinn und Achim Ruf aus.
Vor Auszählung der Briefwähler sah es in Mörsbach nach einer Stichwahl zwischen Kurt Blinn und Achim Ruf aus. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Ortsvorsteher-Wahlen: SPD kann Oberauerbach nicht zurückerobern. Amtsinhaber siegen auch in Mittelbach, Wattweiler, Rimschweiler.
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Zwei Vororte, in denen es eng werden könnte, zwei Vororte mit klaren Favoriten und einer, in denen die Siegerin praktisch schon vorher feststand: Das war gestern bei den Ortsvorsteher-Wahlen in den fünf Zweibrücker Vororten die Ausgangslage.

Besonders schwer vorhersehbar war der Wahlausgang in Mörsbach. Denn in der einstigen SPD-Hochburg hatte bei der letzten Wahl 2014 die Grüne Susanne Murer sensationell im ersten Wahlgang mit 46,7 Prozent vor Kurt Blinn (SPD) vorne gelegen und siegte in der Stichwahl klar. Doch die Öko-Partei hatte damals von mehreren damals akuten Auseinandersetzungen um die Mülldeponie mit der Stadtspitze profitiert. Nach Auszählung aller im Mörsbacher Wahllokal abgegebenen gültigen Stimmen entwickelte sich gestern ein echter Wahlkrimi: Der neue Grünen-Kandidat Achim Ruf lag bei 134 Stimmen, genauso viele wie Blinn (82) und Thiery (52) zusammen. Doch noch fehlten die 192 Mörsbacher Briefwahl-Stimmen. Blinn fühlte sich an 2004 erinnert – damals musste wegen Stimmengleichheit das Los entscheiden, ob er (damals parteiunabhängig) oder Ruf in die Stichwahl kam. Das Los fiel auf Blinn (der die Stichwahl gegen Rolf Schimmeyer, SPD, verlor).Gestern Abend half Blinn nicht mal das Los: Bei den Briefwählern lag Ruf klar vorn. Damit ist Ruf mit 53,9 Prozent neuer Ortsvorsteher. Blinn bekam 26,9 %, Thiery 19,2 %.

Als wichtigstes Ziel als Ortsvorsteher für die nächsten fünf Jahre nannte Ruf, „die Dorfgemeinschaft zu stärken“. Was wird anders als unter Murer? Ruf: „Ich denke, dass ich eher Teamplayer. Ich versuche, gemeinsam mit den anderen Parteien und dem ganzen Dorf Mörsbach voranzubringen.“ Blinn und Thiery nahmen ihre Niederlagen sehr gefasst auf, obwohl Blinn „eigentlich mit einer Stichwahl gerechnet hatte“ und sagten Ruf konstruktive Zusammenarbeit zu. Sie vermuteten, der Wahlsieg des Grünen könne auch mit den vielen Neubürgern im Neubaugebiet zusammenhängen. Thiery nannte das gewachsene politischer Engagement vieler Mörsbacher, auch in der Bürgerinitiative, „beachtlich“.



Nicht ganz so spannend wie erwartet war der Wahlabend in Oberauerbach. Hier hatte sich die SPD nach einem engagierten Wahlkampf Hoffnungen gemacht, den 2009 „verlorenen“ Ortsvorsteher-Posten zurückzuerobern. Doch am Ende lag Amtsinhaber Andreas Hüther (CDU) mit 57,0 zu 43,0 Prozent komfortabel vor Willy Danner-Knoke mit 43,0 Prozent. Vor fünf Jahren hatte Hüther mit 55,6 Prozent gegen Erik Durez (SPD, 44,4) gewonnen. Vielleicht schade ihm, „dass ich kein Einheimischer bin, sondern vor vielen Jahren aus Rimschweiler zugezogen“, rätselte Danner-Knoke. Hüther nannte „meine Präsenz in den letzten fünf Jahren und dass ich einiges vorangebracht habe, was noch nicht ganz abgeschlossen ist“, als Ursache seines Wahlerfolgs. Beide sicherten sich gute Zusammenarbeit dabei zu, den Radweg nach Winterbach auszubauen, neue Bauplätze zu schaffen und den Kindergarten umzubauen.

In Mittelbach-Hengstbach siegte Kurt Dettweiler (FWG) mit 63,0 Prozent zwar deutlich vor Anne Bauer. Die Sozialdemokratin erzielte gegen den seit 22 Jahren amtierenden „König Kurt“ aber mit 37,0 Prozent einen Achtungserfolg: Vor fünf Jahren hatte der sozialdemokratische Herausforderer Fritz Huppert nur 29 %.

Auch wenn in Wattweiler Thomas Körner (FWG) erst seit der Nachwahl 2017 Ortsvorsteher ist und deswegen beim Amtsbonus Dettweiler bei weitem nicht das Wasser reichen kann: Gegen die erst 28-jährige Politik-Einsteigerin Lisa Obenauer ging Körner gestern als haushoher Favorit ins Rennen, zumal die SPD in Wattweiler traditionell eher schwach ist. Der Wahlausgang war denn auch eine klare Sache: Körner verteidigte sein Amt mit 72,2 Prozent. Obenauer holte 27,8 Prozent.

In Rimschweiler war nur eines spannend: Schneidet Amtsinhaberin Isolde Seibert (CDU) besser oder schlechter als 2014 ab? Wieder nämlich hatte Seibert keinen Gegenkandidaten. Diesmal bekam sie 82,2 Prozent Ja- und 17,8 Prozent Nein-Stimmen. Vor fünf Jahren hatte sie 84,1 Prozent.