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Kolumne Unsere Woche
Ein kommunikativer Offenbarungseid

 Mirko Reuther
Mirko Reuther FOTO: SZ / Lorenz, Robby
Wir müssen mal reden. Was verdächtig wie die unheilschwangere Einleitung vom Ende einer Beziehung klingt, ist im Grunde kein schlechter Rat. Hätte das Koalitionsende von CDU und SPD im Zweibrücker Stadtrat – sofern es nicht aufgrund des kommenden Kommunalwahlkampfs forciert wurde – verhindert werden können, wenn die Fraktionsspitzen einfach ein klärendes Gespräch geführt hätten?

Das bleibt Spekulation. Ein reinigendes Donnerwetter, um zu kitten, was nun nicht mehr zu kitten scheint, wäre aber aussichtsreicher gewesen, als den Ärger so lange in sich hinein zu fressen, bis die Ader auf der Stirn am Anschlag pocht. Denn das ist die Konfliktlösungsstrategie eines pubertierenden Teenagers. Den schwarzen Peter für den kommunikativen Offenbarungseid allein der CDU in die Schuhe zu schieben, die die Koalition ohne vorherigen Warnschuss beendet hat, weil SPD-Vertreter einen Oberbürgermeisterwahlkampf „unter der Gürtellinie“ geführt hätten, ist aber zu einfach: Denn es ist schwer vorstellbar, dass man bei der SPD überhaupt nichts von dem immer frostiger werdenden politischen Klima bemerkt haben will. Wenn der Partner immer kürzer angebunden reagiert, sollte man – sofern einem die Beziehung wichtig ist – die Frage stellen: „Was ist denn los, Schatz?“ Ansonsten heißt es irgendwann: Wir müssen mal reden.