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Katastrophenschutz
Keine einzige Sirene funktioniert mehr in der Stadt

Ganz auf Smartphone-Apps wie Katwarn wollen sich die Stadträte bei der Alarmierung der Bevölkerung nicht verlassen. Sinnvoll fänden sie es aber schon, sie auch in Zweibrücken zu nutzen. Auch wenn dies die Stadt – im Gegensatz zu den Bürgern – etwas koste.
Ganz auf Smartphone-Apps wie Katwarn wollen sich die Stadträte bei der Alarmierung der Bevölkerung nicht verlassen. Sinnvoll fänden sie es aber schon, sie auch in Zweibrücken zu nutzen. Auch wenn dies die Stadt – im Gegensatz zu den Bürgern – etwas koste. FOTO: Rolf Vennenbernd / dpa
Zweibrücken. Anlagen nur noch in fünf Vororten. Hauptausschuss fordert Verbesserungen bei Warnung vor Katastrophen. Auch Smartphone-App wird gewünscht. Von Lutz Fröhlich

Einst gab es in ganz Zweibrücken über 40 Sirenen. Geblieben sind davon nur noch fünf in den Vororten – in der Stadt selbst funktioniert keine einzige mehr. Das berichteten Beigeordneter Henno Pirmann (SPD) und Ordnungsamtsleiter Klaus Stefaniak am Mittwochabend im Rats-Hauptausschuss. Die letzte Sirene sei auf der Alten Feuerwache gewesen und nach deren Abriss zwar aufgehoben worden, sie sei aber schon etwa 50 Jahre alt und ein Experte müsse prüfen, ob sie überhaupt noch verwendbar sei. Die Sirene auf der Neuen Feuerwache sei schon seit einigen Jahren defekt.

Die Sirenen gerieten schnell in den Mittelpunkt einer langen Debatte, obwohl sie eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung standen, sondern ein CDU-Antrag, dass Zweibrücken auch Meldungen in die bundesweite Katastrophenschutz-App „Katwarn“ einpflegen solle. Henno Pirmann, Bürgermeister Christian Gauf (CDU) und sämtliche Redner aus den Fraktionen waren sich aber einig: Die für Bürger kostenlose Smartphone-App ist zwar sinnvoll – oberste Priorität müsse aber für Zweibrücken ein funktionierendes Sirenen-System haben. Denn dieses würde fast alle Bürger erreichen, während (noch) nur eine kleine Minderheit Katwarn nutze. Katwarn würde die Stadt einmalig 15 000 Euro kosten (minus 40 Prozent Zuschuss vom Land) und jährlich 3000 Euro. Pirmasens und die Südwestpfalz machen schon mit. Die Zweibrücker Verwaltung habe sich 2015 aufgrund der Haushaltsnot gegen die Einführung entschieden, berichtete Stefaniak. CDU-Fraktionschef Christoph Gensch bedauerte, dass die Verwaltung die Zeit seitdem nicht genutzt habe, um die Sirenen-Probleme anzugehen. Würden auch die Sirenen in den Vororten auf moderne vernetzte Systeme umgestellt, mit denen auch Sprachalarme möglich wären, brauche man für ganz Zweibrücken acht bis zehn Sirenen, so Stefaniak. Die genauen Kosten (er schätze 10 000 Euro pro Stück) soll die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung des Hauptausschusses vorstellen, der dann Empfehlungen zu Sirenen und Katwarn an den Stadtrat beschließen möchte. Auch SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin plädierte für Katwarn: Denn damit könnten die Zweibrücker auch bei Ereignissen gewarnt wären, für die Sirenen nicht losheulen dürfen.

Im Falle einer großen Katastrophe gäbe es aber auch in der heute sirenenlosen Kernstadt Warnmöglichkeiten, sagte Stefaniak: Durch Lautsprecher-Fahrzeuge oder das Radio.