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Merkur-Interview Melani Nekic, Leiterin der Volkshochschule Zweibrücken
„Ich bin überall zu Hause“

 Melani Nekic findet Zweibrücken „wunderschön“, nicht nur wegen des Rosengartens.
Melani Nekic findet Zweibrücken „wunderschön“, nicht nur wegen des Rosengartens. FOTO: Cordula von Waldow
Seit zwei Jahren leitet Melani Nekic die Volkshochschule Zweibrücken. Ein Gespräch darüber, wie sie – nach Stationen in verschiedenen Ländern – nach Zweibrücken fand, ihre Arbeit und ihr Leben in der Rosenstadt. Von Cordula von Waldow

Frau Nekic, Mannheim, Norwich, Gießen, Pula, Kopar, Lissabon, Cardiff – Städte mit bedeutenden internationalen Universitäten und Fortbildungsinstituten – wie kamen Sie nach Zweibrücken?

Melani Nekic: Die Ausschreibung für die Stelle der VHS-Leiterin hat mich interessiert, weil sie mir vielfältige Aufgaben bietet, bei denen ich meine Stärken und Neigungen ideal kombinieren kann. Ich plane, organisiere, koordiniere, akquiriere, führe Statistiken und behalte die Kosten im Auge. Außerdem habe ich permanent mit Menschen zu tun, erarbeite mir ständig neue Themen und bilde mich fort. Auch in puncto kollegialem Austausch bin ich viel unterwegs. Das liebe ich.

Sie sind bereits viel herumgekommen in der Welt. Wie fühlen Sie sich in Zweibrücken?



Nekic: Ich bin überall zu Hause, gleich, ob bei meiner Familie in Zadar, in Mannheim, in Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien, wo ich studiert, geforscht oder an internationalen Konferenzen und Summer Schools teilgenommen habe, oder in Zweibrücken. Die Stadt ist wunderschön. Noch nie habe ich irgendwo ein Gestüt gleich neben dem Rathaus gesehen. Dazu die Rosen, das Wasser, die offenen, freundlichen Menschen. Gutes Essen gibt es auch.

Sie schwärmen regelmäßig von der guten Frischeküche und dem herrlichen Olivenöl in Kroatien.

Nekic: Ja, gutes Essen, in Ruhe, Bioprodukte, frisch und mit Liebe zubereitet, ist mir sehr wichtig. Ich koche gerne für Familie, Freunde und Bekannte, auch für mich allein. Sogar in meiner Mittagspause, wenn ich es zeitlich schaffe. Das entschädigt mich dafür, dass ich weder zum Basketballspielen noch zum Singen in einer Chorgemeinschaft komme.

Das VHS-Programm für das zweite Halbjahr 2019 enthält viele neue Themen. Was hat sich bei der VHS unter Ihrer Führung ansonsten bereits verändert?

Nekic: Nun, im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal seit Bestehen der Volkshochschule erfolgreich ein externes Qualitätsmanagementverfahren durchlaufen und sind jetzt nach AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung) zertifiziert. Die Qualitätsansprüche sind dadurch gesichert, da sich beispielsweise sowohl das festangestellte VHS-Team als auch Dozierende als freie MitarbeiterInnen regelmäßig in unterschiedlichen Bereichen fortbilden. Außerdem werden auch interne Abläufe systematisch dokumentiert. Für die vielen neuen Themen in den Bereichen „Nachhaltigkeit“, „Umwelt“, „Gesundheit“, „Ernährung“ und „Digitale Teilhabe“ wurden neue Dozierende gewonnen. Zudem haben wir die Zusammenarbeit mit der Hochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken erweitert. Außerdem können Kursteilnehmende mit der „vhs.cloud“, der bundesweit ersten Lern- und Arbeitsumgebung für die Weiterbildung im digitalen Zeitalter, in den Bereichen „Fremdsprachen“, „Beruf/EDV“ und „Integration“ vielfältige digitale Instrumente, wie etwa interaktive Lernmodule, Lernpläne, Lerntagebücher oder Lernerfolgskontrollen, nutzen. Lehr- und Lern-Settings können dadurch sinnvoll ergänzt, erweitert oder neu gestaltet werden. Zudem ist die VHS Zweibrücken erstmals seit ihrem Bestehen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für berufsbezogene Deutschsprachfördermaßnahmen zugelassen worden. So können Teilnehmende in den Spezialmodulen „Nichtakademische Gesundheitsberufe“ und „Gewerbe/Technik“ berufsbezogene Deutschsprachkenntnisse auf B2-Sprachniveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) erwerben. Ziel ist ein versierter Umgang mit der deutschen Sprache in Kliniken, Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Apotheken sowie eine einfachere Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt, etwa in Betrieben des Maler- und Kraftfahrzeuggewerbes sowie der metallverarbeitenden Industrie. Mir persönlich liegen die Themen „Nachhaltigkeit“, „Digitale Teilhabe“ und „interkulturelle Weiterbildung“ sehr am Herzen.

Welche Pläne haben Sie noch? Wie ist Ihre Vision von der Zukunft der VHS Zweibrücken?

Nekic: Wir möchten Anreize geben für lebenslanges Lernen und alle dazu einladen, immer wieder etwas Neues aufzunehmen. In einer zeitgemäßen, für die persönliche und die gesellschaftliche Entwicklung relevanten Themenvielfalt, soll jeder etwas für sich Interessantes finden. Ganz gleich, ob Jugendlicher oder Senior, Mann oder Frau, und auch gleich, auf welchem Bildungsniveau. Dafür setze ich mich mit Leidenschaft und Herzblut ein. Mein Traum: Ein internationales Lern-Café mit Wohlfühlcharakter, in dem sich offene, vielfältig interessierte, lernfreudige und kommunikative Menschen gerne treffen, austauschen und weiterbilden – in einem Haus der (Begegnungs)Kultur, offen für ALLE.