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Alexanderskirche
Vom Advent bis zum Weihnachtssegen

 Mit sichtlicher Freude am Singen meisterte der Kammerchor Zweibrücken unter Leitung von Dorothea Jakob sein höchst anspruchsvolles Programm.
Mit sichtlicher Freude am Singen meisterte der Kammerchor Zweibrücken unter Leitung von Dorothea Jakob sein höchst anspruchsvolles Programm. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Trotz der unruhigen Außenkulisse gelang es dem Kammerchor Zweibrücken unter Leitung von Dorothea Jakob sowie Bezirkskantor Helge Schulz, sein Publikum mit einem facettenreichen Konzert zu bannen. Von Cordula von Waldow

Kontrastreicher hätte ein Adventskonzert kaum verlaufen können. Während draußen auf dem Weihnachtsmarkt weltliche Stimmung mit einem rockigen Bühnenprogramm und regem Stimmengewirr herrschte, begeisterten in der Alexanderskirche der Kammerchor Zweibrücken und Bezirkskantor Helge Schulz an der Orgel mit ihrem höchst anspruchsvollen Weihnachtskonzert.

Quer durch die vorweihnachtliche Chorliteratur von der Rennaissance und Barock bis zur Moderne interpretierten die 31 Sängerinnen und Sänger zwei Stunden lang bekannte und weniger bekannte Komponisten aus Deutschland und Europa. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so lang wird. Aber wir wollten die gesamte Adventszeit abbilden und das braucht einfach Zeit“, erklärte Chorleiterin Dorothea Jakob.

In vier Liedblöcken spannten sich 20 Titel dieses höchst abwechslungsreichen Konzerts von der erwartungsfrohen Vorbereitung über die heilige, jubelnde Weihnachtsfreude und Christi Geburt bis zur Verkündigung der Hirten und der Ehrerbietung der Heiligen drei Könige. Besonders die achtstimmigen Doppelchöre etwa in dem strahlenden Jubelgesang „Weihnachten“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy verlangten viel von den Chorsängern und bescherten dem Publikum einen vielschichtigen Klanggenuss. Ruhig und opulent lud der Chor mit Orgelbegleitung zu „Wachet auf“ des großen Romantikers ein. Mit großrahmingen Wellenbewegungen von Dorothea Jakob brachten die zwölf Herren und 19 Damen das „geladene Schiff“ (Heinrich Weinreis) ins Fließen.



Einen ersten Ausflug in die für unsere Ohren ungewohnte nord-östliche Tonalität wagte der Chor mit dem hoch anspruchsvollen „Magnificat“ des zeitgenössischen, estnischen Komponisten Arvo Prät. Sprechgesänge in sich reibenden Harmonien wechselten zwischen Ober- und Unterstimmen. Sehr virtuos, lockerte Helge Schulz die Atmosphäre mit der Pastorale B-Dur des ungarischen Komponisten Gábor Lisznyay Szabó auf.

Im Mittelpunkt des zweiten Blocks stand das Thema des Konzerts: „Vom Himmel hoch“. In einem Quod Libet aus der fugal aufgebautenen Weihnachtsmotette von Albert Becker (1834-1899) mit herausfordernden Tempowechseln und Bachs „Vom Himmel hoch“ leitete der Chor souverän und interessant das Thema ein. Die zweite der drei Strophen sang er in der kurzen Version von Johann Eccard. Mit glöckchenhaften Klängen im Wechsel mit tief murmelnden Läufen und Punktierungen leitete der Organist mit „Noel“ von Lozis Claude Daquin in die Jubelgesänge über Christi Geburt ein. Feierlich leuchtete der Chor, diesmal von der Orgelempore aus, in zahlreichen Läufen mit „Hodie Christus natus est“ von Jacob Handl, gefolgt von dem strahlenden Klassiker „In dulci Jubilo“.

Extrem anspruchsvoll waren die drei charakterlich ganz unterschiedlichen Titel aus „Ceremony of Carols“ des Briten Benjamin Britten. Den synkopischen Triolen in der schwingenden Siziliane „Balulalow“ folgte das spannungsgeladene „Volksgemurmel“ in „This little Babe“. Wie eine Turmuhr schwang das Klavier unter dem sich in den Stimmen empor schwingenden „There is no rose“. Rhythmisch-synkopisch, mit hellen Orgelpfeifen, spannenden Punktierungen und Tempowechseln faszinierte die „Shepherd‘s Pipe Carol“ des zeitgenössischen Komponisten John Rutter.

Mit sechs vorgezogenen Sängern und dem in den Hintergrund gerückten Chor, machten „Die Könige“ aus der Feder des deutschen Musikwissenschaftlers und Komponisten, Clytus Gottwald (1925*) ihre Aufwartung.

Trauten sich die mehr als 250 ergriffenen Zuhörer zwischen den einzelnen Stücken nur zögerlich zu klatschen, um den Spannungsbogen zu erhalten, brandete am Schluss der Applaus umso herzlicher auf. Nach der Zugabe „Stille Nacht“, bei der das Publikum die erste, der Chor weitere Stimmen sangen, waren alle endgültig in der Weihnachtsstimmung angelangt. „Es war wunderschön, sehr facettenreich und sehr schwierig zu singen. Der Chor hat das wunderbar gemeistert“, würdigte Harald Schönhofen die großartige Leistung der Sängerinnen und Sänger sowie des Organisten.

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