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Prävention
Intelligente Toilettenbrille erfunden

Thomas Doerr und Tochter Saskia demonstrierten bei der Präsentation von Prevcare in der Fasanerie, wie die intelligente Klobrille wirkt.
Thomas Doerr und Tochter Saskia demonstrierten bei der Präsentation von Prevcare in der Fasanerie, wie die intelligente Klobrille wirkt. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Kardiologe Thomas Doerr will mit kleinen Hightech-Geräten neun von zehn Schlaganfällen und Infarkten verhindern.

Künftig können Patienten bei jedem Toilettenbesuch zu Hause automatisch EKG, Herzfrequenz und Blutdruck messen. Diese Zukunftsvision der persönlichen  Gesundheitsvorsorge des Zweibrücker Mediziners Thomas Doerr ist auf dem besten Weg, Realität zu werden. Am Mittwochabend stellte der Kardiologe und Erfinder in der Fasanerie rund 100 Interessierten sein neu entwickeltes Vorsorgesystem Prevcare vor. Dies sei eine hoch effektive Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall und gelinge „an jedem Ort und zu jeder Zeit nur durch den Patienten selbst“, denn „Pulsfühlen“ allein reicht da definitiv nicht aus“, so Doerr. Mit diesem ausgeklügelten Konzept könnten bereits heute die tödlichsten Krankheiten der westlichen Industrienationen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall und teilweise auch die vaskuläre Demenz durch die eigene Vorsorge des Patienten oft rechtzeitig verhindert werden, sagte der Mediziner in seinem 75-minütigen Vortrag. „Neun von zehn Herzinfarkten oder Schlaganfällen lassen sich verhindern“, unterstrich er. Ziel des Herzspezialisten ist es, Krankheiten mit kleinen Geräten zu verhindern, statt sie mit großen Geräten zu behandeln. „Wieviele Menschenleben hat ein CT bisher gerettet?“, fragte Doerr provokativ. Diese Geräte kämen laut den Vorschriften der Krankenkassen oft erst zum Einsatz, wenn das Kind bereits im Brunnen liege, die Vorschädigung bereits erfolgt sei.

Mit dem Vorsorgeprogramm Prevcare und den von Doerr dabei teilweise selbst entwickelten und teilweise auch patentierten „Kleingeräten“ wie dem Vier-Elektroden- EKG oder der EKG-Uhr, welche die Herzfrequenz, Puls und Sauerstoffsättigung im Blut misst, können Unregelmäßigkeit des Herzens zu jeder Zeit und damit rechtzeitig festgestellt und so Leben gerettet und die Gesundheit erhalten werden. „Welcher Arzt schreibt täglich ein  EKG oder fühlt täglich zweimal den Puls ohne dass es einen Grund gibt?“ fragte der 56-jährige Mediziner weiter.

Als gefährlichste Ursache und rechtzeitige Vorwarnung hat nicht nur Thomas Doerr das Vorhofflimmern identifiziert. „Dazu gibt es medizinische Studien“, sagte er. Allerdings kontrollierten nur wenige Ärzte und Patienten, wie lange das Flimmern wirklich andauert. Stattdessen werde oft vorschnell mit Blutgerinnungs-Hemmern wie Marcumar dauerhaft behandelt, obwohl das teilweise nicht immer gerechtfertigt sei weil das Todesrisiko durch Hirnblutungen eine typische „Nebenwirkung“ darstellt.



„Erst, wenn das Vorhofflimmern länger andauert, besteht die Gefahr eines Thrombus und damit das Risiko von Schlaganfall oder Herzinfarkt“, informierte der Experte. Jeder vierte Mensch leide im Laufe seines Lebens unter Vorhofflimmern. Allerdings könne dieses kurzfristig auftreten, etwa auch durch eine Grippe. Dann sei wichtig, weiterhin zu kontrollieren, ob die Frequenzstörung erneut auftrete, erklärte er anhand eines Kurzfilms ausführlich. Eine Möglichkeit der Vorhofflimmer-Analyse ist gegeben durch Nutzung einer wissenschaftlich validierten, vom Tüv geprüften und medizinzertifizierten App fürs Handy sogar ohne jegliche weitere Zusatzgeräte. Allerdings gelten diese wie auch sonstige Geräte zur Vorhofflimmeranalyse in Deutschland als „Heilapparate“ und werden daher nicht von Krankenkassen bezahlt. „Diese finanzieren unverständlicherweise lieber hinterher Heil- und Hilfsmittel wie Rollstühle und Anschlussheilbehandlungen, wenn ein Schlaganfallpatient bereits gelähmt ist“, kritisierte der Mediziner.

In seiner sehr persönlichen Krankengeschichte berichtete der Diplom-Informatiker Peter Groz, der gemeinsam mit Doerr und seinem Team die Geräte von Prevcare entwickelte, wie ihm der Nachfolger des 2001 patentierten Klein-EKG-Gerätes Cremoni und die neue Uhr im vergangenen Jahr mehrfach das Leben gerettet häten. „Das ist definitiv kein technischer Schnickschnack, sondern das sind hoch interessante Möglichkeiten, Medikamente mit hohen Nebenwirkungen wie Antikoagulanzen zu verhindern. So sieht die Zukunft aus“, meinte auch Professor Joachim Schenk, stellvertretender Leiter der Gerinnungsabteilung im Homburger Uniklinikum.

Als Vortrags-Höhepunkt präsentierte Thomas Doerr zum Abschluss die neue Klobrille „live“ und demonstrierte hierbei, wie diese durch normales Aufsitzen EKG, Herzfrequenz, Puls und Sauerstoffsättigung im Blut messen lässt. „Diesen zum Patent angemeldeten Prototyp werden wir jetzt weiter perfektionieren.“ „In einigen Jahren werden solche intelligenten Klobrillen sicher standardmäßig in vielen Toiletten eingebaut“, kann sich Peter Groz gut vorstellen. Er habe auch im Bereich der Bundeswehr so viel entwickelt, „aber die beste Idee ist die mit „EKG Blutdruck- Klo“. Mediziner, Apotheker, Juristen  und Patienten diskutierten anschließend die Präsentation.