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Mobbing
„Kinder stark machen“

Bei den Projektwochen zu den Themen Mobbing und Cyber-Mobbing lernten die Schüler der IGS Contwig, wie sie sich gegen verletzende Worte und Hänseleien zur Wehr setzen können.
Bei den Projektwochen zu den Themen Mobbing und Cyber-Mobbing lernten die Schüler der IGS Contwig, wie sie sich gegen verletzende Worte und Hänseleien zur Wehr setzen können. FOTO: Nadine Bröcker
Contwig. Mobbing ist im Schulalltag angekommen: An der IGS Contwig erfuhren Schüler, wie sie sich wehren können. Von Nadine Bröcker

Schläge und Tritte schmerzen. Das weiß jedes Kind. Aber nicht nur körperliche Gewalt kann verletzen. Gehässige, boshafte Worte, falsche Gerüchte, Psychoterror und soziale Isolation können genauso schmerzen. Manchmal sogar mehr. Das Thema Mobbing ist längst an den Schulen angekommen – gehört dort nicht selten zum Alltag. Was Mobbing so gefährlich macht, ist, dass es – anders als bei körperlicher Gewalt – keine offensichtlichen äußeren Anzeichen dafür gibt.

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Contwig will das Thema nicht totschweigen, nur weil es unangenehm ist. Das erläutert die Schule in einer Pressemitteilung: Mobbing könne nicht ignoriert werden, denn Mobbing verletze. Es isoliere Einzelne und treibe sie aus der Gemeinschaft heraus. Die IGS wolle daher ein deutliches Zeichen setzen – damit Mobbing an der Schule keine Chance hat. Der Februar und der März standen darum in den Klassenstufen fünf bis zehn der IGS unter dem Motto „Kinder stark machen“, ein Projekt, bei dem die Themen Mobbing und Cyber-Mobbing behandelt wurden. IGS-Direktor Thomas Höchst erklärt, die Schule definiere zwei Aufgaben, die sie den Schülern stelle: „Leben“ und „Lernen“. Das erzieherische Moment steht neben dem Fachunterricht. Dies sei alleine deshalb angebracht, weil die Kinder durch die Ganztagesbetreuung heute mehr Zeit an Schulen verbringen als früher. Daher gibt es bereits seit Jahren ein Präventionskonzept, das wichtige Themen aufgreift. Für die Themen „Mobbing und Cyber-Mobbing“ wurde durch die Lehrkräfte Anika Fichter und Jochen Scholz eigens ein Lehrordner entwickelt, der auf die verschiedenen Klassenstufen ausgelegt war und von allen Klassen im Klassenrat durchgearbeitet wurde. Beim Klassenrat kommen einmal in der Woche alle Schüler zusammen und beschäftigen sich mit wichtigen Themen, die den Klassenverbund betritt. Sie durften selbst entscheiden, wie lange sie sich mit dem Projekt beschäftigen wollten. Das taten die Klassen im Schnitt vier bis fünf Wochen lang, wobei insbesondere die Fragen im Mittelpunkt standen: „Was kann ich gegen Mobbing tun und wie kann ich gegen Mobbing vorgehen?“ Ziel war es, den Schülern nicht nur näher zu bringen, was Mobbing überhaupt ist und was es mit der betroffenen Person anrichtet, sondern auch aufzuzeigen, welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, etwas dagegen zu unternehmen Keine Theoretisierung – sondern eine praktische Herangehensweise, versehen mit Fallbeispielen, war darum wichtig. Auch eigene Erfahrungen durften hier miteinfließen. Egal ob aus dem Schulalltag oder anderen Situationen. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, erklärte Thomas Höchst. In einer fünften Klasse fand gerade die letzte Stunde zu diesem Thema statt: Gemeinsam beobachteten die Schüler in dieser Stunde in einer kurzen Videosequenz, wie eine Schülerin aufgrund ihrer Brille gemobbt wurde. Im Stuhlkreis durfte dann diskutiert werden, was daran Mobbing war und wie man sich besser verhalten könnte. Anschließend folgte ein Spiel, bei dem mögliche Fallbeispiele vorgelesen wurden und die Schüler einordnen sollten, ob es sich um Mobbing handelt oder nicht. Auch hier zeigte sich, dass die vorangegangenen Stunden ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Und dann war endlich der große Moment gekommen. Um auch symbolisch ein Zeichen gegen Mobbing zu setzen, erhielten alle Projektteilnehmer ein Armband mit dem Satz „Mobbing – nicht mit uns“. Und das soll nun auch nach Außen getragen werden.