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Wissenschaftsrat versagt Zustimmung
Doch kein Forschungszentrum für Zweibrücken

Auf diesem einstigen US-Militär- und danach einige Jahre FH-Sportplatz auf dem Zweibrücker Kreuzberg wollte die Hochschule eine teils fünfgeschossige Biotechnologie-Forschungseinrichtung bauen (Foto aus April 2017). Doch dieser Plan ist jetzt geplatzt.
Auf diesem einstigen US-Militär- und danach einige Jahre FH-Sportplatz auf dem Zweibrücker Kreuzberg wollte die Hochschule eine teils fünfgeschossige Biotechnologie-Forschungseinrichtung bauen (Foto aus April 2017). Doch dieser Plan ist jetzt geplatzt. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Der Wissenschaftsrat hat das geplante „Center for Applied Biosensing“ nicht für gut befunden. Pläne für einen zweiten Reinraum verfolgt die Hochschule indes weiter. Von Eric Kolling

Aus der Traum vom „CefAB“: Auf dem Campus der Zweibrücker Hochschule wird doch kein „Center for Applied Biosensing“ entstehen. In einem Neubau des Fachbereichs Information und Mikrosytemtechnik (IMST) sollte angewandte Forschung rund um Biotechnologie stattfinden. Bis 2022, so die Planung, sollte das Gebäude fertig sein.

Vor fast einem Jahr hatte der Bauausschuss des Zweibrücker Stadtrats den Bebauungsplan diskutiert. Ein Areal von 27 000 Quadratmetern war geplant. Das fünfgeschossige CefAB-Forschungsgebäude und ein zweiter Reinraum in einem zweigeschossigen Bau sollten auf dem Gelände des Sportplatzes auf dem Campus entstehen. Das Besondere an solchen Reinräumen ist, dass in der Luft nur sehr wenige störende Partikel schweben.

Dass der Komplex jetzt nicht kommt, liegt daran, dass man vom Wissenschaftsrat zu den Neubauplänen „keine positive Empfehlung bekommen hatte“, wie Hochschulsprecherin Elvira Grub auf Merkur-Nachfrage ausführt. Besagter Rat berät Bund und Länder hinsichtlich der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung von Hochschulen, Wissenschaft und Forschung. Gebe der Hochschulrat kein grünes Licht, könnten Anträge wie der der Hochschule Kaiserslautern (zu der auch der Standort Zweibrücken gehört) nicht weiterbearbeitet werden, schildert Grub.



„Letztendlich lagen die Ablehnungskriterien nicht in der fehlenden Expertise der beantragenden Wissenschaftler, sondern in dem von der Kommission als zu breit eingestuften Forschungskonzept. Aus Sicht der Hochschule war das einzig mögliche Konzept, einen breiten Ansatz von der Herstellung der Sensoren bis hin zur biomedizinischen Anwendung zu verfolgen. Dies hat sich als nicht erfolgreich erwiesen.“

Allerdings habe die Hochschule Kaiserslautern auch nicht die Möglichkeit, sich – wie es bundesweit derzeit gewünscht ist – auf einen Forschungsbereich zu spezialisieren. Grub: „Dazu müssten wir mehrere Professuren zu einem Spezialthema besetzen. Außerdem steht bei uns die Lehre stärker im Fokus als die Forschung.“ Daher ist es auch unwahrscheinlich, dass die Hochschule einen überarbeiteten Antrag stellt und eine Genehmigung sozusagen im zweiten Anlauf erhält.

Doch zumindest eine Neuerung soll kommen. Die Hochschule arbeite „mit Nachdruck daran, am Standort Zweibrücken einen hochmodernen Reinraum realisieren zu können“, so Grub. Aktuell könne man aber „noch kein finales Statement abgeben“. Aktuell durchlaufe das Ganze noch die Entscheidungsgremien. Die Hochschule wünsche sich, dass ein Interimsgebäude mit Reinraum gebaut werde, sodass Forschung und Lehre störungsfrei weiterlaufen könnten.

Fraglich ist, ob die Absage durch den Wirtschaftsrat die Entwicklung der Hochschule zurückwirft. Als die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler im September 2017 den Campus besucht hatte, hatte Hochschul-Vizepräsident Professor Karl-Herbert Schäfer schon über die Folgen des CeFAB-Baus gesprochen. Er schaffe neue Arbeitsplätze, man denke zudem zusammen mit den Städten Zweibrücken und Pirmasens über Gründerzentren und Anwenderplattformen nach. Hochschulsprecherin Elvira Grub beurteilt die Absage nicht so kritisch: „Natürlich hätte das Forschungsgebäude die Arbeit stark vorangetrieben. Aber mit den vorhandenen Möglichkeiten, den sehr gut ausgestatteten Laboren, kann man weiterhin Forschung auf sehr hohem Niveau in Zweibrücken betreiben.“ Durch den Nicht-Bau werde der Hochschule ja nichts weggenommen. „Professoren suchen immer nach Wegen, wie sie die Forschung voranbringen können, etwa durch die Stiftungsprofessur Carl-Zeiss, Großgeräteanträge oder Forschungsprojekte, durch die wieder Geld reinkommt.“