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Neues Angebot
Ins Helfen „hineingerutscht“

 Sven und Vanessa Carstens vor der selbstgebauten Voliere.
Sven und Vanessa Carstens vor der selbstgebauten Voliere. FOTO: Nadine Lang
Oberauerbach. Warum eine Zweibrückerin eine eigene Wildvogelstation in der Rosenstadt eröffnet hat. Von Nadine Lang

Gerade einmal eine Woche ist es her, dass Vanessa Carstens ihre Facebook-Seite „Vanessa´s Wildvogelstation Zweibrücken“ ins Leben gerufen hat. Seitdem kann sie über den großen Zuspruch und die Unterstützung, die ihr geboten wird, nur überwältigt staunen.

Dabei fing alles eher mit einem Zufall an: Vor einigen Wochen entdeckte sie auf ihrem Balkon ein Vogelnest und wollte sich im Internet informieren, wie sie sich am besten verhalten kann, um das Tier nicht zu stören. Dabei bemerkte sie auch, wie viele Menschen im Raum Zweibrücken verletzte oder aus dem Nest gefallene Vögel fanden und nicht wussten, wo sie sie hinbringen sollten, denn das Tierheim ist für Vögel nicht zuständig. Gerade bei der letzten Hitzeperiode war dies der Fall, denn dann entstehen sogenannte Glutnester, aus denen die Jungvögel aufgrund der Hitze zu flüchten versuchen.

Während sich die 27-Jährige wochenlang aus eigenem Interesse ins Thema einlas, fand eine Freundin eine Schwalbe, die sie in die Obhut von Vanessa Carstens gab. Nachdem der Vogel jedoch das Futter verweigerte, begab sie sich selbst auf die Suche nach Hilfe und stellte fest: die nächsten Anlaufstellen waren erst in Püttlingen und Hochspeyer. „Und dazwischen ist ein riesiges Loch“, erklärt Ehemann Sven Carstens, der seine Frau mit Rat und Tat unterstützt. In Hochspeyer bekamen sie schließlich wertvolle Ratschläge, was in solchen und anderen Fällen zu tun ist. Und einen wertvollen Kontakt, denn die Auffangstation dort hat auch eine Auswilderungsvoliere, die die Schwalbe und ein hinzugekommenes Hausrotschwänzchen nach dem ersten Aufpäppeln aufnahm, um sie zur richtigen Zeit wieder in die Freiheit zu entlassen.



„So bin ich immer mehr hineingerutscht und beschlossen, es einfach zu probieren“, erklärte Vanessa Carstens. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann, der, angesteckt von der guten Sache, innerhalb von zwei Tagen eine Voliere baute. Bevor sie damit an die Öffentlichkeit ging, knüpfte sie allerdings Kontakte. So arbeitet Vanessa Carstens nun auch mit der Stadttaubenhilfe Pirmasens zusammen und mit der Jagdfalknerei von Strzemieczny aus Höheischweiler, denn um Raubvögel dürfen sich nur ausgebildete Falkner kümmern. Und mit der Wildvogelrettung Hochspeyer wird Vanessa Carstens auch in Zukunft zusammen arbeiten, denn: „wir päppeln die Vögel nur auf und kontrollieren ihren Gesundheitszustand“, zu gegebener Zeit bringt sie die Tiere dann nach Hochspeyer ins Auswilderungsgehege. Dort gibt es auch eine Voliere für Vögel, die nicht mehr in die Natur zurückkönnen, etwa aufgrund einer Behinderung.

Doch mit dem Aufpäppeln alleine wird schon genug auf sie zukommen, denn ein Jungvogel muss zwischen aller halben Stunde bis zwei Stunden gefüttert werden. Ein Glück, dass Vanessa Carstens Hausfrau ist und sich somit nach den Bedürfnissen ihrer Schützlinge richten kann.

Seit sie ihre Hilfe öffentlich gemacht hat, findet sie jede Menge positiven Zuspruch. Da die Hilfe sehr kostenintensiv ist, hat sie auf ihrer Facebookseite eine Amazon-Wunschliste erstellt, mit Dingen, die sie zum Aufpäppeln braucht, und beinahe täglich wollen sie Menschen mit dieser Möglichkeit der Sachspende unterstützen. Was nun in der nächsten Zeit an Schützlingen auf sie zukommt, kann die zweifache Mutter nur auf sich zukommen lassen. „Ich bin offen und weiß, dass es eine Herausforderung werden kann, aber die nehme ich an. Und ich weiß, man kann nicht jeden Vogel retten, aber man kann es versuchen.“

Wer einen Vogel in Not findet, kann sich an Vanessa Carstens wenden, Tel. (0 15 75) 3 99 43 84. Wichtig: bitte erst den Vogel sichern, dann anrufen. Und ihm weder Essen noch Trinken geben.