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Kolumne Moment mal
Völlig schwerelos oder: Wachstumsschub, ganz ohne grünen Daumen

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Während Forscher im Dienste der Wissenschaft schon mal ganz klassisch abheben, behält ein anderer selbst beim permanenten unternehmerischen Höhenflug seine Bodenhaftung. Merkur-Chefredakteur Michael Klein beschreibt beide Spezies. Von Michael Klein

Seit Angela Merkel in der letzten Woche unmittelbar nach dem Hessenwahl-Debakel für ihre Partei angekündigt hat, nicht mehr für den Vorsitz der CDU kandidieren zu wollen, laufen sich die potenziellen Nachfolger warm: Friedrich Merz, Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer. Im Vorfeld des Bundesparteitages Anfang Dezember in Hamburg sind dies offenbar die Protagonisten in dem bühnenreifen Klassiker „Feind, Todfeind, Parteifreund“.

Die bildhafte Steigerung ist sprichwörtlich – Kult-Kalauer mit Tiefgang sozusagen.

Ob in diese Trilogie der Nettigkeiten auch der „Kollege“ passt? Und an welcher Stelle im Ranking er sich wohl einreihen ließe? So mir-nichts-dir-nichts lässt sich keine Antwort darauf finden – auf die Frage, die mich ein verlängertes Wochenende lang beschäftigt hat. Ausgelöst durch eine simple Email, die der Kollege Lutz Fröhlich mir an Allerheiligen zur Fest- und Feiertagsfreude weitergeleitet hatte: Parabelflüge in Bordeaux  – vielleicht haben Sie da kolumnistisch mal Verwendung für …Gezeichnet mit lf, seinem Kürzel.



Spontan hatte ich an der Stelle die Frage des Kollegen rasch verneint! Und unspontan bleibe ich dabei. Ich widerrufe mein Bauchgefühl nämlich auch nicht, als ich die in seiner Email angehängte Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt überflogen habe, in der ich lesend den mir bis dato unbekannten Dr. Maik Böhmer vom ZERO-G Labor der Uni kennenlerne. Der untersucht nämlich in diesen Tagen in Frankreich mit den angesprochenen Parabelflügen, wie Pflanzen auf veränderte Schwerkraftverhältnisse reagieren. Beim Weiterlesen erfahre ich übrigens auf besondere Empfehlung des Kollegen Lokalreporters, dass die Blütenpflanze Arabidopsis thaliana, die wir alle als Ackerschmalwand vor dem geistigen Auge haben, das Versuchsobjekt ist. Weil sie nämlich schon seit langem ein bewährtes Modellsystem in der Gravitationsbiologie ist und schon mehrfach in diversen Testreihen veränderten Gravitationsbedingungen ausgesetzt worden ist.

Dass Pflanzen auf Schwerkraft reagieren, überrascht an der Stelle nicht sonderlich. Man muss nicht zwangsläufig Besitzer des dicksten grünen Daumens sein, um zu erkennen, dass Organe der Pflanze in ganz bestimmter Orientierung zur Schwerkraft wachsen: Die Wurzel wächst beispielsweise zum Erdmittelpunkt, die Sprossachse davon weg. Das kommt daher, so haben die Wissenschaftler längst erkannt, dass die Wurzelspitze und eine Schicht der Sprossachse  mit Zellen ausgestattet sind, die die Schwerkraft wahrnehmen. Was aber genau in diesen Zellen passiert und ob es einen Gravi-Rezeptor in Pflanzen gibt, ist noch unbekannt.

Und bleibt es auch noch – zumindest an der Stelle im Hier und Heute. Und das aus mindestens drei guten Gründen: Erstens steige ich an der Stelle aus der wissenschaftlichen Erläuterung aus, zweitens ist das Thema eh nix für eine Kolumne. Und drittens ist der oben genannte Forscher offenbar immer noch in der Luft – samt der als grünender Proband  so geschätzten Pflanze. Völlig losgelöst von der Erden.

Wie erdverbunden ist dagegen doch – Dieter Ernst. Weshalb er auch mit Fug und Recht für eine Kolumne taugt. Der von ihm und seiner Frau Sabine mit Unterstützung von Sohn Christian betriebene Einkaufsmarkt ist seit gut zehn Jahren das Herzstück des Hilgard-Centers, das man fraglos als Zweibrücker Erfolgsstory preisen kann. Und den Ankermieter Edeka-Ernst erst recht. Den umtriebigen Geschäftsmann in Zweibrücken vorstellen zu wollen, würde dem hinlänglich bekannten Transport von Nachtgreifvögeln in eine griechische Stadt zentralster Bedeutung gleichkommen: Ernst hat nicht nur Erfolg in seinem geschäftlichen Tun, er ist auch für andere da. Sein Engagement im sportlichen und sozialen Bereich in Zweibrücken und darüber hinaus in der Region spricht Bände. Vereine und Institutionen, darunter auch das Stadt-Marketing erfahren großzügige Hilfe und Unterstützung von Dieter Ernst. Wie gesagt: Alles nichts Neues.

Dennoch kann man es nicht oft genug unterstreichen. Und ganz aktuell bietet eine neuerliche Auszeichnung, die der Unternehmer erhalten hat und über die wir berichtet haben, einen frischen Aufhänger (wie wir Zeitungsmenschen schon mal sagen, wenn wir eine passende Gelegenheit meinen): Ernst grüßt als Premier-Finalist des Jahres 2018 beim „Großen Preis des Mittelstandes“, den die Oskar-Patzelt-Stiftung alljährlich seit 1994 vergibt. Die Stiftung hat nach eigener Darstellung die Selbstständigen und Unternehmer in Deutschland im Auge, die mit hohem persönlichen Einsatz für Arbeits- und Ausbildungsplätze, für Innovationen und Fortschritt, für Steuern und Abgaben, für Frieden und gesellschaftliches Engagement sorgen. Schon zuvor war Ernst in dieser illustren Runde der Ausgezeichneten aufgetaucht: 2015 als Finalist. Ein Jahr später als Preisträger, der im selben Jahr zudem die Ehrenplakette zugesprochen erhielt.

Es spricht für Ernst, es spricht aber auch für unsere Stadt, die damit bundesweit bekannt wird, dass der in Zweibrücken agierende Unternehmer auf Seite 115 eines  hochwertig und aufwändig gestalteten Bandes, der jetzt in der Edition „Unternehmerbibliothek der Oskar-Patzelt-Stiftung“ erschienen ist, großflächig vorgestellt und in wärmsten Worten gewürdigt wird. Ruhm und Ehre potenzieren sich in gewisser Weise noch, wenn man – wie ich übers Wochenende – die Chance hat, auf den Seiten sechs und sieben die Gotha all der Konterfeis namhafter (wirtschafts)politischer 1-a-Promis zu sehen, die für Inhalt und Ziele des Preises einstehen, diesen als Schirmherren und Grußredner flankieren.

Dass Dieter „,Edeka“ Ernst in dieser Liga mitspielt, ist stark: Ein erfolgreicher Highflyer, ein geerdeter Überflieger im kontinuierlichen Steigflug – ohne Parabel mit Grünzeug.