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Rimschweiler feiert
Kerb for Future

 Der Umzug lockte einmal mehr trotz herbstlicher Witterung viele Zuschauer an die Straße.
Der Umzug lockte einmal mehr trotz herbstlicher Witterung viele Zuschauer an die Straße. FOTO: Norbert Schwarz
Rimschweiler. Rimschweiler Straußjugend rettet Klima und ein traditionelles Fest. Von Fritz Schäfer

(sf) Die junge Kerberednerin Paula Kämmer hat von Greta Thunberg gelernt, „dass man niemols zu kleen is, um de Unnerschied zu mache“.  In dem Sinne nahmen die fast 30 Rimschweiler Straußmäde und -bube das Thema der jungen Klimaktivistin auf und ergänzten es zum diesjährigen Kerbemotto: Kerb for Future. „Wir unterstützen auch Freidays for Future“, merkte Kerberedner Benny Bastian nach der Rede an.
Und bei der Kerberedd in der Turnhalle, der rund 200 Zuhörer folgten, präzisierte die Rednerin, wie die Straußjugend das Klima und die Kerbetradition retten wollen. Statt freitags „mitm schädliche Diesel-Auto ins A 8 no Saarbrigge zu fahre“ werde in die Post oder ins Hasenheim gelaufen. Statt mit Chemie gestreckte Liköre zu trinken, werde „Bier und Wein aus regionalem Anbau“ konsumiert. „Ich helf dedemit ned nur de Landwertschaft, sondern meim Seelenfrieden.“
Deshalb forderte die Rednerin die Zuhörer auf, sich der Bewegung anzuschließen, bei der dem Klima, der Landwirtschaft und „de Erhalt von unserem großardische Feschd“ geholfen wird. Dass es ein großes Fest wurde, dafür sorgte die Straußjugend bereits am Samstagabend beim Fackelumzug durch den Ort, den hunderte Bewohner des Stadtteils und viele Gäste am Straßenrand verfolgten.
Die Straußbuben hatten auf ihrem Motivwagen den Überflieger mit seinem Stoppschild nachgebaut. Die Alten Säcke ließen mit einem nachgebauten Bulli und mit ihrem Outfit die Hippie-Zeit 50 Jahre nach Woodstock in Rimschweilers Straßen aufleben. Mit dabei waren noch der Obst- und Gartenbauverein, die Fußballer des TuS, Space Light, die Trecker Babes sowie die Straußbuben aus Großsteinhausen, Riedelberg, Mauschbach, Hengstbach und Einöd. Musikalisch sorgten die Hardtseegugga aus Ubstadt-Weiher für Stimmung. Gemeinsam zogen die Straußbuben und die Guggenmusiker in die Turnhalle ein, wo Fly over x den Kerbegästen einheizten.
Bei der Kerberede nahmen sich Paula Kämmer, Anna Hofmann, Eric Frevel und Benny Bastian nicht nur eines politischen Themas an, sondern sie beleuchteten bei ihren Beiträgen, die zum Teil musikalisch vorgetragen wurden, auch was in den vergangenen zwölf Monaten im Dorf passiert ist. So wollte ein passionierter FCK-Urgestein aus Rimschweiler „e Deel sin vun dem grossartisch Verein“. Dumm nur, dass er seine Anmeldung nicht an den FCK, sondern an den Fanclub schickte.
Ein anderer erneuerte sein Haus mit neuen Tapete, Boden und Türen. Dumm nur, dass er sich bei einer Tür vermaß. Dafür überreichten ihm die Kerberedner ein Metermaß. Auch die Erlebnisse eines Rimschweilers bei einer Fernsehshow oder eines anderen beim Räuchern von Fischen teilten die vier Kerberdner dem neugierigen Volk mit. Dass eine Eulenwanderung nicht ungefährlich ist, musste ein Rimschweiler auch schmerzhaft erfahren.
Erfahren haben die Zuhörer noch von unangebrachten Verhalten im Straßenverkehr und Rasern. Dass es sich bei den „Hauptverdächtigen“ um Mitglieder des „Freizeitvereins der Straußbuben“ handelte, verschwiegen die Redner nicht. Aktuell befänden sich die Verdächtigen „in U-Boot-Haft in der städtischen Vollrauschanstalt Sportheim in Rimschweiler“, wo sie auf die Verhandlung warteten.
Heute ziehen die Straußmäde und -bube beim Stännele durchs Dorf und erbitten sich milde Gaben. Unter anderem „Lewwersorschdbrote“ beim Margret. Ansonsten treffen sich in den Lokalen im Ort Vereine und Gruppen zum Frühschoppen. Am Dienstag wird nach dem Begrabungsumzug am Hasenheim die Kerbeleich Feuer-bestattet.