| 20:06 Uhr

„Ich will keinen Heiligenschein für meinen Mandanten“

Zweibrücken. „Er ist sicher kein Unschuldslamm“, so der Anwalt des Mannes in der Sitzung des Stadtrechtsausschusses. Allerdings hätte man seinem Mandanten vor dem Entzug des Führerscheins erst einmal die Möglichkeit geben müssen, den „Idiotentest“ zu machen. Eric Kolling

Gegen den Verlust seines Führerscheins hat sich ein Mann vor dem Zweibrücker Rechtsausschuss gewehrt. Ihm war am 23. Oktober 2015 der Führerschein entzogen worden, nachdem er am 12. Juni bei einer Verkehrskontrolle angehalten und in seinem Blut Rückstände von Amphetamin und Cannabis gefunden worden waren. Bereits bei einem Wert von einem Nanogramm Amphetamin sei man nicht mehr fahrtüchtig, argumentierte ein Mitarbeiter der Zweibrücker Verwaltung. Bei dem Beschuldigten habe man über sieben Nanogramm festgestellt. Sitzungsleiterin und Rechtsamts-Chefin Annegret Bucher ergänzte, dass eine einmalige Einnahme von Amphetamin den Verlust des Führerscheins rechtfertige. "Ich will keinen Heiligenschein für meinen Mandanten. Er ist sicher kein Unschuldslamm", so der Anwalt des Mannes in der Sitzung. Zumal dieser nach einer Trunkenheitsfahrt 2014 schon einmal den Führerschein verloren und ihn erst am 11. Februar 2015 wiederbekommen hatte. Allerdings kritisierte der Anwalt, dass man seinem Mandanten erst einmal die Möglichkeit hätte geben müssen, sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (im Volksmund "Idiotentest" genannt) zu unterziehen. Schließlich sei er vor der ersten Trunkenheitsfahrt neun Jahre ohne Zwischenfälle gefahren. Er nannte Urteile von saarländischen und hessischen Gerichten - stieß damit bei der Stadt aber auf taube Ohren. Annegret Bucher verwies darauf, dass man sich an der rheinland-pfälzischen Rechtsprechung orientiere. "Dort könnte dieses Verfahren ja auch noch landen." Die Entscheidung des Ausschusses fiel nicht-öffentlich.