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Kolumne Unsere Woche
Immer wieder der Überflieger

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Merkur-Redakteur Jan Althoff kann gut verstehen, dass sich die Zweibrücker im Internet und im echten Leben ausdauernd über den Überflieger erregen. Von Jan Althoff

Der Überflieger ist ein Phänomen. Allein schon aus journalistischer Sicht: Während Artikel, die wir auf unsere Seite im sozialen Netzwerk Facebook stellen, normalerweise nur einen, maximal zwei Tage für Gesprächsstoff unter den Zweibrückern auf dieser Plattform sorgen, nehmen die Kommentare zum Überflieger schier kein Ende. Fanatische Überflieger-Freunde melden sich dort, vorsichtig gesagt, eher selten zu Wort. Vielmehr wird auf diejenigen eingeprügelt, die für die Entscheidung und ihre Umsetzung verantwortlich sind beziehungsweise waren. Das hat sicher damit zu tun, dass Ärger eher motiviert, einen Kommentar abzugeben als Gleichgültigkeit oder überschäumende Begeisterung. Aber dieses Phänomen müsste bei ähnlich bürgernahen Themen (auf der Straße ist schließlich jeder unterwegs) für ähnlich viel Wirbel sorgen. Tut es aber nicht.

Und zwar, weil der unselige Überflieger so präsent ist, dass ihn jeder immer wieder vor Augen hat und er einfach unendlich viele Angriffsflächen bietet, um sich an den Kopf zu fassen oder zu ärgern. Das fängt schon mit der puren Existenz des – rein optisch gar nicht so hässlichen – Bauwerkes an. Angesichts der Verkehrsentwicklung waren bereits im Vorfeld viele Zweibrücker auf der gleichen Linie wie bereits zu Zeiten der Entscheidung Grüne Liste, FWG sowie Räte von FDP und SPD, die sich nie für den Bau erwärmen konnten: „Brauchen wir nicht, das Ding. Egal, ob es Zweibrücker oder Berliner Geld ist.“ Zumal, auch das wurde bereits im Stadtrat gesagt und im Internet geschrieben, auch Berliner Geld nicht vom Himmel fällt. Zu einem Anteil, den man sicherlich ausrechnen könnte, ist das sogar originär Zweibrücker Geld.

Meine Wahrnehmung ist zudem: Seit der Überflieger für den Verkehr freigegeben ist, hat sich die Lage für Autofahrer in der Stadt nicht signifikant verändert oder gar verbessert. Was beispielsweise mich persönlich als Autofahrer aus Richtung Stadtmitte oder Ixheim auf dem Weg zur Autobahn aufhält, waren und sind die Ampeln. An der Ampel in der Fruchtmarktstraße zum Beispiel stehe ich im Abendverkehr deutlich länger als vor dem Kreisel 200 Meter weiter – egal ob mit oder ohne Überflieger. Jetzt möchte ich mich nicht hinstellen, und die Abschaltung der Ampeln fordern. Oder den Bau weiterer Kreisverkehrsplätze. So hoch ist der Leidensdruck bei mir nun auch wieder nicht. Aber wirklich hoch war der Leidensdruck rund um den Kreisel, wenn man ehrlich ist, überhaupt noch nie. Anders war es mit dem Kreisel an der Lanzstraße. Die Kreuzung mit der Daimler-Straße war ein Nadelöhr, das Tag für Tag wirklich Nerven gekostet hat. Heute können dort auch Mitbürger mit bereits erhöhem Blutdruck relativ entspannt langfahren. das war mal ein Projekt, für das den Entscheidern Lob gebührt!



Aber zurück zum Überflieger. Dort kommt zur grundsätzlichen Frage der Notwendigkeit noch diese Umsetzung unter der Überschrift „Pleiten, Pech und Pannen“ hinzu: Da wird eine eigentlich seit langem geplante Einfädelspur einfach vergessen – und danach streiten die Experten, ob man das mit dem Ziehen neuer Linien beheben kann oder ob man den Übergang vom Überflieger auf die Autobahn nicht eigentlich verbreitern oder verschwenken müsste. Der eine schiebt die Verantwortung zum anderen oder erklärt die Frage nach der Verantwortung für grundsätzlich irrelevant und am Ende wird – um überhaupt etwas zu tun – die schnelle Verbindung zur Autobahn mit zwei Stopp-Schildern ausgebremst. Mal schauen, wie lange dieses Provisorium bestand haben wird. Wahrlich kein Ruhmesblatt für Planer und Ausführende! Wenn ich nicht schon selber an einigen der erschienenen Artikel mitgewirkt hätte: Ich würde mich glatt bei Facebook darüber aufregen.