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Kolumne:  Moment mal
Elwedritsche und Stimmen oder: Die Kunst, möglichst viele zu fangen

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
In Zweibücken fokussieren sich (fast) alle auf den großen Showdown im Rennen um den OB-Posten, über den am Sonntag abgestimmt wird. Bis dahin bleibt nicht nur bei Merkur-Chefredakteur Michael Klein einiges liegen. Von Michael Klein

Das Angebot oder auch die Bitte – da unterscheiden sich schon mal die Sichtweisen des Empfängers – kam wie gewöhnlich per Post. Diesmal in Form eines freundlichen Anschreibens aus dem Hause des Wartberg-Verlags und garniert mit einem druckfrischen Exemplar eines Buches aus der Feder von Egon Busch. Welches sich doch vortrefflich eigne, in der Zeitung besprochen und vorgestellt zu werden.

Busch ist Jahrgang 1938, nach 42 Jahren im Schuldienst dann 2002 in den Ruhestand gegangen. Das erfahre ich auf dem Klappentext. Er ist in Münchweiler/Alsenz geboren und hat außerdem keinen Bezug zu Zweibrücken. Das erfahre ich beim Blättern und punktuellen Schmökern in dem Büchlein, weil ich auch beim wiederholten Stöbern und Querlesen nirgendwo über die namentliche Erwähnung unserer Stadt stolpere. Wie gesagt: Ich blättere beim ersten Lesen wirklich nur im Schnelldurchgang durch, weshalb ich der gewagten Behauptung ein lottotechnisch bekanntes „Ohne Gewähr“ hinzufügen möchte.

Warum das Buch dennoch an dieser Stelle erwähnt wird? Na ja, sein Titel ist recht originell, lautet „Elwedritsche fange ... und andere Geschichten auf Pfälzisch“. Und es hat für den Moment auf meinem Schreibtisch genau auf einem Stapel Unterlagen, die schon vom kommenden Sonntag künden, Platz gefunden: Die Ergebnisse der jüngsten Oberbürgermeister-Wahl vom 23. September stapeln sich da, dazu ein paar handschriftliche Notizen und die Porträts der nach dem ersten Wahlsonntag noch verbliebenen Matadores Marold Wosnitza und Christian Gauf, die am 14. Oktober im Showdown nach Auszählung der Stimmzettel wissen werden, wer künftig das Sagen in der Stadt hat.



Die beiden Politiker wollen Stimmen fangen. Möglichst viele und ganz real, während der geübte Mundart-Autor Busch nur ein paar Zentimeter über ihnen die Suche nach dem und den Fang des Fabelwesen(s) – einer Kreuzung aus Hinkel, Gans und Rab‘ – umschreibt. Eine Elwedritsche ziert folglich auch das Cover des Büchleins, freut sich auf selbigem über ein Glas Wein, das eine etwas dümmlich-verträumt dreinschauende mit stabilem Strich gezeichnete Weinkönigin kredenzt.

Bleibt die Frage, wem man in Zweibrücken am kommenden Sonntag zuprosten kann. Bei wem knallen freudetrunken die Korken, und bei wem hinterlässt der sprichwörtliche Wermutstropfen der Wahlniederlage einen schalen Beigeschmack? Noch ist nichts entschieden. Rein gar nichts. Auch das Votum vom 23. September, bei dem AfD-Mann Klaus Peter Schmidt sowie drei parteiunabhängige Kandidaten erwartungsgemäß und im Einzelfall sang- und klanglos auf der Strecke blieben, taugt nur bedingt fürs Stimmungsbarometer.

Fest steht: Der CDU-Mann Christian Gauf, den eine vermutlich teuer bezahlte repräsentative Meinungsumfrage Wochen vor der Wahl mit so großem Vorsprung vorne sah – weshalb man an der Umfrage und ihrer Stichhaltigkeit im Nachhinein dann durchaus zweifeln darf – geht mit deutlichem Rückstand auf den SPD-Mann Marold Wosnitza in den Stichtag. Der wiederum muss zur Kenntnis nehmen, dass sich seit dem vorletzten Septemberwochenende alle einstmaligen OB-Kandidaten für seinen Widersacher ausgesprochen haben, als Letzter in der Reihe ja auch noch Thomas Kewel.

Wem das nützt, wem es schadet? Wer die Stimmen derer bekommt, die beim ersten Durchgang ihr Kreuzchen weder bei Wosnitza noch bei Gauf gemacht haben? Darüber befinden die Wähler am Sonntag. Und bis dahin werden sie auch weiterhin umgarnt und umworben werden. Mit aktualisierten Plakaten, auf denen ständig neue „Störer“ kleben – und natürlich Auge in Auge: Wosnitza hat angekündigt, seinen Häuserwahlkampf fortzusetzen. Gauf hat unterstrichen, dass er genau in dem Bereich Gas geben wird, weil diese Art des Wahlkampfes bislang bei ihm aufgrund seiner Verpflichtungen im Rathaus deutlich zu kurz gekommen ist.

Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, wonach viele von Ihnen die Kandidaten in den kommenden Tagen noch treffen werden. Wir, unsere Redaktion, auf jeden Fall, denn wir nehmen übrigens den Dialog, den beide Kandidaten auf diese Weise mit potenziellen Wählern führen, zum Anlass, das Duo Marold Wosnitza und Christian Gauf morgen und übermorgen beim Klinkenputzen in dieser Woche einmal zu begleiten. Und werden darüber berichten. Wissend, dass auch dies am Ende nur eine Momentaufnahme ist.

Denn das Ergebnis gibt es ja im besten demokratischen Sinne erst am Sonntag, weshalb – ebenfalls im besten demokratischen Sinne – sich jeder Wahlberechtigte auch der Chance bewusst sein sollte, dass jede Stimme zählt. Und je mehr Stimmen abgegeben werden, umso stimmiger ist das Ergebnis.