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Psychische Gesundheit
Im Schulstress mental gesund bleiben

„MindMatters“, ein Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit an Schulen, wurde gestern bei einem Seminartag an der BBS Zweibrücken von Erlebnispädagoge Oliver Schmidt (links) vorgestellt.
„MindMatters“, ein Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit an Schulen, wurde gestern bei einem Seminartag an der BBS Zweibrücken von Erlebnispädagoge Oliver Schmidt (links) vorgestellt. FOTO: Andy Enderlin
Zweibrücken. Premiere in Rheinland-Pfalz: Seminartag zum Programm „MindMatters“ an der BBS Zweibrücken.

Wer kennt es nicht? Nach einem langen und stressigen Arbeitstag kommt man ausgelaugt nach Hause – die Stimmung ist im Keller. Darunter leidet auch die Gesundheit. Nicht nur Erwachsene, auch viele Schüler sind betroffen.

Diesem Problem will sich die Berufsbildende Schule Zweibrücken (BBS Ignaz-Roth-Schule) annehmen. Als bisher erste Schule in Rheinland-Pfalz nutzt sie dazu das Programm „MindMatters“. Dies ist ein bundesweites, wissenschaftlich begleitetes und in der Praxis erprobtes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit in Schulen. Hauptträger ist die Barmer-Krankenkasse.

Ziel des Programms ist eine Verbesserung der Lernbedingungen – und damit auch der Gesundheit der Schüler. „MindMatters“ besteht aus verschiedenen Bausteinen, Hauptaugenmerk lag auf dem Thema „Fit für die Ausbildung und Beruf – Mit psychischer Gesundheit den Übergang gestalten“. Durch den Einsatz der Unterrichtsmaterialien zum Umgang mit Gefühlen, Stress, psychischen Störungen und Mobbing können die Schüler ihre Widerstandskraft und ihr Wohlbefinden stärken sowie ihr Wissen und ihre Kompetenzen erweitern.



Die Idee „MindMatters“ zu nutzen, hatte Studiendirektorin Henni Kühn, die für Koordination und Beratung an der BBS Zweibrücken zuständig ist, als sie ein Seminar zum Programm besuchte. „Wir haben 100 Lehrer und rund 1500 Schüler, daher betrifft uns dieses Thema schon sehr“, so Kühn. Sie lud einen Referenten ein, der das Programm seit 2014 betreut und schon rund 30 Seminare hielt.

Mit der Frage: „Psychische Gesundheit in der Schule bedeutet für mich?“, begann Oliver Schmidt gestern das Seminar an der BBS Zweibrücken. Der ausgebildete Erlebnispädagoge bezog die Lehrkräfte von Beginn an mit ein. Nach angeregter Diskussion, fasste Schmidt zusammen: „Erst wenn ich mich wohlfühle, fühlen sich auch andere wohl. Es gibt keine Gesundheit ohne mentale Gesundheit“. Bei Betrieben stehe die Gesundheit viel mehr auf der Agenda als bei Schulen, da hier keine monetäre Messung möglich sei. Psychisches Wohlbefinden entstehe aus der Balance zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung, erläuterte Schmidt.

Wie fühlt sich ein Schüler, wenn er neu in der Klasse ist und keinen Anschluss findet? In diese Situation sollten sich die Lehrkräfte versetzen. Mit der Übung „Gemeinsamkeiten finden“ sollen Schüler mit Hilfe eines vorgefertigten Fragebogens ihre Klassenkameraden besser kennenlernen. Durch den Ehrgeiz, diesen Fragenbogen komplett zu befüllen, sollen Hemmungen abgebaut werden. „Es gibt eine ganz klare Tendenz, dass Menschen, die sich kennen, beziehungsfähiger sind“, erklärte Schmidt. Mit viel Freude stellten sich die Lehrer der Aufgabe. Die Resonanz war überwältigend.

Beendet wurde das Seminar mit der Frage, ob und wie die Lehrer „MindMatters“ in den Schultag einbauen könnten. Es gab positive Stimmen – aber auch Bedenken. „Die Anwendbarkeit ist sehr stark vom Schulfach und vom Bildungsgang abhängig, ich denke nicht, dass eine flächendeckende Nutzung möglich ist“, meinte eine Lehrerin. Dies liege vor allem daran, dass die Zeit durch den engen Lehrplan nicht vorhanden sei.

„Ob, wann und in welchem Umfang das Programm an der Schule Anwendung findet, entscheidet erst die Bewertung der Kollegen. Die Entscheidung darüber kann noch andauern“, sagte der Schulleiter,  Oberstudiendirektor Jürgen Bärmann.