| 21:50 Uhr

Interview Sky du Mont
„Ich bin nicht bereit, in Amerika zu leben“

 Sky du Mont beantwortet in dem Merkur-Interview auch die Frage nach seinem aktuellen Beziehungsstatus.
Sky du Mont beantwortet in dem Merkur-Interview auch die Frage nach seinem aktuellen Beziehungsstatus. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Zweibrücken. Der Schauspieler und Autor Sky du Mont liest am 9. Februar in Zweibrücken in der Festhalle aus seinem Buch „Jung sterben ist auch keine Lösung“. Begleitet wird er dabei von Kabarettistin und Pianistin Christine Schütze. Von Sebastian Dingler

Sind Sie Langschläfer oder Frühaufsteher?

du Mont Ich bin leider Frühaufsteher. Die Kinder sind ja sehr viel bei mir, die gehen in die Schule, da stehe ich natürlich früh auf und mache Frühstück. Heute morgen um sechs war ich schon beim Sport, wenn Sie’s genau wissen wollen.

Sie sind ja einerseits bekannt aus den Bully Herbig-Filmen, aber auch durch Stanley Kubricks letzten Film Eyes Wide Shut, wo Sie an der Seite von Tom Cruise und Nicole Kidman spielten – was dabei auffällt, ist, dass Sie selten Hauptrollen gespielt haben. Warum?



du Mont Nein, das stimmt nicht. Ich habe viele Hauptrollen gespielt, zum Beispiel im Tatort. Dann habe ich noch den Industriellen Schlecker gespielt, das war ja auch eine Hauptrolle. Da haben Sie sich wohl die falschen Sachen herausgesucht.

Noch mal zurück zu „Eyes Wide Shut“: Wie kamen Sie zu der Rolle?

du Mont Das kann ich Ihnen sagen. Ich habe den Stauffenberg gespielt in einer Golden Globe-prämierten Produktion, die kam unglaublich gut an. Das hat Stanley Kubrick gesehen, mich persönlich angerufen und engagiert. Ich war außer Tom Cruise der Einzige, der nicht Probeaufnahmen machen musste.

Wow!

du Mont Ja, genau das habe ich auch gesagt.

Dann waren Sie doch eigentlich auf dem Gipfel der Hollywood-Elite angekommen. Wieso ging es dann dort nicht so richtig weiter für Sie?

du Mont Das wollte ich nicht. Ich hatte vorher schon in Amerika gearbeitet und dabei gemerkt, dass ich dort nicht leben möchte. Die richtig guten Rollen kriegen wir Deutschen normalerweise nicht. Das ist eine große Ausnahme. Da muss man schon rüberziehen und drüben leben. Das wurde mir auch ganz klar gesagt. Ich bin ja zweisprachig, kann so gut Englisch wie Deutsch, aber ich bin nicht bereit, in Amerika zu leben, weil das nicht mein Lieblingsland ist. Wenn du dort kein Geld hast, bist du eine arme Sau. Das ist ein soziales Gefüge, das ich nicht mag.

Aber Sie haben doch Geld…

du Mont Ich bin geschieden. Die einen sagen so, die anderen so … (lacht)

Aber so wie ich las, besitzen Sie doch Aktien. Es ist jetzt nicht so, dass Sie eine Menge Verluste wegen der Börsen-Talfahrt hinnehmen mussten?

du Mont Nein, ich habe ja gar keine Aktien. Ich wurde nur mal gefragt, was ich machen würde, wenn ich Geld auf der Bank hätte. Da habe ich gesagt, ich würde in Aktien investieren. Sie sind von der Presse und glauben Dinge, die in der Presse stehen? Das finde ich ja bewundernswert!

Ich frage ja deswegen besser nach …

du Mont Da haben Sie vollkommen recht.

