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Kolumne Moment mal
Sternstunde(n) oder: Ohne unsere Vereine stehen wir im Regen!

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Die VTZ freut sich zurecht über eine großartige Auszeichnung auf Landesebene. Wenn das kein Grund ist, generell einmal den ungezählten Vereinen und ihren ehrenamtlichen Helfern Danke zu sagen – findet Merkur-Chefredakteur Michael Klein.

Die erste Bescherung gibt’s schon lange vorm Fest: Seit dem Wochenende verschönern weihnachtlich geschmückte Tannenbäume unsere gute städtische Stube. In beinahe ungezählter Zahl künden die liebevoll dekorierten Bäumchen in der Zweibrücker Fußgängerzone vom Fest der Feste und zaubern vielen, die an ihnen entlang schlendern, ein Lächeln ins Gesicht. ,,So viele waren es noch nie“, jubelte schon ausgangs der vergangenen Woche Petra Stricker ebenso fröhlich wie selig namens des Zusammenschlusses Gemeinsamhandel Zweibrücken, als sie die Liste der Gewerbetreibenden verschickte, die vorab ihre Bereitschaft bekundet hatten, Lametta, Schleifchen und Sterne zu schwingen – witterungsbeständig natürlich.

Da kommt Freude auf und Glanz – im Flackern der Lichtlein und im Funkeln der Sterne, bunter, silberner und goldener.

Glauben Sie nicht? Dann fragen Sie doch einfach mal Gisela Alt. Die Vorsitzende der Vereinigten Turnerschaft Zweibrücken weiß aus erster Quelle, wie sehr ein Stern funkeln und glänzen kann. Wie sehr er verzücken und Freude ausstrahlen kann. Und ein gutes Stück auch Bestätigung, aus der Ansporn und Engagement erwachsen können. Und mit ihr wissen dies ganz gewiss auch Steffi Urbschat, Elisabeth Heim und Karl-Otto Benoit. Dieses engagierte VTZ-Quartett wird jedem in der Stadt auch Tage danach noch gerne von jener Sternstunde erzählen, die es am vergangenen Mittwoch in der Mainzer Staatskanzlei erlebt hat. Da haben die vier – begleitet von einer veritablen Eskorte der VR-Bank Südwest um deren „Chef“ Paul Heim – stellvertretend für einen kreativ die aktuellen Herausforderungen der Zeit an- und aufnehmenden Verein auf Landesebene aus innen- und sport-staatssekretärischen Händen den ,,Kleinen Silbernen Stern des Sports“ bekommen.



Für alle, die mit der Begrifflichkeit nichts anfangen können: Hinter den ,,Sternen des Sports“ verbirgt sich eine Initiative des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Volks- und Raiffeisenbanken, die Sportvereine und ihre vielen, ja ungezählten, ehrenamtlichen Helfer für ihr gesellschaftliches Engagement auszeichnet.  Der Bundessieger wird in der vierten Januarwoche in Berlin mit dem „Goldenen Stern“ dekoriert.

Im konkreten Fall der VTZ gab es die verdiente Auszeichnung – und dazu auch noch 1000 Euro Preisgeld – für die Aktion „Eure Gesundheit mit uns“, über die unsere Zeitung ja schon umfangreich berichtet hat. Dabei arbeitet der Verein, dem der Gesundheitssport eine Herzensangelegenheit ist, eng mit Ärzten, Kliniken und Krankenkassen zusammen. In diesem Jahr beispielsweise gab es einen speziellen Aktionstag „Sport für Menschen mit Krebs“ in Zusammenarbeit mit der Neurochirurgischen Abteilung der Universitätskliniken in Homburg. Auch im VTZ-Kursprogramm findet dieser Schwerpunkt einen klaren Niederschlag: Seit inzwischen 29 Jahren bietet der Verein die Gruppe „Sport in der Krebsnachsorge“ an, richtet sich so vor allem an Frauen mit Brustkrebs. Dass sich dahinter ein individuelles Sportprogramm für jeden einzelnen Patienten verbirgt, mit dem eben jeder einzelne Patient besser durch seine Therapie kommt, weil Sport hilft, Angst und Depressionen abzubauen, muss an dieser Stelle nicht eigens betont werden. Überdies könnte Steffi Urbschat dies als Neurobiologin mit ihrem professoralen medizinischen Fachverstand deutlich besser und authentischer erklären.

Ich möchte den Blick etwas weiten. Weg von der VTZ, weg vom Sport. Und hin zu der Gesamtheit aller Vereine und ihrem facettenreichen Tun. Weil eben sie es sind, die mit ihrer nicht hoch genug zu würdigenden, vor allem ehrenamtlichen Arbeit dokumentieren, dass sich in unserer Gesellschaft Engagement, Gemeinsinn und Teilhabe nicht von selbst entwickeln. Nein, diese greifbaren Werte sind in ganz besonderem Maße auch weiterhin auf bürgerschaftliches Tun an so vielen Stellen angewiesen. Und gegründet. Mit Blick auf die Vereinsstruktur in unserem Bereich, in der Stadt Zweibrücken, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus in den angrenzenden Orts- und Verbandsgemeinden wird es mir deshalb nicht bange. Weil es so viele Vereine, Klubs und Institutionen gibt, die sich ganz unspektakulär (insbesondere in ländlichen Bereichen) als Motor unseres gesellschaftlichen Zusammenseins begreifen. Ja, die teilweise auch und vor allem dort Sinn stiftend und bewahrend einspringen, wo der Staat sich zurückzieht.

Schade: Es müsste viel mehr Sterne regnen…