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Kolumne:  Moment mal
Interpretatorische Zeitzonen oder: Im halben Dutzend diskutabel

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Mit der Diskussionsrunde der OB-Kandidaten morgen biegt der Wahlkampf auf die Zielgeraden ein. Merkur-Chefredakteur Michael Klein bilanziert persönliche Begegnungen und Erfahrungen mit dem Sextett aus den zurückliegenden Wochen. Von Michael Klein

Der eine oder andere Leser oder die eine oder andere Leserin dieser Kolumne wird sich ganz sicher daran erinnern: An den zurückliegenden Montagen, dem traditionellen E-Tag, wie wir Zeitungsmenschen sagen, wenn wir den Erscheinungstag meinen, habe ich mich an dieser Stelle ganz bewusst mit der Oberbürgermeisterwahl in Zweibrücken befasst. Oder eben auch bewusst mal darauf beschränken wollen, nichts darüber zu schreiben – was dann aber letztendlich kläglich gescheitert ist. Ein bisschen Wahl war schließlich immer . . .

Weil nämlich die Wahl vom kommenden Sonntag natürlich das bestimmende lokale Thema in Zweibrücken ist. Und auch noch bleiben wird. Vermutlich auch über den 23. September hinaus, weil – worauf viele Stimmungen hindeuten – die Entscheidung darüber, wer künftig den Hut in der Stadt auf hat, eben erst am 14. Oktober in einer Stichwahl fallen dürfte.

Eine Woche vor der Wahl dreht sich natürlich auch heute an der Stelle alles um die Wahl. Der Hinweis darauf, dass sich am morgigen Dienstagabend um 19 Uhr alle sechs Kandidaten in einer Podiumsdiskussion oder Gesprächsrunde, die unsere Zeitung in der Karlskirche veranstaltet, der Öffentlichkeit stellen werden (wenn keiner kurzfristig ausfällt) ist sicherlich obsolet. Weil alle jene unter Ihnen, die sich für die weitere Perspektive der Stadt oder eben auch für das Sextett der Kandidaten interessieren, diesen Termin längst im Kalender stehen haben.



Gedanklich bin auch ich – weil ich die Runde der Kandidaten zusammen mit meinem Kollegen Lutz Fröhlich moderieren werde – schon in der vorausschauenden Planung des morgigen Abends. Und gespannt darauf, wie sich die Kandidaten vor Publikum präsentieren werden. Schließlich könnte das Sextett derer, die die Nachfolge des im Juni verstorbenen Kurt Pirmann antreten wollen, nicht facettenreicher sein. Darin liegt der besondere Reiz, weshalb wir uns auf morgen Abend freuen.

Darin könnte aber auch eine gewisse Gefahr liegen: Kommunalpolitische Vorbildung oder auch nicht, Verwurzelung in der Stadt, erlebte und durchlebte Kärrnerarbeit in einer Partei oder eben auch (nur) die spontane Bereitschaft und der Wille zur aktiven Veränderung, vielleicht auch missionarischer Eifer ohne jegliches Parteikalkül, Lust auf etwas Neues – dazwischen präsentieren sich die Herren Marold Wosnitza, Christian Gauf, Klaus Peter Schmidt, Atilla Eren, Thomas Kewel und Andreas Wente. Mit ihren Zielen, mit ihren Vorstellungen, mit ihren Erfahrungen. Zwischen Realität und Fiktion. Mit dem Blick fürs Machbare oder der Mission von der Vision auf Biegen und Brechen.

Kurzum: Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein. Sind es auch nicht, wie unsere Zeitung in den zurückliegenden Wochen erfahren und erlebt hat. Bei offiziellen und inoffiziellen Anlässen, bei denen sich Bewerber und Journalist begegnet sind. Bei den eigens angesetzten Terminen, die geschaffen wurden, den jeweiligen Kandidaten in einer sehr persönlichen Art und Weise politisch und menschlich zu beleuchten.

Ja, gerne auch bei der Beantwortung einer für alle Kandidaten von Woche zu Woche gleichen Frage, die wir in einer zehn Teile umfassenden Serie im Vorfeld der OB-Wahl veröffentlicht haben und deren letzter Teil morgen erscheinen wird.

Die Antworten auf die von mir per Mail zeitgleich herausgegebenen Fragen sind stets in meinem Postfach gelandet, die redaktionelle Koordination ist in aller objektiven Arbeit über meinen Schreibtisch gegangen. „Das kann ja wohl so schwer nicht gewesen sein“, werden Sie an der Stelle einwerfen, da doch alle Kandidaten dieselbe Längenvorgabe, nämlich 1200 Zeichen inklusive der Leerzeichen, und dieselbe Zeitvorgabe hatten!

Stimmt. Oder auch nicht!

Schreiben wir mal so: Ohne allzu viel aus dem Nähkästchen zu plaudern oder Indiskretionen zu fördern, war es für mich spannend zu erfahren, wie jeder Einzelne mit der Bitte umgegangen ist, seine Gedanken kurz zusammenzufassen. Und auch die sich aus der Zusendung der Antwort schon mal mailtechnisch oder persönlich oder am Telefon ergebenden Diskussionen darüber, warum jeder Einzelne nach eigener Auffassung auch mal viel mehr Platz (und damit Zeilen) benötigt hätte, sich auszudrücken, waren interessant. Mein Fazit: Ich habe gelernt, wie unendlich dehnbar eine definierte Zahl von 1200 doch ist, obwohl da rechnerisch keine Mehrwertsteuer drauf kommt und kein Rabatt abgeht. Ich habe ungeachtet der aktuellen Diskussion um die Abschaffung oder Beibehaltung der Sommerzeit auch erfahren dürfen, wie viele interpretatorische Zeitzonen hinter der Ansage „Montag, 12 Uhr“ stecken können. Kurzum: Ich habe abseits politischer Inhalte und ohne dass diese Feststellung den Ausgang der Wahl in irgendeiner Form beeinflussen würde, ein halbes Dutzend interessanter Menschen kennengelernt. Die ich morgen Abend im halben Dutzend wiedertreffen werde.

Weshalb jetzt die Vorfreude auf den morgigen Abend dominiert...