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„Klimawandel-Anpassungscoach“
Grünes Licht für Klimaschutz-Leitlinien

 Auch wenn gerade (sehr milder) Winter herrscht: Der nächste Sommer (und damit die nächste Hitzewelle) kommt bestimmt. Das Projekt „Klimawandel-Anpassungscoach“ nimmt neben dem Problem zunehmender Hitze noch drei weitere Herausforderungen des Klimawandels in den Blickpunkt – Starkregen, Hochwasser und Trockenheit – und fragt, wie die Stadt Zweibrücken darauf reagieren kann. Dass sie reagieren muss, ist unstrittig: In Zweibrücken steigen die Temperaturen, wie in Rheinland-Pfalz insgesamt, stärker als im Bundesdurchschnitt. 
Auch wenn gerade (sehr milder) Winter herrscht: Der nächste Sommer (und damit die nächste Hitzewelle) kommt bestimmt. Das Projekt „Klimawandel-Anpassungscoach“ nimmt neben dem Problem zunehmender Hitze noch drei weitere Herausforderungen des Klimawandels in den Blickpunkt – Starkregen, Hochwasser und Trockenheit – und fragt, wie die Stadt Zweibrücken darauf reagieren kann. Dass sie reagieren muss, ist unstrittig: In Zweibrücken steigen die Temperaturen, wie in Rheinland-Pfalz insgesamt, stärker als im Bundesdurchschnitt.  FOTO: dpa / Sven Hoppe
Zweibrücken. Bauausschuss billigt einstimmig weitere Schritte im Projekt Klimawandel-Anpassungscoach. Öffentliche Info-Veranstaltungen geplant. Von Mathias Schneck

Da gab es nichts zu diskutieren im Bauausschuss: Der Klimawandel wird von allen Parteien ernst genommen. Folglich wurden die nächsten Schritte in dem Projekt „Klimawandel-Anpassungscoach“ an dem die Stadt Zweibrücken teilnimmt, einstimmig gebilligt.

Im Dezember hatte es im Bauausschuss noch Diskussionen wegen des Projekts gegeben. Aber nicht wegen der Teilnahme der Stadt am „Klimawandel-Anpassungscoach“, sondern vielmehr deshalb, weil sich einige Mitglieder des Gremiums frühere Informationen über den Stand gewünscht hätten (wir berichteten).

Informationen haben die Ausschuss-Mitglieder nun detailliert erhalten, in den Unterlagen zur Sitzung des Bauausschuss am Dienstagabend lag ein 16-seitiges Schriftstück bei, das Auskunft darüber gibt, was sich bisher getan hat und welche Schritte nun erfolgen sollen.



Christian Kotremba von der Stiftung für Ökologie und Demokratie hat in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Rheinland-Pfalz laut dem Papier folgende grundlegende Fakten zusammengetragen: Der Raum Zweibrücken erwärmt sich, ähnlich wie Rheinland-Pfalz insgesamt, stärker als dies im Bundesdurchschnitt der Fall ist. 2018 war das mit Abstand wärmste Jahr seit der regelmäßigen Aufzeichnung des Wetters in Zweibrücken. Die Temperaturen lagen 2018 um 2,2 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel der Jahre 1971 bis 2000. Die zehn wärmsten Jahre wurde alle seit den 1990er Jahren verzeichnet. Auch das vergangene Jahr heizte den Bürgern der Rosenstadt kräftig ein. Im Hitzesommer 2019 wurden 20 Hitzetage (über 30 Grad Celsius) in Zweibrücken gezählt.

Der „Klimawandel-Anpassungscoach“ hat insgesamt vier „Leitlinien“ erstellt, deren Umsetzung der Rosenstadt ans Herz gelegt werden. Überschrieben sind diese Leitlinien wie folgt: Klimaangepasste Stadt-, Verkehrs- und Gebäudestrukturen als sommerlicher Hitzeschutz (vorgeschlagen werden unter anderem: Bebauung mit hohen Grünflächenanteilen, Verringerung des Versiegelungsgrades bei Neuplanungen, Dach- und Fassadenbegrünungen), Klimaangepasste Stadtplanung (etwa durch die Erhaltung von Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftfortleitungsbahnen — Anm.: Dies wird gerade in Sachen Baugebiet Am Kirchberg intensiv diskutiert), Starkregenvorsorge und Stärkung des Hochwasserschutzes (etwa durch Flächensicherung für den Hochwasserschutz, Vermeidung der Siedlungsentwicklung in Bereichen mit Extremwettergefahren, Regenwasserspeicherung auf Privatgrundstücken und Versickerung von Niederschlagswasser), Bürgerinformation und Partizipation (Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, Sensibilisierungskampagne in Schulen und sonstigen Lerneinrichtungen, Einbindung der Bevölkerung durch Mitmachaktionen).

Norbert Pohlmann (Grüne) lobte in der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend die Informationen, die das 16-seitige Papier biete. „Ich bin beeindruckt von dem, was zusammengetragen wurde“, sagte er. Pohlmann ist der Auffassung, dass mit dem Projekt „grundsätzlich der richtige Weg beschritten“ werde. „Auch, wenn die Umsetzung jetzt erst erfolgt“, wies der Grüne daraufhin, dass die eigentliche Arbeit erst noch bevorsteht.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) wies daraufhin, dass die Öffentlichkeit schon rasch detalliert informiert werden soll: Im Februar findet beim UBZ ein Vortrag des „Klimawandel-Anpassungscoaches“ statt, dann geht es um das Thema „Hochwasser- und Starkregenvorsorge im privaten Bereich“ – ein Aspekt, der viele private Häuslebauer umtreibt. Im Frühjahr soll es zudem einen Workshop geben und im Sommer sollen in Kleingruppen verschiedene Themen ausgearbeitet werden.

Für das Projekt „Klimawandel-Anpassungscoach“ hat sich die Stadt Zweibrücken 2017 auf Veranlassung des damaligen Oberbürgermeisters Kurt Pirmann beworben. Im Stadtvorstand vorgestellt wurde es im Sommer 2018, Projektstart war im Mai 2019, ein erster Workshop fand im September 2019 statt.