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Kommentar
Neuer Mann mit neuem Stil

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Es gehört zu den Normalitäten oder sollte man besser sagen zu den Absurditäten eines Wahlabends, dass ein solcher immer viele Sieger kennt – mögen die Parteien und ihre Kandidaten in der Wählergunst auch noch so abstürzen. Von Michael Klein

Das hat einmal mehr ganz aktuell der gestrige Wahlabend in Bayern gezeigt, bei dem der Interpretationsspielraum wieder mal bis zum Bersten ausgereizt wurde, als die Stunde der Wortklauber schlug.

Bei einer Stichwahl hingegen gibt es keine Deutungshoheit, da zählen die puren nackten Zahlen, die eine klare Sprache sprechen. Sie machen den Sieger, sie machen den Verlierer. Unbestechlich, diskussionslos. Ohne Wenn und Aber – das hat der Wahlsonntag in Zweibrücken gezeigt, der mit einem strahlenden Triumph für den künftigen Oberbürgermeister Marold Wosnitza und die SPD endete. Der Sozialdemokrat deklassierte gestern den CDU-Mann Christian Gauf mit 12,2 Prozentpunkten Vorsprung. Damit war es Wosnitza gelungen, seinen 6,3 Prozentpunkte zählenden Vorsprung aus dem ersten Wahlgang vom 23. September eindrucksvoll (beinahe) zu verdoppeln. Gauf, der vor wie nach das Amt des Bürgermeisters inne hat, halfen offenbar auch die vereinigten Wahlempfehlungen der vor drei Wochen gescheiterten weiteren Kandidaten nicht. Erstaunlich!

„In Zweibrücken ist mehr möglich“, war Wosnitza im Wahlkampf wortgewaltig nie müde geworden zu betonen. Und er hat dies mit seinem fulminanten Erfolg eindrucksvoll bewiesen. Gegen einen veritablen Widersacher, der sich am Ende deutlich unter Wert geschlagen geben musste und dessen krachende Niederlage so nicht viele auf dem Zettel hatten. Insofern überrascht das Ergebnis von Christian Gauf, dem viele zugetraut hatten, auf der Schlussgeraden wenigstens noch einmal an Wosnitza heranzukommen.



Aber auch das Resultat von Wosnitza muss überraschen. In seiner Klarheit und in seiner Stringenz: Lediglich in vier von 34 Wahllokalen lag der SPD-Mann am Ende nicht vorne. Vom ersten bis zum letzten Zwischenresultat der Auszählung hatte Wosnitza die Nase vorn. Wahrlich beeindruckend!

So beeindruckend, wie der Professor für Erziehungswissenschaft den Wahlkampf vom ersten Tag an begriffen und angenommen hatte. Und dabei auch das Handicap souverän weggesteckt hat, dass ihn nicht alle als den natürlichsten und logischsten Kandidaten im Portfolio hatten, als es nach dem Tod des SPD-Vormannes Kurt Pirmann darum ging, einen aussichtsreichen Kandidaten aufzubieten, der den „Roten“ die Bastion Zweibrücken erhalten würde.

Wosnitza hat dies geschafft. Auf seine Art, auf Menschen zuzugehen und sie für seinen Stil zu begeistern. Der ist sehr wesentlich von seinem Job an der Hochschule Aachen geprägt und er wird sich sicherlich vom Auftreten und Agieren seines Vorgängers unterscheiden. Kurt Pirmann war der „Macher“ der viele wegen seiner Willensstärke mitgenommen hat. Wosnitza ist eher derjenige, der sein Umfeld argumentativ umgarnen und gewinnen will und der die Pluralität der Meinungen schätzt und den Diskurs fördert, wenn es gilt, andere für einen gemeinsamen Weg zu begeistern.

Doch dieser Weg wird kein leichter sein. Das weiß der 53-Jährige, er kennt die Rahmenbedingungen in der Stadt. Gestaltungsspielräume dürfte es angesichts der finanziellen Voraussetzungen wohl eher in homöopathischen Dosen geben. Es sei denn, dass die Kreativität der Ideen den immensen Schuldenberg bezwingt.

Dass Marold Wosnitza Ideen hat und Vorstellungen, spricht für den jetzt gewählten Oberbürgermeister. Dass ihm die Wähler beides mit so großem Vertrauensvorschuss abnehmen, nicht minder. Jetzt liegt es an ihm zu zeigen, was in Zweibrücken möglich ist!