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Kolumne: Unsere Woche
Guck mal, wer da meckert!

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es ist gute Tradition, dass Zeitungen vor Wahlen zum Urnengang aufrufen. An dieser Tradition wollen wir auch vor der Oberbürgermeister-Wahl diesen Sonntag in Zweibrücken nicht rütteln. Und darum schreibe ich, wie es sich gehört: Gehen Sie wählen! Von Jan Althoff

Es ist gute Tradition, dass Zeitungen vor Wahlen zum Urnengang aufrufen. An dieser Tradition wollen wir auch vor der Oberbürgermeister-Wahl diesen Sonntag in Zweibrücken nicht rütteln. Und darum schreibe ich, wie es sich gehört: Gehen Sie wählen!

So, damit wäre das mal abgehakt.

Oder nicht?



Eigentlich nicht. Denn wenn man die Sache mal statistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie trotz meiner Bitte Ihre Stimme nicht im Wahllokal abgeben werden. Zur Erinnerung: Bei der letzten Stadtratswahl lag die Wahlbeteiligung bei 42,7 Prozent, bei der Oberbürgermeister-Wahl bei traurigen 38,6 Prozent. Das heißt, um es mal alltags-mathematisch runterzubrechen: Wenn Sie jetzt entschlossen sind, zur Wahl zu gehen, ist rein statistisch betrachtet davon auszugehen, dass der Mensch, der Ihnen gerade am Frühstückstisch gegenüber sitzt, nicht wählen geht. (An dieser Überlegung kann man mal wieder sehen, wie wenig Statistiken über das wahre Leben aussagen; schließlich ist es doch zumeist so, dass Paare gemeinsam zur Wahl gehen – oder eben nicht. Aber egal).

Gibt’s eigentlich eine Gegenstatistik, wie viele der Menschen, die sich zwischen den Wahlen über die Stadt und die politisch Verantwortlichen aufregen, tatsächlich wählen waren? Wohl nicht, wegen Wahlgeheimnis und so. Ich würde aber mal ins Blaue vermuten wollen, dass die Zahl der meckernden Nichtwähler analog zur Wahlbeteiligung deutlich über 50 Prozent liegt. Das sind die Zeitgenossen, die etwa meinen, als Bürger könne man mit seiner Stimme sowieso nichts ändern und die Leute, die da zur Wahl stünden, seien sowieso einer wie der andere komplett unwählbar.

Frage: Wie soll sich denn was ändern, wenn die, denen die Lage stinkt, sich nicht konstruktiv daran beteiligen, dass sie besser wird? Sich nicht in Parteien, Vereinen oder Bürgerinitiativen engagieren? Dass so etwas durchaus Erfolg haben kann, konnte man in Zweibrücken bei der letzten Ortsvorsteherwahl in Mörsbach sehen. Und dass man es auch als einfacher Bürger ohne Parteiapparat bei der OB-Wahl zumindest auf den Wahlzettel bringen kann, zeigen die drei unabhängigen Kandidaten.

Dann gibt es natürlich auch noch diejenigen, die mit der aktuellen Stadtspitze eigentlich ganz zufrieden sind und meinen, nicht gegen die Regierenden zu stimmen, wäre schon genug des Lobes. Für diese Gruppe hätte ich folgende Frage: Hatten Sie auch mal so einen Vorgesetzten/Lehrer, der mit dem Lob gegeizt hat? Der aber dafür auf jedem Fehler lautstark und ausdauernd herumgeritten ist? Furchtbar, oder?

Darum: Gehen Sie wählen. Denn selbst wenn Sie glauben, dass es nichts hilft: Es schadet auch garantiert nicht.