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Kommentar
Poker-Pohlmann oder: Wann steigt Rauch auf?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wie die Beigeordneten-Wahl als Geheimsache behandelt wird. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Kein Rheinland-Pfälzer will SPD-Chef werden, haben wir am Freitag auf der Merkur-Titelseite geschrieben. Kann man ja verstehen, denn der SPD-Parteivorsitz gilt als kurzlebiges Himmelfahrtskommando. Beigeordneter in Zweibrücken ist offenbar der deutlich attraktivere Job – den wollen nämlich gleich zwei Sozialdemokraten, was sogar mindestens einer zu viel ist.

Wobei die Lust, an der Stadtspitze mitzuregieren, eine sozialdemokratische Besonderheit zu sein scheint: Noch aus keiner anderen Partei ist bislang Ehrgeiz zu vernehmen, sich für das wichtige Stadtvorstands-Amt zu bewerben (wobei Kurt Dettweiler, FWG, immerhin eine Kandidatur nicht ausschließt). Die CDU hat sich seit Wochen völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, die allgemein als wahrscheinlichste Kandidatin gehandelte Fraktionschefin Christina Rauch entzieht sich Merkur-Gesprächsversuchen wie der Teufel das Weihwasser, was für eine sonst so freundliche Christdemokratin dann doch ungewöhnlich ist. Professioneller wirkt da derzeit Norbert Pohlmann: Der Grünen-Fraktionschef scheut das Gespräch mit hartnäckigen Journalisten nicht. Wobei er leider ein Pokerface aufsetzt, keine Namen verrät und nicht mehr andeutet, als dass die Grünen wohl jemand in der Hinterhand haben, der kein Grüner aus Zweibrücken ist, aber mit Verwaltungserfahrung. Stimmt das, hätten die Grünen als stärkste der (zusammen nicht mehr) „kleinen“ Fraktionen im Poker um die Beigeordneten-Stelle gute Karten in der Hand, zumal SPD und CDU mit jeweils 11 von 40 Ratssitzen sich gegenseitig blockieren – und sollten sie keine Mehrheit für eine(n) der Ihren organisieren können, sicher lieber einen von den „Kleinen“ nominierten Beigeordneten im Stadtvorstand hätten als dass sie selbst dort künftig von zwei Vertretern der anderen großen Partei dominiert werden.

Zu hoffen ist, dass die Namens-Geheimniskrämerei damit zusammenhängt, dass bestimmte Kandidat(inn)en ihre Kandidatur-Bereitschaft davon abhängig machen, ob der Stadtrat nächsten Mittwoch die Hauptsatzung ändert, um die haupt- in eine ehrenamtliche Stelle umzuwandeln. Stichwort ehrenamtlich: Es wäre ja schön, dadurch Geld zu sparen. Das geht aber nur mit qualifizierten Kandidaten! FWG (die sogar zwei Ehrenamtler will) und AfD (die Kurt Dettweiler bislang nur vage ins Spiel gebracht hat) müssten hier schleunigst ganz konkrete Personalvorschläge machen. Denn der Schaden für die Stadt wäre groß, sollte der Rat am 14. August die Ehrenamtlichkeit beschließen – bei der Wahl am 18. September aber niemand zur Verfügung steht, der gut qualifiziert ist, mehrheitsfähig und bereit, sich die stressige Arbeit für eine kleine Aufwandsentschädigung anzutun.



Nicht nur die Anhänger der CDU-Fraktionschefin fragen sich also in Sachen Beigeordnete(r), wann denn nun endlich Rauch aufsteigt. Und wer weiß, vielleicht hält ja auch Christina Rauch heimlich gute Pokerkarten in der Hand. Klar ist: Der Wahltag naht. Sehr bald muss also Rauch aufsteigen, ob schwarzer, roter, grüner, oranger, blauer oder gelber.