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Amphetaminprozess
„Ich war doof, da mitzumachen“

Zweibrücken. Auch der zweite Angeklagte im Amphetaminprozess stellt sich als bloßes Opfer und Vermittler dar. Von Volker Baumann

Gestern wurde vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken der Prozess gegen die beiden Angeklagten aus Neunkirchen fortgesetzt, denen vorgeworfen wird,  am Verkauf von fünf Kilogramm Amphetamin zum Preis von 15 000 Euro auf einem Parkplatz in Zweibrücken beteiligt gewesen zu sein. Beim Deal, bei dem eine Vertrauenspersonen der Polizei anwesend war, wurden die Beteiligten festgenommen (wir berichteten mehrfach).

Nachdem der 50-jährige Angeklagte aus Neunkirchen tags zuvor seinen Freund  vor Gericht als Initiator und Zwischenhändler beim Drogengeschäft darstellte und sich selbst lediglich als Opfer und benutzter Vermittler sah, drehte der 52-jährige Mitangeklagte gestern den Spieß um. Er erzählte im Grunde eine ähnliche Geschichte wie der gestern vernommene 50-Jährige. Er habe seinem Freund lediglich einen Gefallen tun wollen und die zufällige Begegnung mit dem Freund seiner Ex-Ehefrau – einem albanischen Staatsangehörigen, der ihn wiederum nach Abnehmern von Drogen gefragt hätte – zur Vermittlung des Geschäfts genutzt. Von den eigentlichen Verhandlungen und der Lieferung habe er sich bewusst herausgehalten. Gegen eine Beteiligung an einem Drittel des Gewinns habe er aber seine Wohnung und sein Auto zur Verfügung gestellt. Er habe seinem Freund dazu sogar den Schlüssel zur Wohnung und seiner Garage überlassen. Der 52-Jährige, von seinem Freund zuvor als cholerischer Alkoholiker dargestellt, der große Schulden habe und auf das Geld angewiesen gewesen sei, erzählte seine Geschichte der Kammer in stoischer Ruhe und fast überheblich wirkender Gelassenheit. Die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas musste den Angeklagten mehrmals zum verständlichen Lautsprechen ermahnen: „Sprechen sie bitte laut. Sie halten hier keinen Dialog mit ihrem Anwalt, sondern haben einer Strafkammer verständlich  zu antworten“.

Unruhe kam erst beim Angeklagten auf, als die Staatsanwaltschaft Zweibrücken und der Verteidiger des Freundes ihn mit widersprüchlichen und unstimmigen Aussagen aus der Vergangenheit konfrontierten. „Warum haben sie da eigentlich mitgemacht?“ wollte die Vorsitzende wissen. „Weil ich doof war“, erklärte der Angeklagte. „Und warum belastet ihr Freund sie?“, fragte die Richterin. „Weil es um Strafe geht“, schätzte der Befragte dessen Motivation ein. Susanne Thomas hielt dem Angeklagten indes vor, dass seine Aussage möglicherweise den gleichen Hintergrund haben könnte.  Der Prozess wird am 19. Juli um 14 Uhr fortgesetzt.