| 23:03 Uhr

Pläne fürs Landgestüt
Kein Kutschenmuseum fürs Landgestüt

Das Zweibrücker Landgestüt.
Das Zweibrücker Landgestüt. FOTO: dpa / Landgestüt
Zweibrücken. Der Stiftungsrat hat die Pläne von Werner Euskirchen aus finanziellen Gründen einstimmig abgelehnt. Von Fritz Schäfer

Im Zweibrücker Landgestüt wird vorerst kein Museum eingerichtet. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stiftungsrat keine Möglichkeit gesehen, nach dem derzeitigen Stand eine solche Einrichtung zu verwirklichen. „Das war die einhellige Meinung des Gremiums“, informierte der Stadtsprecher Heinz Braun über das Ergebnis der Sitzung. Dem Stiftungsrat gehören Vertreter der Stadtratsfraktionen an.

Hintergrund: Der ehemalige Richter und Kutschenfahrer Werner Euskirchen hatte ein Kutschenmuseum im Gestüt angeregt (wir berichteten). Das Bauamt der Stadt hat mögliche Kosten grob überschlägig berechnet. Sollte wie von Euskirchen angedacht, der gesamte Ausbau des Heuspeichers im Dachgeschoss der denkmalgeschützten Gebäude angegangenen werden, müssten mindestens knapp 600 000 Euro aufgewendet werden.

Dabei sind nach Angaben des Bauamts noch keine Kosten für eine mögliche Heizung der Räume, eine Trittschalldämmung zu den darunter liegenden Ställen, ein direkter Zugang ins Freie, ein behindertengerechter Zugang, voraussichtlich notwendige Fenster oder die Medientechnik sowie die Einrichtung für das Museum enthalten. „Es stellt sich zudem die Frage, wie Kutschen in das Obergeschoss transportiert werden könnten“, merkte Braun an. „Müssten die Kutschen dann auseinander und wieder zusammengebaut gebaut werden?“, fragte Braun.



In der Sitzung wurden auch die Liquiditätsproblemen der Landgestüts GmbH angesprochen. Ab Oktober könnte es dazu kommen. Deshalb hat das Gremium beschlossen, die GmbH für das laufende Geschäftsjahr mit 55 000 Euro in Form einer Überbrückungsfinanzierung zu unterstützen. Damit ist nach Angaben der GmbH die Liquidität bis Ende Februar 2019 gesichert.

Die rechtliche Prüfung hat nach Aussage der Verwaltung ergeben, dass eine solche Zuwendung möglich ist. „Es liegt auch im Grundinteresse der Stiftung Landgestüt, dass die Anlage bewirtschaftet wird“, sagte der Stadtsprecher. Bei der europaweiten Ausschreibung im vergangenen Jahr hat sich kein weiterer Bewerber gemeldet, der das Landgestüt betreiben will.

Auch nach dem EU-Beihilferecht ist dieser Zuschuss möglich, wenn es sich um eine so genannte De-minimis-Förderung handelt, bei der über drei Jahre ein Betrag von 200 000 Euro nicht überschritten wird. Der Stiftungsrat legte Wert darauf, dass diese Zuwendung „wenn möglich ein Einzelfall bleibt“. Sollte das Land einer temporären Folgeförderung der GmbH zustimmen, so wollten die Landesmittel den gewährten Stiftungsmitteln vorgehen.

Das Stiftungsgeld stammt aus Restmitteln, die der Stiftung noch zur Verfügung stehen. Der jährliche Zuschuss des Bezirksverbands Pfalz in Höhe von 80 000 Euro wird für diesen Zweck nicht verwendet. Das Geld des Bezirksverbands sei zweckgebunden für den Erhalt der denkmalgeschützten Anlage zu verwenden, merkte Braun an.

Die GmbH habe auch dem Wirtschaftsministerium ein Zukunftskonzept vorgelegt, um die Einkünfte in den kommenden Jahren zu steigern, informierte Braun weiter. Die Betreiber hoffen dabei auf eine Unterstützung des Landes. „Eine Entscheidung hat die Landesregierung bisher noch nicht getroffen“, sagte der Stadtsprecher. Gleichwohl hoffen GmbH und Stiftung auf eine „zeitnahe und positive“ Zusage aus Mainz.

Die GmbH hat auf der Anlage eine neue Heizung für 36 000 Euro installieren lassen. Laut Satzung ersetzt die Stiftung größere Investitionen. Deshalb hat der Stiftungsrat zugesagt, der GmbH die Aufwendungen zu erstatten.