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Untersuchung der IHK Pfalz
Wirtschaft stellt Stadt schlechtes Zeugnis aus

Das Zweibrücker Rathaus. Foto: Wittenmeier
Das Zweibrücker Rathaus. Foto: Wittenmeier FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Zweibrücken kommt bei neuer Untersuchung der IHK Pfalz nur auf Platz 10 von 12: Die hiesigen Betriebe äußerten viele Kritikpunkte. Von Mathias Schneck

Viele Kritikpunkte, einige Lichtblicke: So lässt sich das Fazit einer Studie der IHK Pfalz mit Blick auf Zweibrücken zusammenfassen. Die IHK Pfalz hat in ihrer gestern vorgestellten Untersuchung „Wirtschaftsstandort Pfalz 2018“ insgesamt zwölf Kommunen (Städte und Verbandsgemeinden) untersucht. Die IHK hatte Unternehmen um ihre Einschätzung gebeten. Während in der Untersuchung vor allem Landau, Speyer und Germersheim viel Lob ernten, setzt es für Zweibrücken – das nur auf Rang 10 landete – vor allem Kritik.

Die Rosenstadt habe im Vergleich zur letzten IHK-Umfrage 2015 „deutlich verloren und erhält aus Sicht seiner Unternehmen bei den Rahmenbedingungen insgesamt mit 3,0 auch im Vergleich zum Jahr 2015 (2,7) einen unterdurchschnittlichen Wert“, benotet die IHK-Studie.

Punkten könne Zweibrücken „mit seiner guten Anbindung an das Fernstraßennetz, dem Schulangebot und der Nähe zu Hochschulen. Deutlich schwächer wird hingegen die Anbindung an den ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) und das Schienennetz beurteilt.



Die Arbeit der Wirtschaftsförderung wird negativer als andernorts beurteilt. Für ihre Kompetenz erhält sie eine 3,1 (2015: 3,0) und für ihre Kundennähe 3,0 (2,8). Das Standortmarketing wird mit 3,6 (3,4) im Vergleich sehr schwach bewertet. Auch die städtische Bearbeitungsdauer von Anliegen der Wirtschaft erhält mit 3,7 (3,4) und die Begründung von Entscheidungen mit 3,8 (3,6) „Tiefstwerte“, so die IHK.

Immerhin: Es gibt auch Lichtblicke. So sehen die Unternehmer die Lebensqualität als positiv und geben ihr mit 2,6 (2,6) eine gute Note. Doch wird im gleichen Atemzug die Attraktivität der Innenstadt mit 3,8 (3,5) als sehr schlecht eingestuft.

Zum Vergleich: Speyer, Primus in der IHK-Untersuchung erhält von den dortigen Unternehmern sowohl hinsichtlich der Lebensqualität wie auch der Attraktivität der Innenstadt jeweils eine hervorragende 1,8.

Zweibrückens Bürgermeister Christian Gauf (CDU) sieht die Untersuchung mit einer gewissen Skepsis. Auf Anfrage erklärte er, dass „solche Umfragen nicht repräsentativ sind, sondern eher ein Stimmungsbild wiedergeben.“ Bei der Umfrage habe die IHK Pfalz 1037 Unternehmen in der Stadt angeschrieben und gerademal 87 Antworten erhalten – lediglich 8,4 Prozent hätten sich also geäußert. Gauf: „2015 war nach dem Ausbau der Fußgängerzone und des Alexanderplatzes die Stimmung bei den Händlern besser als heute. Sie stellen bei den Antworten auch einen großen Anteil. Die Stimmung 2018 ist durch einige Geschäftsschließungen eher weniger gut.“ Dazu komme für den Handel die Herausforderung durch die Online-Konkurrenz. „Nachvollziehbar“ sei, dass die Verkehrsanbindung für Autofahrer gut beurteilt werde und die Anbindung an das Schienennetz „miserabel“. Gauf betonte, er arbeite daran, „diese Stimmung wieder zu verbessern. Denn wirtschaftliche Einschätzungen haben oft nicht nur etwas mit Fakten zu tun, sondern mit Emotion.“

Marold Wosnitza (SPD) – der gerade wie Gauf um den Posten des Oberbürgermeisters der Stadt Zweibrücken kämpft – sieht die Ergebnisse der IHK-Studie als Aufforderung zu handeln. „Zweibrücken kann mit Blick auf das Zusammenspiel von Wirtschaft und Verwaltung mehr“, zeigte er sich in einer Pressemitteilung überzeugt. „Die Ergebnisse spiegeln das wider, was ich bei meinen vielen Unternehmensbesuchen gehört und beobachtet habe“, berichtete Wosnitza. „Wir brauchen einen veränderten Umgang mit unseren ansässigen Unternehmen und mit den ansiedlungswilligen Unternehmen. Wir brauchen verkürzte Bearbeitungszeiten. Wir brauchen ein besseres Standortmarketing. Wir brauchen insgesamt eine neue Strategie.“