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Serie Angespielt
Immer Ärger mit den Wikingern

In den Echtzeitschlachten ist viel los. Die Komplexität seiner Vorgänger erreicht „Thrones of Britannia“ aber nicht.
In den Echtzeitschlachten ist viel los. Die Komplexität seiner Vorgänger erreicht „Thrones of Britannia“ aber nicht. FOTO: Creative Assembly
Zweibrücken. „Total War Saga: Thrones of Britannia“ ist nicht ganz so episch geraten wie die Vorgänger. Von Jan Althoff

Jede Kriegsführung beruht auf Täuschung. Das wusste schon der weise Sun Tzu, der im sechsten Jahrhundert vor Christus den Militär-Klassiker „Die Kunst des Krieges“ schrieb. Und auch bei Creative Assembly, den Machern der „Total War“-Reihe, dürfte man diese strategische Weisheit kennen. Sicher kann man ihnen nicht  unterstellen, dass sie sich bewusst an ihr orientiert haben. Aber Fakt ist: Der erste Teil der „Total War“-Ablegerserie „Saga“ mit dem Untertitel „Thrones of Britannia“ ist deutlich weniger komplex, als es auf den ersten Blick scheint.

Das fängt schon beim Blick auf die Strategiekarte an: Unzählige Buttons auf der – sehr hübschen – Karte von Großbritannien erwecken den Eindruck, hier könnte man bis ins kleinste Detail regeln und gewichten. Kann man aber nicht. Vernünftig ausbauen und befestigen kann man lediglich die Hauptstädte der Provinzen. Die übrigen Dörfchen sind lediglich bessere Bauernhöfe und so schlecht verteidigt, dass eine einzelne Einheit fußkranker Bauernlümmel sie einnehmen kann.

Weiter geht’s bei den Echtzeit-Schlachten: Hier stehen sich Armeen gegenüber, die sich sehr ähnlich sind und die nach sehr ähnlichen Taktiken kämpfen. Zum Beispiel durch Einsatz der Formation Schildwall Bogenschützen-Angriffe ins Leere laufen lassen. Klar, das lässt sich mit den tatsächlichen Einheiten im Frühmittelalter erklären. Anders als die Seeschlachten, bei denen auf unterschiedliche Schiffstypen gleich ganz verzichtet wurde. Da kommt kein Spaß auf.



Was es ebenfalls nicht ins neue „Total War“ geschafft hat, sind Religion (außer in Gestalt von Kirchen) und frei agierende Spezialisten wie Spione. Das ist aber eigentlich gar nicht so schlecht. Wie manches im neuen „Total War“. Wie zum Beispiel die neue Rekrutierungsmechanik. Bisher galt: Wenn in Stadt X nicht die richtigen Gebäude stehen, kann dort Einheit Y nicht rekrutiert werden. Jetzt reicht es, dass die entsprechende Technologie erforscht ist  und noch genügend Rekruten des benötigten Typs im Reich vorhanden sind. Der endliche Vorrat an Rekruten, der durch Steigerung der Nahrungsmittelproduktion erhöht werden kann, sorgt für weniger übermächtige Armeen.

Zur Auswahl stehen insgesamt zehn Fraktionen, die verschiedene Stärken und Schwächen haben und sich so zumindest strategisch unterschiedlich spielen. Eine richtige Story hat man nur den Angelsachsen unter König Alfred gegönnt (vergleichbar zu den Römischen Fraktionen in „Total War: Rome“), der Rest der Fraktionen muss sich mit austauschbaren Missionen begnügen. Aber immerhin gibt’s für alle mehrstufige Siegmöglichkeiten: Schon nach Erreichen des ersten Sieges kann man sich eigentlich zurücklehnen und sich als Gewinner fühlen – oder die nächsthöhere Herausforderung annehmen. Das hat was.

Wertung (Schulnote):⇥ 2+