Aber dass Sie aus der FDP ausgetreten sind, weil die nicht in eine Jamaica-Koalition eintreten wollte, stimmt?

du Mont Nein, das war nicht der einzige Grund. Aber ein Grund war schon, dass sehr viele Leute die FDP zum ersten Mal gewählt haben – und dann doch nicht dafür, dass sie in die Opposition geht. Die sind vergrätzt worden. Man hätte einfach weiter verhandeln müssen. Da gibt es den wunderbaren Satz von diesem einen SPD-Politiker, der gesagt hat: ‚Wir hätten noch weiter verhandeln sollen mit Frau Merkel, die hätte uns wahrscheinlich sogar die Kanzlerschaft angeboten.’ Das sagt alles. Frau Merkel war dermaßen bemüht, eine Koalition auf die Beine zu stellen, da hätte man dann eben weiter verhandeln müssen und nicht einfach sagen: nein, nein, nein. Das war also einer der Gründe, das hat mich einfach geärgert. Dann sind noch so ein paar Sachen bei der FDP, die ich jetzt nicht mag. Ich finde, wir leben doch in einem Zeitalter, wo man eben doch Kameras aufstellen muss an bestimmten Orten. Man muss ein bisschen überwachen. Die Welt hat sich verändert.

Aber Sie sind trotzdem noch mit Christian Lindner befreundet?

du Mont Ja, aber das eine hat ja nichts mit dem anderen zu tun. Ich mag ihn. Es gibt einfach Politiker, die nicht der gleichen Meinung sind wie ich, die aber menschlich zu mir passen.

Ihr aktuelles Buch heißt: „Jung sterben ist auch keine Lösung: Wenn Söhne in die Jahre kommen“ – das klingt sehr autobiographisch. Um was geht’s genau?

du Mont Das ist gar nicht autobiografisch. Die Leute glauben immer, dass alles, was ein Schauspieler schreibt, autobiografisch sei. Das ist mein achtes Buch. Die Idee dazu kam folgendermaßen: Ich saß einmal mit meiner Mutter, die vor ein paar Monaten gestorben ist, im Café, da war ich vielleicht so 55. Plötzlich sagte sie: „Ach, da hinten kommt der Herr Meyer, steh auf und gib ihm die Hand!“ Da musste ich so lachen, dass eine Mutter glaubt, dass sie ihren 55-jährigen Sohn immer noch wie ein kleines Kind erziehen muss. Ich hatte das schon vergessen, aber dann rief mich der Verlag an, weil ich beim letzten Buch über 100 000 Exemplare verkauft hatte. Sie wollten, dass ich noch ein Buch schreibe. Da dachte ich, ich schreibe mal ein Buch über eine sehr dominante Mutter. Aber eine dominante Mutter mit einem 20-jährigen Sohn, das ist blöd. Jedoch eine, die schon 96 und der Sohn schon über 70 ist – das kann lustig sein, dachte ich. Das ist es auch geworden. Aber es hat mit mir gar nichts zu tun.

Sie lesen aus dem Buch, haben aber auch die Pianistin und Kabarettistin Christine Schütze dabei – wie kombinieren Sie das?

du Mont Wir haben uns bei einer Veranstaltung kennengelernt. Ich fand schon immer, dass 90 Minuten nur Lesung sehr lang sind und auch ein wenig anstrengend für das Publikum. Sie meinte dann: Wollen wir vielleicht ein Programm zusammen machen? Ich sagte ja, machen wir. Sie hat passend zu gewissen Kapiteln Lieder komponiert. Sie singt also witzige kabarettistische Lieder und wir spielen sozusagen Altersheim. Ich komme als alter Mann auf die Bühne, bin zur Probe in diesem Altersheim und sie ist die Schwester. Das ist wirklich ein sehr, sehr lustiges Programm.

Bekommen Sie denn noch viel weibliche Fanpost?

du Mont Ich bekomme sehr gemischte Fanpost.

Aber die entscheidende Frage für unsere weiblichen Leser ist doch: Sind Sie Single?

du Mont Ja, ich bin Single.