| 21:40 Uhr

Gutachter prüft verschiedene Lösungen
Karlskirche droht Verkauf

 Stadtbildprägend: die Karlskirche in Zweibrücken.
Stadtbildprägend: die Karlskirche in Zweibrücken. FOTO: Mathias Schneck
Zweibrücken. Dekan Butz: Wegen hohem Unterhalt werden alternativ Vermietung und Stilllegung geprüft.

Die protestantische Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte beschäftigt sich aktuell mit der Frage: Was tun mit der Karlskirche?

Dekan Peter Butz bestätigt Informationen unserer Zeitung, dass die Kirchengemeinde, die einen umfassenden Reformprozess durchläuft (wir berichteten) Diskussionen über die Zukunft des Gebäudes führt.

Butz erklärt auf Anfrage: „Wir müssen für die Kirche pro Jahr 32 000 Euro an Kosten einplanen. 25 000 Euro davon sind eine Rücklage für die Bauunterhaltung, die Landeskirche hält uns dazu an. Die restlichen 7000 Euro sind normale Betriebskosten wie Strom, Wasser und Heizung“.



„Die Kirche ist energetisch auf keinem guten Stand, sie hat eine einfache Bleiverglasung“, so Butz. Der Sanierungsbedarf sei hoch. Man bilde die Rücklage erst seit ein paar Jahren, es sei also noch nicht sehr viel Geld angespart worden.

Die Karlskirche werde nur noch in geringem Maße als Veranstaltungsstätte genutzt. „Ein Grund liegt auch darin, dass wir keine Barrierefreiheit in der Kirche haben, es gibt nur einen Zugang zum oberen Saal, es müsste ein Aufzug eingebaut werden“, sagt Butz.

„Ein Gutachter aus dem fränkischen Raum prüft derzeit verschiedene Alternativen“, sagt der Dekan. Es handele sich um einen Experten, der sich auf Veranstaltungsgebäude von Non-Profit-Organisationen spezialisiert habe.

Das Gutachten sei noch in Arbeit, doch liege jetzt ein erster Entwurf vor. Dieser lege folgende Lösungen nahe: die Karlskirche rentabel machen als Veranstaltungsort, dazu gehöre dann eine professionelle Vermarktung. Oder, das Gebäude zu verkaufen beziehungsweise stillzulegen.

Eine professionelle Vermarktung würde wohl gar nicht so einfach werden, schätzt der Dekan. Neben dem genannten Aufzug, der einzubauen wäre, müssten auch die Toiletten erneuert werden, ein moderner Rettungsweg sei erforderlich.

Es müsste zudem einiges an Veranstaltungen laufen, damit Einnahmen entstünden, die so hoch seien, dass sie die anfallenden Kosten deckten, so Butz. Der Gutachter habe zudem darauf aufmerksam gemacht, „dass es nicht Aufgabe einer Kirchengemeinde ist, einen Veranstaltungssaal zu unterhalten“.

Der Dekan hält daher eine Stilllegung für keinesfalls abwegig. „Das würde bedeuten, man unterhält Dach und Fach, damit die Kirche nicht zusammenbricht und legt sie still. Im Osten Deutschlands ist das mit etlichen Kirchen so gemacht worden.“ Die Kirchen stünden dort nur noch „als Symbol in der Landschaft“. In den Niederlanden sei man gar einen Schritt weiter gegangen, sagt Butz: „Dort sind frühere Kirchen zu Wohnhäusern umfunktioniert worden.“

Bis eine endgültige Entscheidung getroffen wird, vergeht noch einige Zeit. Am 1. Advent 2020 seien Presbyterwahlen, vorher werde nichts entschieden. Eine solch weitreichende Angelegenheit müsse von den frisch gewählten Presbytern mitgetragen werden.

Für Butz steht aber jetzt schon fest: „Ein Verkauf der Karlskirche wäre die Ultima Ratio!“

Zum Gebäudebestand der protestantischen Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte zählen neben der Karlskirche die Alexanderskirche, die Versöhnungskirche, das Pfarrhaus in der Röntgenstraße, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus, sowie die Kindertagesstätten in Wallstraße, Röntgenstraße und Meisenstraße. Der Parkplatz an der Karlskirche gehört übrigens auch der Kirchengemeinde, dieser wird allerdings von der Stadt bewirtschaftet und unterhalten, im Gegenzug kassiert die Stadt die Parkeinnahmen.