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Kolumne Moment mal
Godot, Michel und Stricker oder: Leben im ewigen Wartesaal

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Welch ein Trost: Selbst für Kassenpatienten hat jede Warterei irgendwann ein Ende. Das zeigt: Beim Arztbesuch ist es wie im realen Leben. Nur beim Gemeinsamhandel Zweibrücken nicht – wundert sich Merkur-Chefredakteur Michael Klein. Von Michael Klein

Warten kann ja so  unendlich lange dauern. Manchmal sogar ewig. Und nicht immer endet die nervtötende Warterei mit Erfolg.

Wer wüsste das nicht besser als Wladimir und Estragon, die beiden schon betagteren Vagabunden, die seit Jahrzehnten auf den großen und kleinen Theaterbühnen der Welt immer wieder aufs Neue auf Godot warten. Zum ersten Mal übrigens 1953 im Théatre de Babylone in Paris, als das Theaterstück von Samuel Beckett uraufgeführt wurde. Für Beckett war es fraglos der literarische Durchbruch, weil sein ein paar Jahre zuvor verfasstes Werk seither seinen Stammplatz in der ersten Reihe der Weltliteratur hat. Und es war für den am 13. April 1906 in Foxrock nahe Dublin geborenen und 1989 in Paris verstorbenen Schriftsteller auch der erste finanzielle Erfolg, auf den er vorher so lange warten musste. Siehe oben…

Dass Godot blöderweise am Ende gar nicht kommt, sollte uns Wartenden nicht schrecken. Wir warten einfach weiter. Und beileibe nicht nur auf den unbekannten Typen aus Becketts Klassiker. Im Warten haben wir ja Erfahrung.



Seit gestern Abend in Hessen die Wahllokale schlossen beziehungsweise seit das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Landtagswahl diskutiert wird, warten wir beispielsweise auch darauf, wie es in Berlin jetzt nach dem aktuellen Urnengang weitergeht. Was bedeutet das Resultat für die ,,GroKo“? Was bedeutet es für die ewige Kanzlerin Angela Merkel, was für Andrea Nahles? Und was für uns Wähler? Wir warten einfach mal…

Apropos Wahlen: Im kommenden Jahr dürfen wir ja schon wieder Kreuzchen machen: Am 26. Mai finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Und vor allem natürlich finden die Kommunalwahlen statt. Die Festlegung also, wer uns in der neuen Legislaturperiode in den kommunalen Parlamenten vertritt – im Kreistag, im Stadtrat, im Verbandsgemeinderat, in den Ortsgemeinderäten. Das wird spannend, an sehr vielen Orten. Ganz sicher auch hier in Zweibrücken, wo kurz nach der OB-Wahl schon die ersten Bewerber um Sitze und Stimmen und Listenplätze vorpreschen und ihren Hut in den Ring werfen. Fest steht, dass sich die politische Landschaft verändern wird: Die Zusammensetzung von Räten wird eine andere sein, viele Plätze werden von neuen Personen eingenommen werden. Wer, wo, wann, für wen? Ich denke, da müssen wir noch ein wenig (ab)warten.

Und wir warten natürlich auch, was die Europäische Union denn in Sachen Sommerzeit beschließt. Wann endlich hat das jährlich zweimalige Drehen an der Uhr (s)ein Ende, das ja bei genauer Betrachtung noch nie Sinn gemacht hat und das uns gerade erst in der Nacht zum Sonntag mal wieder genervt hat. So sehr, dass der eine oder andere heute und in den nächsten Tagen irgendwie mit der inneren Uhr nicht klar kommt. Mediziner, Forscher und andere kluge Leute haben kluge Ratschläge, wie wir unserem Körper ein Schnippchen schlagen können. Ob die Tipps helfen? Auch da gilt wohl eher: Wir müssen warten…

Übrigens warten wir auch schon aufs Christkind. Der Gedanke daran fällt in der Woche vor Allerheiligen nicht ganz so leicht, zumal sich ja auch der Sommer gerade erst verabschiedet hat. Weil aber  in den vergangenen Tagen schon erste konkrete Planungen zum Zweibrücker Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr bereits zum 40. Mal stattfinden wird, bekannt geworden sind, warten wir alle schon auf Weihnachten. Darauf, dass der süße Duft von Glühwein und Zimtwaffeln die teilweise recht heimeligen Budenstädte landauf landab pünktlich mit dem ersten Adventwochenende verzaubert, warten wir noch knapp fünf Wochen. Nicht nur in Zweibrücken.

Ich persönlich warte übrigens seit Tagen auf eine Wortmeldung der Verantwortlichen des Vereins Gemeinsamhandel Zweibrücken. Doch da ist bislang nur peinliches Schweigen. Dass Andreas Michel und seine Vorstandskolleginn/en trotz der Ankündigung des Homburger Gewerbevereins, mit einem verkaufsoffenen Feiertag am 15. August in Homburg den Saarländer-Tag in Zweibrücken mit voller Einkaufserlebnislust torpedieren zu wollen, noch keine öffentliche Reaktion gezeigt haben, darf durchaus irritieren. Und dass auch Petra Stricker, die für das Stadtmarketing in Zweibrücken verantwortlich zeichnet, bislang stumm geblieben ist, muss man nicht unbedingt nachvollziehen können. Im Sinne der Händler und der Gewerbetreibenden warte ich durchaus interessiert auf eine Wortmeldung. Mehr noch: Nein, ich erwarte eine solche ganz einfach! Oder ist es das große Warten darauf,  dass sich einer als Erster aus der Deckung und der Komfortzone wagt, um danach auf dem Altar der Resignation von den Anderen abgewatscht zu werden? So oder so – absolute Funkstille hätte ich nicht erwartet!